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Siegfried M.s Ehefrau Amélie, die ihm trotz der Sex-Vorwürfe stets den Rücken gestärkt hat, muss nun auch vor Gericht.

„Es geht um eine Formulierung“

Fall des Ex-Präsidenten der Musikhochschule: Jetzt muss auch seine Frau vor Gericht

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Die Frau von Siegfried M., Amelie, hat ihrem Mann den Rücken gestärkt. Die Sängerin und Schauspielerin will Strafbefehl wegen übler Nachrede nicht akzeptieren

München - Mitte Mai erst musste Siegfried M. (63) eine bittere Niederlage hinnehmen: Das Landgericht München verurteilte den früheren Präsidenten der Musikhochschule wegen sexueller Nötigung zu zweieinhalb Jahren Haft (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Nun muss auch seine Ehefrau Amélie S.-M. (51) vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte die Sängerin und Schauspielerin wegen übler Nachrede mit einem Strafbefehl belegt. Sie soll die Frauen verunglimpft haben, die Musikprofessor Siegfried M. laut Gerichtsurteil zum Opfer gefallen waren.

Der Vorwurf: Anfang Mai 2017 soll Amélie S.-M. behauptet haben, dass eine der beiden Frauen Siegfried M. nicht aus freien Stücken wegen sexueller Nötigung angezeigt habe, sondern dazu angestiftet worden sei – das habe sie aus Kreisen der Musikhochschule erfahren. Wie die Staatsanwaltschaft ermittelte, hat S.-M. diese Aussage in einer E-Mail verbreitet und darin auch behauptet, dass die Zeugin während des Nötigungs-Prozesses gegen den Professor öffentlich zugeben musste, dass sie zu der Anzeige angestiftet wurde. Tatsächlich ist das laut Staatsanwaltschaft aber falsch: Weder im ersten Sex-Prozess gegen Siegfried M., der im Frühjahr 2016 vor dem Amtsgericht stattfand, hatte die Frau etwas Derartiges behauptet, und auch nicht im Berufungsverfahren am Landgericht, das vor zweieinhalb Wochen mit der Haftstrafe für M. endete.

Die Sache geht vor Gericht

Die Folge: Wegen übler Nachrede kassierte Amélie S.-M. einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft, in welcher Höhe. ist nicht bekannt. Aber weil sie diesen nicht akzeptieren will und Widerspruch eingelegt hat, geht die Sache jetzt vor Gericht.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte die Sängerin und Schauspielerin: „Es geht nur um eine Formulierung, zu der ich auch stehe. Aus meiner Sicht liegt keine üble Nachrede vor, weil diese Formulierung nicht ehrverletzend war.“ Dies wolle sie auch vor dem Amtsgericht so vortragen. Für Dienstagnachmittag hat das Gericht einen Verhandlungstermin angesetzt. S.-M. sagt zwar: „Wir haben einen Antrag auf Verlegung des Prozesses gestellt.“ Vom Gericht wurde der Termin bisher aber nicht offiziell abgesagt oder verschoben.

Während der Prozess vermutlich also am Dienstag stattfinden wird, laufen im Hintergrund die Bemühungen für die Revision von Siegfried M., der sein Urteil am Landgericht anfechten will. „Ich habe Angst vor dem Gefängnis“, sagte M. nach dem Urteil. Er habe nie Gewalt gegen Frauen angewendet, allenfalls ein bisschen zu überschwänglich gelebt. „Das ist mir nun zum Verhängnis geworden.“ In einem neuen Prozess vor dem Oberlandesgericht will er nun eine Haftstrafe abwenden.

Glück hatte er damit bisher auch am Amtsgericht, wo er mit Geldstrafe und Bewährung davonkam. Seine Frau Amélie hatte ihm in den vergangenen zwei Jahren stets den Rücken gestärkt. Nun muss sie also selbst vor Gericht.

Andreas Thieme

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