Gab es weitere Opfer?

Wegen Mordes: Münchner Polizei startet Öffentlichkeitsfahndung

Ein 87-Jähriger ist bereits Opfer eines heimtückischen Krankenpflegers geworden. Doch der Mordfall aus Ottobrunn könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.

Ein Pfleger soll deutschlandweit mehrere Senioren aus mit Insulinspritzen behandelt haben - obwohl diese unter keiner dementsprechenden Krankheit litten. Ein 87-Jähriger aus Ottobrunn soll dabei zu Tode gekommen sein. 

Der Beschuldigte stammt aus Polen. Die Polizei sucht nach Informationen zum Krankenpfleger Grzegorz Stanislaw Wolsztajn (36), der sich bereits in Polizeigewahrsam befindet. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Senioren Opfer des Pflegers wurden. 

Am Rosenmontag hatte der Pfleger aus Polen den Pflegenotruf gerufen, weil er den von ihm in Ottobrunn betreuten 87-Jährigen leblos im Bett gefunden habe. Bei der Untersuchung der Leiche wurden jedoch Auffälligkeiten festgestellt. Zudem wurden beim Pfleger Bargeld und EC-Karten aus den Beständen des verstorbenen Rentners gefunden. In einer Vernehmung am Faschingsdienstag räumte der 36-Jährige ein, dem Rentner Insulin verabreicht zu haben, weitere Angaben wollte er jedoch nicht machen.

Insgesamt 20 Personen in Deutschland in Behandlung

Die Staatsanwaltschaft beauftragte daraufhin einen Haftbefehl wegen des Tatvorwurfes des Mordes und des Raubes mit Todesfolge.

Im Laufe der Ermittlungen wurde bekannt, dass der Beschuldigte diverse weitere Senioren in Deutschland betreut hat, bisher konnten 20 Personen in der Bundesrepublik ermittelt werden. 

An den rot markierten Standorten in der Bundesrepublik soll der Beschuldigte Personen betreut haben.

Neben dem getöteten 87-Jährigen in Ottobrunn mussten offenbar vier weitere von Wolsztajn betreute Senioren mit teilweise lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden, hierbei wurden jedoch keine Wertgegenstände entwendet. Bei allen wurde ein nicht erklärbarer, teils extrem niedriger Blutzuckerwert festgestellt werden. Durch medizinische Notfallmaßnahmen konnten alle vier überleben, eine der Personen starb jedoch zwei Monate später. Ob hierbei ein kausaler Zusammenhang vorliegt, muss ein rechtsmedizinisches Gutachten noch klären. Teilweise erfolgte die Verständigung des Rettungsdienstes durch den Beschuldigten, teilweise durch hinzukommende Angehörige.

Kam ein Vertrag zustande, zog er bei den Patienten ein, zur 24-Stunden-Pflege. Die meisten Verträge seien aber vorzeitig beendet worden, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer. Lustlos, unangemessenes Verhalten, mitunter aggressiv, so beschrieben Familien den 36-Jährigen.

Gab es weitere Opfer?

Bei einer weiteren Person wurde festgestellt, dass diese wenige Tage nach Ankunft des 36-Jährigen verstarb. Die genauen Umstände des Todes bedürfen jedoch noch weiterer Ermittlungen. 

Bei drei weiteren durch den 36-Jährigen betreuten Personen besteht der konkrete Verdacht, dass diese von ihm bestohlen worden sind. Bei den restlichen elf bislang ermittelten Personen ergab sich bisher kein Verdacht hinsichtlich eines auffallend veränderten Gesundheitszustandes oder auf Diebstahlshandlungen während der Anwesenheit des 36-Jährigen. 

Allerdings war dieser, entgegen des ursprünglich vereinbarten Zeitraumes in der Regel jeweils nur für kurze Zeit vor Ort. In der überwiegenden Anzahl der Fälle wurde der Vertrag vorzeitig beendet.

Polizei startet Öffentlichkeitsfahndung

Zur Erstellung eines Bewegungsbildes sowie zur Ermittlung der Anstellungshistorie, Identifizierung weiterer überlebender als auch verstorbener Opfer wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft München I ein Beschluss zur Öffentlichkeitsfahndung erlassen. Auf diesem Weg erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft, dass auch Zeugen und Angehörige ermittelt werden, die Angaben darüber machen können, bei welchen zu betreuenden Personen der 36-Jährige, auch Jahre zurückliegend, tätig war.

Zeugenaufruf: 

Wer kann Angaben zu Grzegorz Stanislaw Wolsztajn machen? Wer kennt Aufenthaltsorte von ihm bzw. kann Personen nennen, die von ihm betreut wurden? Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 11, 80333 München, Ettstraße 2, Tel. 089/2910-0 oder auch mit jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

mm/tz

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Rubriklistenbild: © Polizei München

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