Hans-Peter Uhl (CSU, links) überlegt, ob er einem Jüngeren Platz macht. Rechts: Auf vielfachen Wunsch bald wieder im Bundestag? Mit seinen witzigen Plakaten setzte der SPD-Abgeordnete Axel Berg Akzente. 2009 flog er trotzdem aus dem Bundestag. Nun will der 52-Jährige nach Berlin zurückkehren.

Bundestagswahl 2013: Generationswechsel in Berlin

München - Im Herbst 2013 ist Bundestagswahl. Schon jetzt hat das Gerangel um die Kandidaturen begonnen. Und: Es steht ein Generationswechsel bevor. Denn einige Münchner Abgeordnete denken über ihren Rückzug nach. Die Jungen warten schon.

Über Jahre schien der Kreis der Münchner Bundestagsabgeordneten ein starres System zu sein: Die Parteien setzten auf bewährte Kräfte, die nun aber in die Jahre kommen. Einer von ihnen kündigte gestern frühzeitig seinen Rückzug an: Rainer Stinner von der FDP . „Ich werde zum Wahltag 2013 66 Jahre alt sein, und ich möchte dann gehen, wenn das zumindest von einigen noch bedauert wird“, teilte Stinner mit.

Er ist nur ein Beispiel dafür, dass Bewegung in die Parteien kommt. Der Nachwuchs wittert seine Chance, ob als Direktkandidat in einem der vier Münchner Wahlkreise – oder auf der Landesliste. Der Bewerbungsprozess läuft. Ab Ende Juni dürfen die Parteien ihre Kandidaten nominieren.

Die CSU

Im Kreis der vier Münchner Bundestagsabgeordneten der CSU gibt es zwei Fragezeichen: Was wird aus Hans-Peter Uhl? Und was aus Herbert Frankenhauser? „Ich bin am Überlegen“, sagt Uhl, 67 Jahre alt und seit 1998 Mitglied des Bundestags. „Demnächst“ werde er sich erklären, ob er denn nochmals im Wahlkreis West/Mitte antreten wolle. Es gebe schließlich auch Junge, die bereitstünden. Uhl meint Andreas Bauer , 30 Jahre alt, früherer Geschäftsführer der Münchner CSU, bisher aber ohne Mandat. „Ich habe meinen Hut in den Ring geworfen“, sagt Bauer – um dann zu ergänzen: „Falls Herr Uhl nicht mehr kandidieren sollte.“ Das klingt höflich, zeigt aber auch: Der Druck auf Innenpolitiker Uhl wächst im Inneren der Partei. Auch sein Kollege Herbert Frankenhauser aus dem Wahlkreis Ost hadert noch – aus anderen Gründen. „Ob ich nochmal antrete, hängt von meiner gesundheitlichen Verfassung ab“, sagt der 66-Jährige. Im April wisse er mehr. Gewiss wieder antreten wollen hingegen der 62-jährige Peter Gauweiler (München-Süd) und der vier Jahre jüngere Johannes Singhammer (Nord).

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

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Die SPD

Gut möglich, dass sich Singhammer auf ein bekanntes Duell einstellen kann – das mit Axel Berg von der SPD. „Ich bin ernsthaft entschlossen, den Wahlkreis zu holen“, sagt der 52-Jährige, der lange als Überflieger der Bayern-SPD galt, 2009 aber sein Direktmandat an Singhammer verlor und aus dem Bundestag flog. Ob Berg zurückkehrt nach Berlin, ist aber nicht gewiss. Auch er bekommt es innerparteilich mit einem Jüngeren zu tun: dem 30-jährigen Florian Post . Der Betriebswirtschaftler und Referent von Stadtwerke-Geschäftsführer Florian Bieberbach hat dem Wahlkreis bereits seine Bewerbung gemeldet und vorher rumgehört in der Partei: „Ich habe Zuspruch bekommen“, sagt Post selbstbewusst. Ob die Münchner SPD Kandidaten in den Bundestag entsendet, hängt auch stark von deren Absicherung auf der Bayern-Liste ab. Wenn dies bei der kommenden Wahl gelingt, könnte auch Stadträtin Claudia Tausend eine Chance haben. Sie will abermals im Wahlkreis Ost antreten.

Die Grünen

Bei den Grünen deutet sich ebenfalls ein Kampf der Generationen an. Der Landesvorsitzende Dieter Janecek liebäugelt mit einer Kandidatur im Wahlkreis West/Mitte. „Ich überlege mir das ernsthaft“, bestätigt der 35-Jährige. Doch auch Jerzy Montag, 64 Jahre alt und seit 2002 im Bundestag, will nochmals nach Berlin – mit einer erneuten Kandidatur im Wahlkreis Süd. Für beide gilt der Einzug in den Bundestag nur über die Landesliste als realistisch. „Es wird ein richtig großes Gedrängel geben“, ist sich Montag sicher. Es geht um die vorderen Plätze. Montag jedenfalls hofft, dass es für beide reicht – für ihn und für Janecek. Dann nämlich, wenn die Grünen bei der Bundestagswahl 2013 deutlich zulegen.

Die FDP

Nach dem Rückzug von Rainer Stinner stellt sich auch in der FDP die Frage: Wer wird ihn beerben? Wer bekommt einen vorderen Platz auf der Landesliste? Gute Chancen werden dem zweiten Münchner Bundestagsabgeordneten Daniel Volk eingeräumt. Die Mission wäre für den 42-Jährigen dennoch eine ungewisse. Denn keiner weiß, wie die FDP angesichts ihrer jüngsten Talfahrt 2013 abschneidet.

Übrigens: Auch die Linken haben eine Münchner Abgeordnete: Nicole Gohlke (36). Ob sie in Berlin bleiben will, blieb gestern unbeantwortet.

Von Matthias Kristlbauer

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