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Quirin sucht im Müll eines Supermarkts nach Essen. Seine Ausbeute: Obst und Gemüse.

Unterwegs mit einem Münchner

„Containern“: Warum sich Menschen vom Müll anderer Leute ernähren

Allein in München landen täglich über 168 Tonnen Lebensmittel im Müll. Vieles davon ist jedoch noch genießbar. Ein Bericht über Idealisten, die sich eine bessere Welt wünschen.

Dienstagabend, 22 Uhr im Hof eines Giesinger Supermarkts. Eine Gestalt mit Rucksack schleicht sich heran, stellt das Fahrrad ab und macht sich an der Hinterhoftür zu schaffen. Das Gitter quietscht. Hastig läuft der Mann zu den Mülltonnen. Nach einigem Wühlen fördert er einen Salatkopf zutage. Kurz beäugen - und ab in den Rucksack damit! Der Mann klappt den Deckel zu, hetzt zum Radl und verschwindet in der Nacht... 

Diese dunkle Gestalt wollen wir Quirin H. nennen. Er ist 25 Jahre alt, studiert am Tag Informatik. Und nachts fährt er gern Supermärkte an, um die Tonnen nach Essbarem zu durchsuchen. Für eine Mahlzeit aus dem Müll! „Ich mache das aus Überzeugung“, sagt er. „Containern“ nennt man diese Art, sich zu ernähren. Wie viele Leute das in München tun, ist unklar - denn die meisten tun’s im Verborgenen. Dabei ist der Antrieb in den meisten Fällen ehrenhaft. Es geht um Umweltschutz, um Ressourcensparen. Quirin, der seit drei Jahren containert, sagt: „Man muss einfach mehr darauf schauen, was man mit der Welt anstellt. Das Containern ist eine Möglichkeit, innerhalb des ökologischen Fußabdrucks von jemand anderem zu leben, anstatt nur den eigenen zu minimieren. Ich nutze etwas, das sowieso weggeworfen wird...“ 

Die Qualität der Lebensmittel, die Quirin einsammelt, ist stets einwandfrei

Obst, Gemüse und Brot lassen sich besonders einfach und in guter Qualität finden. Ab und zu ergattert Quirin auch Milchprodukte oder Schokolade. Ungefähr zwei Mal pro Woche zieht er mit seinem Rucksack los - und bringt ihn meistens voll gefüllt wieder nach Hause. Dadurch spart er sich über 100 Euro im Monat. Einmal habe die Polizei auf ihn gewartet. Die habe dann seinen Ausweis kontrolliert und ihn ermahnt. Mehr sei nicht passiert. Die Qualität der Lebensmittel, die Quirin einsammelt, ist stets einwandfrei. „Die Mülltonnen sind so voll, da kann man wählerisch sein. Daran ist dann auch nichts eklig, das Gemüse sieht aus wie aus dem Laden und hat oft nicht mal Druckstellen.“ Quirin sagt, er habe noch nie Probleme wegen verdorbener Nahrungsmittel gehabt. 

In deutschen Supermärkten werden täglich kistenweise einwandfreie Lebensmittel entsorgt.

Er achtet auch sonst auf bewusste Lebensweise. Einen Wunsch hat er für die Zukunft: „Ich würde mich über mehr Aufklärung freuen, wie man mit übrig gebliebenen Lebensmitteln besser umgehen kann. Da gibt es einige Angebote, wie zum Beispiel die Initiative Foodsharing mit den Fair-Teilern oder verschiedene Apps.“ 

Stichwort „Containern“

„Containern“ oder „Dumpstern“: Das bedeutet, genießbare Lebensmittel aus Mülltonnen und Containern zu nehmen - und sie hinterher zu essen. Tatsache ist: Allein in München landen täglich über 168 Tonnen Lebensmittel im Müll, zum Beispiel, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht ist. Rechtlich liegt Containern allerdings in einer Grauzone. Wenn ein Anfangsverdacht des Diebstahls, Hausfriedensbruchs oder der Sachbeschädigung besteht, ist die Polizei zur Anzeige verpflichtet. In den meisten Fällen wird die Anklage jedoch wegen Geringfügigkeit fallen gelassen.

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J. Kohnle

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