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Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter packt nun über Vorwürfe gegenüber Kontrolleuren aus. 

Der Sumpf wird immer tiefer

Neue Vorwürfe gegen Ticket-Kontrolleure: Ex-Mitarbeiter berichtet von Gewalt, Rassismus, Unterschlagung

Nachdem vor wenigen Tagen bereits über eine geheime Quote für Kontrolleure berichtet wurde, werden nun neue Vorwürfe gegen die Ticket-Sheriffs erhoben.  Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter packt aus. 

München - Unterschlagung, Gewalt, Rassismus - so heftig soll es bei Münchner Fahrkarten-Kontrollen zugehen. Nach dem tz-Bericht über eine geheime Quote für Kontrolleure packt ein zweiter ehemaliger Mitarbeiter aus. Der Mann war bei einer Fremdfirma angestellt, mit der die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bei der Fahrkartenkontrolle zusammenarbeitet.

Dieser einstige Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen einstigen Arbeitgeber, einer Partnerfirma der MVG. Zum einen geht es um Betrug: Einzelne Kontrolleure sollen regelmäßig Geld unterschlagen haben, berichtet der Mann. „Kollegen und ich haben wiederholt beobachtet, dass Geld unterschlagen wird. Das funktioniert zum Beispiel so, dass man dem Schwarzfahrer anbietet, das Geld gleich bar ohne die Aufnahme seiner Daten bezahlen zu können. Die 60 Euro steckt man sich dann einfach ein - das merkt keiner. Ich habe das selbst beobachtet.“

Auch Provokation und Gewalt gegen Fahrgäste seien bei einigen ehemaligen Kollegen an der Tagesordnung gewesen. „Wenn man während der Arbeit von einem Fahrgast angefasst wird, dann muss man zum so genannten Durchgangsarzt in die Nußbaumklinik. Es gab Kollegen, die haben Handgreiflichkeiten provoziert, um Schmerzensgeld zu bekommen. Das können schon mal ein paar 100 Euro sein - leicht verdientes Geld. Ich hatte Kollegen, die waren damit sehr erfolgreich…“ 

Anschuldigungen gegen Kontrolleure: Mit „bestimmten Fahrgästen“ werde aggressiv umgegangen

Vor allem mit „bestimmten Fahrgästen“ werde aggressiv umgegangen: „Bei Afrikanern weiß man, dass sie oft aggressiv reagieren, wenn man sie provoziert. Das wurde nach meinen Beobachtungen zum Beispiel gemacht, indem man den Fahrschein bei der Rückgabe nach der Kontrolle absichtlich auf den Boden fallen ließ. Die Afrikaner werden sauer, die Situation schaukelt sich hoch, der Kontrolleur lässt sie bewusst eskalieren.“ Intern würden die Afrikaner als „Neuner“ bezeichnet. „Wenn man dem Einsatzkoordinator sagt, ,wir haben einen Neuner‘, dann weiß jeder Bescheid. Es arbeiten auch Leute dort, die rechtsradikal waren oder es heute noch sind.“ 

Und gewaltbereit: Er selbst habe Videos gesehen, auf denen mit Gewalt gegen Fahrgäste vorgegangen werde. Auf tz-Anfrage bestätigt der Sprecher der Fremdfirma, dass es Behauptungen eines ehemaligen Mitarbeiters gegeben habe, der zwei Kollegen der Unterschlagung bezichtigt habe, „ohne Beweise vorzulegen“. Und: „Eine von uns sofort eingeleitete Untersuchung ergab keinerlei Indizien für Verdächtigungen.“ Das bestätigt MVG-Sprecher Matthias Korte: „Wir pflegen einen engen Austausch mit unserer Partnerfirma. Der Vorwurf der Unterschlagung ist uns daher bekannt.“ Eine Untersuchung habe jedoch keine Belege für „solche Anschuldigungen“ geliefert. Beide Sprecher betonen, dass gegenüber rechtsradikaler oder fremdenfeindlicher Gesinnung eine „Null-Toleranz-Politik“ herrsche. Diesen Grundsätzen verpflichten sich laut dem Sprecher der Partnerfirma alle Beschäftigten bei der Einstellung. 

Erst vor wenigen Wochen soll es in der S4 am Hirschgarten zu einer Auseinandersetzung zwischen Kontrolleuren und einem Fahrgast gekommen sein. Ein Vorfall mit einem Fahrkartenkontrolleur nimmt eine 69-Jährige bis heute mit: Sie muss eine Strafe zahlen, weil ihre Enkelin ihr wichtiger war als die Ticket-Entwertung.

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Weil ein Schwarzfahrer "seinen" Namen unsicher buchstabierte, kontrollierte ihn die Bundespolizei. Dabei machten die Beamten in der Sporttasche des 18-Jährigen eine gefährliche Entdeckung.

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