Fahrradersatzteile aus dem Automaten: Ugur Tekes vor dem neu aufgestellten „Bikeomaten“ an der Kleiststraße in Untergiesing. Ein zweiter Automat folgt am Freitag in Neuaubing.

Fahrradersatzteile aus dem Automaten

München bekommt seine ersten "Bikeomaten"

München - Der Münchner Ugur Tekes ist vielerorts mit seinem „Bikeomat“ erfolgreich, ein Automat, an dem es Ersatzteile für das Fahrrad zu kaufen gibt. Nur seine Heimatstadt hat sich lange quergestellt.

Wer ein neues Produkt entwickelt, freut sich in der Regel über jede Form von öffentlicher Aufmerksamkeit. Auch Ugur Tekes geht das so. Normalerweise. Als die Radlhauptstadt München Anfang Januar auf Facebook einen Fernsehbeitrag über seinen „Bikeomat“ teilte, war Tekes jedoch „stinksauer“. Denn gerade in seiner Heimatstadt München durfte er dieses Gerät nicht aufstellen. Doch der Reihe nach.

Der 35-Jährige hatte 2011 die Idee, Süßigkeiten-Automaten dergestalt umzubauen, dass Radfahrer dort rund um die Uhr knapp 70 Ersatzteile und Werkzeuge kaufen können – von Glühbirnen, über Fahrradschläuche, Schlösser und Ketten bis hin zum Fahrradheber. Die Preisspanne reicht von knapp zwei Euro für eine Halogenbirne bis knapp 30 Euro für ein Fahrradschloss. Damit auch Unkundige die Ersatzteile im Notfall selbst einbauen können, ist an den Automaten ein Touchscreen angebracht, der Montage- und Reparaturanleitungen zu den einzelnen Teilen liefert und Informationen zu Themen wie Verkehrssicherheit, Radpflege und Diebstahlschutz bietet. Außerdem kann man am Bikeomat kostenlos Luft in die Reifen pumpen und den Akku eines E-Bikes aufladen.

Den Fernsehbeitrag über den Bikeomat versah die Radlhauptsadt München mit folgendem Kommentar: „So einen Bikeomat, an dem man rund um die Uhr Schläuche, Lichter und weitere Fahrradteile kaufen kann, wünschen wir uns auch in München! Warum kam da bis jetzt noch keiner unserer Radhändler drauf?“ Das Problem an der Sache: Der Obergiesinger Tekes hatte der Stadt München bereits im Sommer 2012 und nochmals im Dezember 2014 angeboten, den Bikeomat in der Stadt aufzustellen – die Stadt lehnte beide Male ab. Dass die vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) ins Leben gerufene Initiative „Radlhauptstadt München“ offenbar nichts von seinem Angebot wusste, hält Tekes für „peinlich“. Anscheinend wisse dort „der eine nicht über den anderen Bescheid“, ärgert er sich.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Claudia Vollmer, Vize-Chefin des KVR: „In einer großen Organisation mit über 1000 Mitarbeitern kommt so etwas vor.“ Das Ganze sei eine „Panne“. Tekes hatte der Stadt 2012 angeboten, seine Automaten während einer Testphase mietfrei aufzustellen. Doch das zuständige KVR erteilte ihm Anfang 2013 eine Abfuhr. Begründung: Gemäß der Sondernutzungsrichtlinien der Stadt sei es nicht erlaubt, auf öffentlichem Grund freistehende Automaten aufzustellen. Die Sondernutzungsrichtlinien der Stadt regeln, wie und wofür öffentlicher Grund genutzt werden darf. Das Nein der Stadt könne er bis heute nicht verstehen, sagt Tekes: „Dass ausgerechnet München, das sich selbst als Radlhauptstadt bezeichnet, abgesagt hat, ist für mich unerklärlich.“

Erst im Dezember 2014 hatte der Stadtrat beschlossen, die Öffentlichkeitsarbeit unter der Dachmarke „Radlhauptstadt München“ fortzusetzen. Pro Jahr steht dafür ein Budget von 800 000 Euro zur Verfügung. Die Stadt, erzählt Tekes, habe „keinerlei Kooperationsbereitschaft“ gezeigt. In anderen Städten laufe das anders: Dort würden die Sondernutzungsrichtlinien entsprechend verändert, wenn eine Stadt eine neue Entwicklung für sinnvoll halte, etwa in Göttingen. Dort stehen mittlerweile zwei Bikeomaten. Auch in Magdeburg, Hamburg, Villingen-Schwenningen und Dresden steht je ein Automat, teilweise ebenfalls auf öffentlichem Grund. Städte, Unternehmen oder Gaststätten, die einen Bikeomat auf ihrem Grundstück stehen haben möchten, zahlen Tekes je nach Lage zwischen 300 und 600 Euro monatlich, inklusive Befüllung und Wartung.

Mit anderen Städten wie Tübingen, Leipzig, Bayreuth, Kempten, Salzburg und Graz ist Tekes im Gespräch. Im Dezember vergangenen Jahres, also kurz vor dem Münchner Facebook-Post, startete er einen zweiten Versuch bei der Stadt – und bekam wieder eine Absage. Benno Matz vom KVR erklärte dazu: „Wenn wir den Bikeomat erlauben, müssten wir auch alle anderen Automaten erlauben.“ Aus stadtgestalterischen Gründen habe sich der Stadtrat gegen die Aufstellung von Automaten ausgesprochen. Zudem, so Matz, sehe er „kein öffentliches Interesse, den Bikeomat aufzustellen“. Schließlich gebe es weder einen „gesteigerten Bedarf“ an Fahrradreparaturen noch einen „Versorgungsnotstand“.

Tekes, der in Obergiesing seit Jahren ein Radlgeschäft betreibt, sieht das anders: Wer sein kaputtes Rad in die Werkstatt bringe, bekomme oft zu hören, dass er in ein, zwei Wochen wiederkommen solle. Viele Werkstätten seien überlastet. Der Radverkehr habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, der Service sei jedoch nicht mitgewachsen. Um diese Lücke zu schließen, hatte Ugur Tekes 2011 den Bikeomat entwickelt. Entwicklung und Patente haben ihn eigenen Angaben zufolge mehr als 300 000 Euro gekostet.

Trotz des Hickhacks gibt es nun auch in München zwei Bikeomaten: Am Samstag wurde der erste an der Kleiststraße 5 in Untergiesing aufgestellt, am kommenden Freitag wird der nächste an der Wiesentfelser Straße 29 in Neuaubing folgen. Beide Grundstücke gehören dem Wohnungsunternehmen Heimbau Bayern. Mit weiteren Unternehmen und Biergärten sei er im Gespräch. Aller Wahrscheinlichkeit nach, so Tekes, würden bis Ende des Jahres noch mehr Automaten in München stehen – auch ohne die Unterstützung der Stadt.

Katharina Mutz

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