Seriöser Auftritt: Dominik Krause vor dem Jüdischen Museum am Münchner Jakobsplatz. Foto: Klaus Haag

Junger Stadtrat

Dominik Krause: der grüne Hoffnungsträger

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Im Rathaus gibt es Politiker, die sich lange nach oben gedient haben. Es gibt Hinterbänkler, von denen man fast nie etwas hört. Und es gibt Dominik Krause. Physik-Student, Grüner – und mit gerade mal 24 Jahren schon Stadtrat. Ein Kaffee mit einem, von dem man noch hören dürfte.

Als der Hungerstreik der Flüchtlinge am Sendlinger Tor geräumt werden sollte, versuchte Dominik Krause eine Polizeiabsperrung zu überwinden. Nicht gewaltsam, natürlich nicht, auch wenn ihm das vielleicht manch älterer CSU-Stadtrat zutrauen würde. Die Räumung war von der Stadt angeordnet worden, in solchen Fällen ist es üblich, dass Stadträte genau hinschauen dürfen. Krause zeigte an der Absperrung also seinen Stadtrats-Ausweis. Der Polizist aber glaubte dem jungen blonden Mann nicht, dass er Stadtrat ist. „Ist das Ihrer oder der von ihrem Vater?“, fragte er mit Blick auf den Ausweis.

Dominik Krause sitzt vor einem Café in der Nähe der Schrannenhalle. Krause, 24, Physik-Student, immer gründlich rasiert, heute wie so oft im Hemd. Sollte es noch junge Klischee-Grüne in Parka und Strickpulli geben – dann sieht Krause eher aus wie deren Gegenstück von der Jungen Union. Aber er hat Überzeugungen, eine klare politische Linie zu vielen Fragen. Krause meint was er tut sehr ernst – und kann auch gar nicht lachen, als er die Anekdote mit dem Polizisten erzählt. Nicht ernst genommen zu werden, weil man jung ist, das kann er nicht leiden. Im Rathaus aber, sagt er, habe es noch nie ein Problem deshalb gegeben.

Dabei ist der Mann eine sehr auffällige Figur. Der Stadtrat ist dominiert von älter werdenden Männern und Frauen. Migranten gibt es viel weniger als in der Bevölkerung, Nicht-Akademiker auch. Ein paar Frauen mehr könnte manche Fraktion wohl auch noch vertragen. Am meisten unterrepräsentiert aber sind die Jungen. Krause ist mit seinen 24 der mit Abstand jüngste Stadtrat. Und viel aktiver unterwegs als manch älterer Herr, der 2014 in den Stadtrat eingezogen ist.

Seitdem ist auch Krause dabei. „Natürlich lerne ich immer noch“, sagt er. Offenbar aber ziemlich schnell: Wenn es um den Kampf gegen Neonazis geht, um die Rechte von Demonstranten, um umstrittene Polizeieinsätze – dann ist Krause da. In der Partei fällt bei diesen Fragen schnell ein Name. Siegfried Benker, der langjährige Fraktionschef, hat eben diese Themen immer besetzt. Seit 2014 ist er raus aus der Parteipolitik, wurde Chef der städtischen Altenheime. Und er hat eine große Lücke hinterlassen.

Sind Sie der neue Sigi Benker, Herr Krause? Da grinst der 24-Jährige. Und denkt kurz nach. „Ich würde schon sagen, dass ich irgendwie diese Rolle habe“, sagt er. „Aber es ist natürlich schwierig.“

Benker war viele Jahre eines der wichtigsten Gesichter der Münchner Grünen. Einer von den alten Idealisten. Benker selbst kommt ins Schwärmen, wenn man ihn auf den jungen Nachfolger anspricht, „bürgerliche Rechte, bürgerliche Freiheiten – diese Themen sind für das Klima in einer Stadt unabdingbar“, sagt er. „Und junge Politiker sind äußerst wichtig. Gerade für die Grünen, die zeigen müssen, dass sie nicht mit ihren Wählern altern.“

Krause ist die Gegenthese zur Behauptung, die Grünen seien ein Generationenprojekt gewesen. Er kam nicht über die Umweltthemen zur Partei – sondern über Menschrechtsfragen. Und über den ruppigen Umgang von Polizisten mit Nazi-Gegnern. „Mich hat umgehauen zu sehen, wie sie mit den Leuten umgegangen sind“, sagt er. Ganz auf der Linie der alten Grünen ist er trotzdem nicht. Jüdisches Leben in München ist ihm ein Herzensthema – Krause kann sich sehr über die „Palästina-Tage“ im Eine-Welt-Haus aufregen. „Er ist, was den Antisemitismus betrifft, so vehement wie ich“, lobt da sogar CSU-Stadtrat Marian Offman.

Krause interessiert sich eher für die großen Politik-Fragen als für die kleinen. Was er von denen hält, verrät sein Grinsen, als er sagt, dass sich „manche Kollegen ja auch eine halbe Stunde über Hundeverordnungen auslassen können“.

Schwer vorstellbar, dass er sich nach seinem Physik-Studium aus dem Rathaus verabschiedet. Krause will grüne Politik machen. Und die Grünen brauchen Typen wie ihn. Mit wem man auch spricht im Rathaus, über Krause ist nur Gutes zu hören. Ex-Grünen-OB-Kandidatin Sabine Nallinger nennt ihn den „absoluten Hoffnungsträger“. Das Gesicht von Sigi Benker dürfte irgendwann jeder Polizist gekannt haben. Es deutet vieles darauf hin, dass es Dominik Krause bald genauso gehen wird. Und er den Stadtrats-Ausweis an der Polizeiabsperrung gar nicht mehr braucht.

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