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Erkan G. am Dienstag vor Gericht: Er räumte die Tatvorwürfe über seinen Verteidiger Adam Ahmed (re.) ein.

Versuchter Totschlag im Bordell

Prozess nach Justizpanne neu aufgerollt: Angeklagter äußert sich erstmals

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Nachdem das Urteil wegen versuchten Totschlages wegen einer Justizpanne zurückgewiesen wurde, stand der Angeklagte am Dienstag wieder vor Gericht. Dort äußerte er sich erstmals.

München - Sein Fall schlägt am Landgericht große Wellen. Weil Erkan G. (30) drei Männer in einem Bordell niedergestochen hatte, wurde er Ende März 2016 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Dumm nur: Richter Michael Höhne hatte ohne Rechtsgrundlage geurteilt. Denn an seiner Schwurgerichtskammer hatte es keinen gültigen Geschäftsverteilungsplan gegeben, der die interne Zuständigkeit der Richter klärt.

Die rechtlichen Folge waren verheerend: Verteidiger Adam Ahmed rügte den Formfehler der Schwurgerichtskammer, im Februar hoben die Bundesrichter das Urteil von Michael Höhne schließlich auf (wir berichteten). „Ein Riesenerfolg für den Mandanten“, kommentierte Ahmed. Denn weil das Gericht schlampte, kam Erkan G. im Mai sogar aus dem Gefängnis frei. Nach der peinlichen Justizpanne geht der Prügel-Prozess jetzt wieder von vorne los. Seit Dienstag verhandelt Norbert Riedmann den Fall, er ist Vorsitzender der zweiten Strafkammer am Landgericht. Dorthin haben die Bundesrichter den Fall zur Revision verwiesen.

Wichtiger Nebenkläger meldet sich krank

Riedmann hörte den Angeklagten erneut an – und der äußerte sich erstmals überhaupt zu dem brisanten Fall. „Ja, ich habe zugestochen“, räumte Erkan G. ein. Angeblich aber nur aus Notwehr. In der Bar des Clubs sei es zum Streit mit den Männern gekommen. „Ich wurde angegriffen und wusste mir in dem Moment nicht anders zu helfen. Im Nachhinein leider die falsche Entscheidung“, sagte G. „Aber die Situation war damals für mich aussichtslos. Dass jemand verletzt wurde, tut mir leid“, fügte er an. Die Opfer der Messerattacke erlitten teils gefährliche Wunden, über Anwalt Ahmed hat Erkan G. ihnen inzwischen ein Schmerzensgeld angeboten.

Kurios: Ein Nebenkläger sollte am Dienstag aussagen, wie im ersten Prozess meldete er sich aber kurzfristig krank. „Ich glaube, ich habe ein Deja-Vu“, kommentierte Adam Ahmed mit spitzer Zunge. Denn für den Prozess ist die Aussage dieses Zeugen von hoher Bedeutung. Dafür trat der Barkeeper des Clubs in den Zeugenstand und erhob schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten: Angeblich habe Erkan G. den blutigen Streit im Bordell begonnen. Das könne er ganz klar benennen. Auch Video-Aufnahmen aus dem Club hatten das bereits nahegelegt. Erkan G. hatte sich in seiner Aussage ebenso darauf bezogen.

Bis Mitte Dezember will das Landgericht den Prügel-Fall nun verhandeln. Erkan G. drohen wegen versuchten Totschlags mehrere Jahre Haft. Er hatte in der Zwischenzeit wieder bei BMW als Produktionshelfer gearbeitet und am Wochenende Pizza ausgefahren. Nun aber holt ihn die Vergangenheit ein.

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