Plötzlich Münchner Politikerin: Julia Obermeier am Mittwoch in Aubing, wo sie seit Kurzem wohnt.

CSU-Politikerin Julia Obermeier

München hat eine neue Bundestagsabgeordnete

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München - Vor Wochen hieß Julia Obermeier noch Julia Bartz und war eine Bundestagsabgeordnete aus Mühldorf. Jetzt hat sie geheiratet und ist in die Stadt gezogen. Ein Treffen mit einer, die plötzlich eine Münchner Politikerin ist – und von der viele CSUler glauben, dass sie 2017 das Direktmandat im Westen holen will.

Julia Obermeier ist ein knallroter Punkt im schwarzen Westen der Stadt. Zumindest an diesem grauen Februar-Mittwoch. Obermeier, 30, strahlendes Lächeln, hat einen knallroten Mantel an, die Lippen tiefrot gezogen. Hier sieht die glatte Landeshauptstadt noch bodenständig aus, hier gibt es kleine Häuser, einen traditionellen Maibaum, ein Vereinsleben – und hier wird viel schwarz gewählt. Bei der Stadtratswahl holte die CSU fast 15 Prozentpunkte mehr als die SPD. Dem knallroten Punkt kommt das gerade recht. Denn Julia Obermeier ist eine CSU-Bundestagsabgeordnete. Und das hier, Aubing, Langwied, Lochhausen, ist jetzt auch ihr Wahlkreis. Zumindest irgendwie.

Doch von Anfang an. Julia Obermeier hieß vor Kurzem noch Julia Bartz. Die studierte Politologin saß im Gemeinderat von Maitenbeth im Landkreis Mühldorf („ich kann einen Bauplan falten!“), war dort in der Frauen-Union zu Hause. 2014 wurde sie über einen Listenplatz in den Bundestag gewählt. In der Landesgruppe gilt sie als fleißig, Obermeier selbst erzählt stolz, dass sie mit 23 Reden seit dem Herbst am zweithäufigsten von allen Unions-Abgeordneten ans Rednerpult getreten ist.

Doch das Leben der Julia Bartz hat sich nicht nur verändert, weil sie jetzt 23 Wochen im Jahr in Berlin Politik macht. Denn aus der Abgeordeten Julia Bartz wurde die Abgeordnete Julia Obermeier. Eingeheiratet nach München-Aubing, Familienwohnsitz: München-Aubing, neues Bürgerbüro: München-Lochhausen. Und da wird es interessant für die hiesige CSU. Obermeier selbst betont, jetzt gehe es nur darum, die anstehende Arbeit zu erledigen. Doch eins ist klar: Hans-Peter Uhl wird sich 2017 zur Ruhe setzen, im Münchner Westen ist für einen neuen CSU-Politiker ein Direktmandat in greifbarer Nähe. Bleibt die Frage, wer aufgestellt wird. Obermeier, diese freundliche junge Frau, wird etwas ärgerlich, wenn man sie auf solcherlei Ambitionen anspricht. „Ich habe meine Entscheidung für den Umzug mit dem Herzen und für meine Familie getroffen“, sagt sie dann. „Und nicht im Hinblick auf irgendwelche Wahlen!“

Obermeier will in ihrem schlichten, gerade eingerichteten Bürgerbüro am S-Bahnhof Lochhausen sehr gerne über ihre politische Arbeit sprechen, über eine bessere Ausrüstung für die Soldaten zum Beispiel. Eine höhere Bezahlung für die Bundeswehr-Angehörigen ist auch das Ziel, das ihr als Erstes einfällt, wenn man sie bei einem Glas Wasser zur Politik für München befragt. Ein Zuschlag sei dringend notwendig, sagt sie dann. „Ich bin dagegen, dass München Bundeswehr-frei wird.“ Die Soldaten und ihre Familien müssten sich die Stadt aber leisten können.

Über 2017 will sie nicht sprechen. Das kann man nachvollziehbar finden. Aber auch ein bisschen seltsam. Denn in der Münchner CSU hat kaum jemand Zweifel daran, dass Obermeier antreten will. Wer über die CSU-Liste in den Bundestag gekommen ist, schaut sich meist nach einem Wahlkreis um. Die Direktwahl ist in Bayern fast immer bombensicher. Im Wahlkreis West/Mitte – zu dem neben dem Westen auch rot-grüne Ecken wie das Bahnhofs- und Gärtnerplatzviertel gehören – zumindest sehr realistisch. Wer im Bundestag ist und hier wohnt, will zugreifen. Eigentlich.

Obermeier hat zumindest schonmal begonnen, sich in den Ortsverbänden vorzustellen, offiziell Mitglied ist sie im Verband von Bürgermeister Josef Schmid im Westen. Er habe bereits fünf Kandidaten für die Uhl-Nachfolge im Kopf, sagt Schmid. Wer es wird, das habe zu gegebener Zeit der CSU-Kreisverband zu entscheiden. Schmid legt aber viel Wert auf ein faires Auswahlverfahren. Man habe sich auf Kriterien geeinigt, erklärt der ambitionierte Bürgermeister, der sich vieles unter der Münchner CSU vorstellt – aber keinen behäbigen Altherren-Verein.

„Gute rhetorische Fähigkeiten“, zählt er zum Beispiel auf und ein „gepflegtes äußeres Erscheinungsbild“. Aber auch die Verankerung in der CSU. Im Prinzip hat Obermeier, die sagt, sie habe schon als Jugendliche von der „Innovationskraft Edmund Stoibers“ in Verbindung mit christlichen Werten, Traditionen, der Familie, geschwärmt, all das zu bieten. Das Problem könnte die Verankerung in der Münchner CSU, in Vereinen und Kirchen im Westen, sein. „Eigentlich ist das das wichtigste Kriterium“, sagt einer, der sich in der Münchner CSU sehr gut auskennt. Bürgermeister Schmid betont, dass Obermeier aus Mühldorf komme, dürfe kein Nachteil sein, dass sie im Bundestag sitze aber auch nicht der große Pluspunkt.

Das dürfte er schon insofern nicht werden, als ein anderer Kandidat ebenfalls im Bundestag sitzt. Bernd Fabritius, Bundeschef der Vertriebenen, und ebenfalls über die Landesliste im Bundestag, sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, „selbstverständlich“ plane er auch, seinen Hut in den Ring zu werfen. Stadtrat Johann Sauerer, dessen Name ebenfalls fällt, klingt hingegen eher abgeneigt. Josef Schmid selbst dürfte sich wohl ebenfalls eher nicht für den Wahlkreis interessieren. Wenn alles schief laufe für Bürgermeister Schmid, erklärte gestern einer aus der CSU, strebe der wenn überhaupt in den Landtag. „Der Seppi“, sagte er salopp, „hat auf Berlin überhaupt keinen Bock“.

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