Bettler am Hauptbahnhof

Durchsagen an Bahnhöfen

So macht die Deutsche Bahn in München gegen Bettler mobil

Sie sitzen auf dem Bahnhofsvorplatz, blockieren Fußwege und treten vermehrt in Zügen der Bahn auf: Die Rede ist von Bettlern, die zwar keine nennenswerten Straftaten begehen, bei Reisenden aber für Unsicherheit sorgen.

Eine neue Mitleidsmasche soll Fahrgäste animieren, den Geldbeutel zu öffnen. Das geht der Bahn zu weit! Seit kurzem sind Durchsagen an Bahnsteigen und in Zügen zu hören. Botschaft: „Geben Sie den Bettlern kein Geld!“ 

Sind die Bettler in München - vor allem die organisierten Banden - auf dem Vormarsch? Wolfgang Hauner, Sprecher der Bundespolizei, sagt: „Wir führen zwar keine eigenen Statistiken, weder zu auftretenden Bettlern, noch zu einem Vergleich im Straftatenaufkommen. Aber generell stellen wir fest, dass die Zahl der Bettler in S-Bahnen oder an Bahnhöfen in den Wintermonaten steigt.“ Dazu kommt die Wahrnehmung vieler Passanten und Geschäftsleute, die in letzter Zeit feststellen, dass sich immer mehr Bettler im Bahnhofsviertel aufhalten. 

Professor Fritz Wickenhäuser, Vorsitzender des Vereins südliches Bahnhofsvoertel, sprach im November 2017 von „zunehmender Verwahrlosung“. Und: „Ich habe nichts dagegen, wenn ein, zwei Bettler auf dem Gehsteig sitzen, aber wenn da plötzlich 15 Leute sitzen und Schichtdienst arbeiten, dann ist das ein Problem.“ Auffällig sei laut Bundespolizei auch, dass sich aktuell viele Reisende über eine neue Masche, das Auslegen von Taschentuchpäckchen in Zügen, beschweren. 

Diese Masche wenden Gauner in Zügen der Deutschen Bahn an

Ein fieser Gaunertrick: Denn auf die Päckchen legen die Bettler Zettel mit Botschaften wie „Kaufen Sie diesen Gegenstand, um meiner Familie zu helfen.“ Was die Fahrgäste nicht ahnen: Während sie gutmütig ihren Geldbeutel öffnen und deshalb abgelenkt sind, machen sich diebische Komplizen an den Gepäckstücken zu schaffen. Die Bahn hat Betteln und Musizieren in Zügen und an Bahnhöfen grundsätzlich verboten, wie es in einer Mitteilung heißt. 

Lautsprecher am S-Bahnhof "Hackerbrücke"

Die neuerlichen Durchsagen mit den Warnungen vor den Bettlern erklärt die Bahn so: „Bemerken wir, dass Bettler in unseren Zügen unterwegs sind und auf Bahnhöfen auf Fahrgäste zugehen, haben wir die Möglichkeit, unsere Kunden per Durchsage im Zug oder am Bahnhof darum zu bitten, den Bettlern kein Geld zu geben.“ Die Durchsagen würden in regelmäßigen Abständen abgespielt. Die Bundespolizei tritt laut Hauner an Bahnhöfen und in Zügen meist präventiv auf. Denn das Hausrecht liegt bei der Bahn. Hauner: „In den meisten Fällen unterstützen wir die DB-Mitarbeiter. Registrieren wir Verstöße, informieren wir beispielsweise Streifen der DB-Sichereit. 

Im Münchner Hauptbahnhofviertel greift mittlerweile auch die Polizei durch: Im Januar wurden mehr als 1000 Menschen kontrolliert, in den vergangenen zwei Monaten 740 Platzverweise ausgesprochen.

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M. Bieber, J. Heininger, J. Schumann

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