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Fünf Senioren aus München wurden von falschen Polizeibeamten angerufen. 

Rund 585.000 Euro Schaden

Falsche Polizisten vor Gericht: Fünf Münchner fallen auf Betrugsmasche rein

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Falsche Polizisten ergaunern rund 585.000 Euro von unschuldigen Senioren. Fünf Münchner wurden Opfer einer hinterhältigen Betrugsmasche. 

München - Sie haben keine Bank überfallen und kein Casino ausgeraubt. Nein - diese Männer haben ihre Beute bei Münchner Senioren gemacht… Prozess-Auftakt gegen eine Bande von falschen Polizisten! Die Staatsanwaltschaft ist sicher: Die sieben Angeklagten haben sich das Vertrauen der Rentner erschlichen, um sie anschließend unter Druck zu setzen und abzuzocken. 

Insgesamt  585.000 Euro betrug der Schaden laut Anklage. Und zurück blieben verängstigte Senioren, die teilweise ihr gesamtes Vermögen verloren haben. Doch in diesem Fall hat die Staatsanwaltschaft einem ganzen Betrügerring das Handwerk gelegt. 

Krasse Betrugsmasche: Hintermänner aus der Türkei geben sich als Polizisten aus

Von der Türkei aus sollen Hintermänner in fünf Fällen Münchner Senioren zunächst angerufen haben - die Nummer hatten sie aus Telefonbüchern und gaben sich dabei als Poliziebeamte aus. Ihre Masche: Es handele sich um einen Notfall - denn angeblich seien die Personalien der Senioren auf einer Liste möglicher Einbruchsopfer gefunden worden. Sogar die Bank, so behaupten es die falschen Polizisten, arbeite mit diesen Verbrechern zusammen. Deshalb sollen die Senioren ihre Wertsachen zusammenpacken, ein Beamter hole es bei ihnen zu Hause ab. 

Doch das war alles dreist gelogen! Denn tatsächlich steckt ein ausgeklügeltes System hinter der Masche der falschen Polizisten: Von der Türkei übernehmen sogenannte Keiler die Anrufe nach Deutschland, halten Kontakt zu den betagten Opfern und setzen sie oft massiv unter Druck. Drei Logistiker stehen danach in Kontakt zu den Abholern und koordinieren die Geldübergabe. Anschließend passen Geldabholer-Teams, in der Regel zwei Personen, die Senioren zuhause ab und nehmen die verpackten Wertsachen mit. 

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Hoher Profit aus Betrugsmasche: Knapp 4,3 Millionen Euro im Jahr 2017

Eine Masche, die immer mehr Profit für die Betrüger abwirft: Waren es 2015 noch 70.000 Euro, stieg der Wert 2017 auf 4,3 Millionen Euro! Laut Anklage gab es fünf Fälle in München, einen in Gräfelfing und einen in Frankfurt. Vor Gericht stehen nun zwei Logistiker und fünf Abholer. Letztere haben in einem Fall 500.000 Euro Beute gemacht! 

Das Opfer: eine damals 68-jährige Frau. Rund 2500 Euro pro Person sollen sie pro Auftrag für ihre Dienste kassierten haben. Und doch sind sie wohl nur die Handlanger eines gewissenlosen Systems, dessen Hintermänner in der Türkei sitzen - und dadurch kaum belangt werden können. Dennoch drohen den Angeklagten im Prozess lange Haftstrafen, die auch abschreckende Wirkung haben sollen. 

Betrugsmasche vor Gericht: So fielen fünf Münchner auf die Betrüger rein

Herzogstraße, München:

„Hier ist Thomas Wagner von der Zentrale in der Ettstraße“: So begann der betrügerische Anruf bei einer Schwabinger Seniorin (68) am 26. Juli 2017. Als der falsche Polizist sich bei ihr meldete, glaubte sie ihm sofort - und gab, nachdem sie stundenlang unter Druck gesetzt wurde, völlig verängstigt ihr Vermögen über 500.000 Euro her. Eine naive Handlung? Nein. Denn die Seniorin stellte etliche Fragen, einer der Betrüger antwortete ihr als „Staatsanwalt Jürgen Bach“.

An der Griesbreite, Bogenhausen: 

Einen 72-jährigen Rentner aus Bogenhausen setzten die Betrüger dermaßen unter Druck, dass er am 31. Juli 2017 sogar bereit war, all seine Wertsachen in eine Tüte zu packen und sie vom Balkon zu werfen, damit die Polizei sie verwahrt. In Wahrheit natürlich ein übler Trick! Denn zuvor hatten Anrufer den Münchner Senior über Stunden hinweg bearbeitet und ihn in den Glauben versetzt, dass er sonst von brutalen Verbrechern überfallen werden würde und seine einzige Chance darin besteht, mit der Polizei zu kooperieren. Leider waren das aber falsche Polizisten.

Kranichweg, Riem: 

Goldmünzen im Wert von rund 10.000 Euro ergaunerten sich die falschen Polizisten bei einem Rentner in Riem. Ihn hatten die Betrüger am 29. August 2017 gegen 21.15 Uhr angerufen und durch geschickte Gesprächsführung seine Vermögensverhältnisse herausgefunden. Er sei zu Hause nicht mehr sicher, gaukelten sie dem 86-Jährigen vor, den sie zwischenzeitlich mithilfe einer Fangschaltung zu einem vermeintlichen „Oberstaatsanwalt Lorenz“ verbunden hatten. Gegen 23.24 Uhr konnte die Polizei die Täter dann allerdings festnehmen.

Neustätterstraße, Neuhausen:

Gleich zwei falsche Polizisten hatten sich am 4. August 2017 bei einer 81-jährigen Seniorin in Neuhausen gemeldet. „Herr Schwarz“ und „Herr Eberhard“ warnten sie vor der vermeintlichen Einbrecherbande und forderten sie auf, ihr Bargeld und sämtliche Wertsachen „unverzüglich zur Verwahrung an die Polizei zu übergeben“ - angeblich nur zum Schutze der Seniorin. Sie forderten die Männer auch zu absoluter Geheimhaltung auf. Denn nur durch beide Maßnahmen sei es möglich, die Einbrecherbanden zu fassen. Doch das war alles nur gelogen! Denn in Wahrheit gab es gar keine Einbrecher und die Seniorin wurde Opfer der falschen Polizisten, der sie ihr Hab und Gut in einem Stoffbeutel übergab

Zeisigstraße, Neuhausen:

Auch vor einem 87-jährigen Mann aus Neutrudering schreckte die Betrügerbande nicht zurück, sondern nahm ihn eiskalt aus. Mit der typischen Masche meldete sich ein falscher Polizist am 28. August 2017 als „Kriminalbeamter Thomas Wagner“. Was der Rentner nicht wusste: Im Hintergrund war bereits ein Abholer-Team zu ihm unterwegs, das am Ende 9000 Euro mitnahm. Denn der Betrüger hatte den Senior so in Angst versetzt, dass dieser sein ganzes Bargeld herausgegeben hatte.

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