Traurige Vorfälle

Corona-Anfeindungen in München: 18-Jährige kassiert fiese Attacken - obwohl sie gesund ist

Claudia Enk wohnt seit 15 Jahren in München.

Eine Münchnerin berichtet von Corona-Anfeindungen, nur weil sie asiatische Wurzeln hat. Claudia Enk fühlt sich dadurch in ihrer Freiheit beraubt. 

München - Claudia Enk ist ein Opfer des Virus, obwohl sie gar nicht infiziert ist. Die schwarzen Haare, die mandelförmigen Augen – das allein macht sie für einige schon zum Feindbild. „Corona!“, riefen ihr letztens Burschen in der Maxvorstadt hinterher. Dabei ist die 18-Jährige mit taiwanesischen Wurzeln eine Münchnerin – lebt seit über 15 Jahren in der Stadt.

Die Anfeindungen im Alltag – sie sind allgegenwärtig: So wollte ein Mitschüler im Fach Theater nicht mit der 18-Jährigen zusammenarbeiten. Die Begründung: „Igitt, du hast sicher Corona“. Aussagen, die schmerzhaft sind: „Das hat mich richtig wütend gemacht“, beschreibt Claudia ihre Gefühle – und sie fügt an: „Ich fühle mich in meiner Freiheit, rauszugehen, mittlerweile eingeschränkt.“

Corona in München: 18-Jährige schildert verbale Attacken - Junge Frau kein Einzelfall

Claudia ist kein Einzelfall. Mehrfach berichtete die Polizei in den vergangenen Wochen, dass Asiaten in München beschimpft, teils sogar angegriffen wurden. Am Harras ging ein Mann beispielsweise auf zwei Personen mit asiatischen Wurzeln los, Passanten mussten einschreiten, den Wildgewordenen stoppen.

Claudia kann die Angst vor dem Virus verstehen – aber nicht die Angst vor ihr. Sie war noch nie in China. Durch die Blicke der Menschen fühlt sie sich beobachtet und irgendwie unerwünscht. Sie begründet das Verhalten so: „Die Menschen wollen sich schützen* und vergessen dabei, dass ich ein völlig normaler Mensch bin. Wie sie.“ Was einige in ihrer Furcht auch vergessen, ist laut ihr, dass nicht alle asiatisch aussehenden Menschen Chinesen sind. Und dass Asiaten mit Maske* nicht unbedingt Corona haben müssen. „Es gehört zur asiatischen Kultur, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, um andere zu schützen“, erklärt sie.

Um nun das Problem in die Öffentlichkeit zu rücken, schreibt Claudia auf Instagram über ihre Erlebnisse. Und erhält dafür viel positive Resonanz. Menschen sprechen ihr Mut zu oder erzählen auch selbst von Vorfällen. 

„Das muss thematisiert werden, ich will, dass viele Menschen hier informiert werden“, sagt sie. Und das hat die Münchnerin geschafft. Sogar Unicef hat ihren Beitrag schon geteilt und kommentiert.

Die Stadt will sich mit der Entscheidung, ob das Oktoberfest 2020 stattfindet, noch Zeit lassen. Ein bekannter Virologe hat jetzt deutliche Worte geäußert.

Peter Schlingensief

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