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Ski und Rodel unmöglich: Der Weltcup am Olympiaberg wurde erneut abgesagt. Das Bild stammt von 2011, als minimal beschneit wurde.

Kein Schnee am Olympiaberg

Nach erneuter Absage: Ski-Weltcup soll bleiben

München - Der Ski-Weltcup am Olympiaberg findet nicht statt. Trotz der dritten Absage in fünf Jahren will die Olympiapark GmbH aber an dem Rennen festhalten. Der Aufsichtsrat hat zugestimmt, mit dem internationalen Skiverband FIS über eine Vertragsverlängerung bis 2020 zu verhandeln. Die Entscheidung ist allerdings umstritten.

Es war nicht mehr überraschend, was die Olympiapark GmbH in Abstimmung mit der FIS am Donnerstag offiziell verkündete: Der am 1. Januar geplante Weltcup-Parallelslalom muss aufgrund der milden Witterung ersatzlos abgesagt werden. Die fünf am Olympiaberg installierten Schneekanonen standen bislang still. Laut Olympiapark-Sprecher Tobias Kohler war es „aussichtslos, an ein Rennen zu denken“. Es habe keine einzige Nacht gegeben, „in der es kalt genug gewesen wäre, um zu beschneien“. Weil es mindestens bis Weihnachten mild bleiben soll, entschloss sich der Olympiapark frühzeitig zur Absage. Die Gesellschaft hatte zunächst daran gedacht, als „ultima ratio“ auf ein Schneedepot nahe Reit im Winkl zurückzugreifen. Doch auch dort konnte bisher kaum Schnee produziert werden. Außerdem hatte die Olympiapark GmbH dieses Reservoir nur als Lückenfüller für die Präparation vorgesehen. Den gesamten Schnee aus den Alpen mit Lastwagen herzufahren, wäre „ökologischer Wahnsinn“ gewesen, sagt Kohler. Die Investitionskosten für das gesamte Projekt seien durch eine Versicherung abgedeckt.

Die Frage ist nun, ob das Ski-Weltcuprennen in München prinzipiell weitergeführt werden soll. Die Haltung der Olympiapark GmbH ist eindeutig: „Wir lassen uns von der neuerlichen Absage nicht entmutigen“, erklärt Geschäftsführer Arno Hartung. Das Event soll auch in den Jahren 2016 bis 2020 ausgetragen werden. Der Aufsichtsrat hat dafür seine Zustimmung erteilt. Der Vertrag mit der FIS läuft allerdings 2015 aus und müsste verlängert werden. Kohler zufolge gibt es positive Signale vom Welt-Skiverband. Im Rahmenterminkalender der FIS für die kommenden Jahre ist der Parallelslalom in München bereits vorgesehen. Der Verband unterstützt City-Events, weil die mediale Aufmerksamkeit und das Zuschauerinteresse an diesen Veranstaltungen groß ist. FIS-Marketingdirektor Marcel Looze sagt: „Wir wollen mit unserem Sport in die Stadt und mit München gemeinsam in die Zukunft gehen.“ Der zunehmende Schneemangel sei kein Hindernis bei diesen Überlegungen. „Wir sind zuversichtlich, dass wieder andere Winter kommen.“ Mittelfristig möchte die FIS sogar ein zweites Großstadtrennen in den Terminkalender aufnehmen. Dass dies Wien sein könnte, wollte Looze nicht bestätigen. 2012 und 2013 fanden City-Events in Moskau statt. Laut Kohler spricht die Olympiapark GmbH mit der FIS über eine Terminverlegung des Rennens von Neujahr auf einen späteren Zeitpunkt im Januar oder Februar, um das Risiko des Schneemangels zu reduzieren.

Die Entscheidung des Aufsichtsrats, am Ski-Weltcup festzuhalten, war indes nicht einhellig. 13 Mitglieder hat der Aufsichtsrat: vier SPD-Stadträte, drei von der CSU, zwei Grüne, Thomas Ranft (Piraten), André Wächter von der AfD sowie Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Stadtkämmerer Ernst Wolowicz. Wie zu erfahren war, gab es etwa eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende, erklärt: „Es ist eine sehr schöne Veranstaltung mit großer Zuschauerresonanz. Das Problem ist aber die Witterung.“ Sie sehe es mittlerweile kritisch, den Olympiasee für die Durchführung des Rennens abzulassen oder ein Schneedepot anzulegen. Das alles sei schon sehr aufwändig. „Aber ich beuge mich natürlich der Mehrheitsmeinung des Aufsichtsrates.“ Grünen-Stadträtin Jutta Koller, ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, hat nicht den Eindruck, dass dieses Rennen künftig ohne massive ökologische Auswirkungen auszurichten sei. Daher habe sie gegen eine Verlängerung des Vertrags gestimmt, was auch der grünen Linie entspreche. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sagt: „Ich bin grundsätzlich dafür, dieses Skirennen auf dem Olympiaberg auch in Zukunft zu veranstalten, sofern es das Wetter zulässt. Es passt zum Olympiapark, es passt zu München.“ Allerdings sei es ökologisch unvertretbar, zur Sicherung des Rennens Unmengen Schnee nach München zu transportieren.

Ungeachtet der Diskussion über Sinn oder Unsinn eines Skirennens in der Großstadt ist das Zuschauerinteresse groß. Mehr als 5000 Tickets konnten bis zur Absage im Vorverkauf abgesetzt werden – obwohl die Wiese am Olympiaberg grasgrün ist. Die Tickets können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen sie gekauft wurden. Telefonisch oder online bei München Ticket (MT) gekaufte Karten können postalisch oder an den MT-eigenen Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden.

Klaus Vick

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