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Kurz vor der Operation: Sabine Hacker brachte einst 220 Kilogramm auf die Waage.

„Mein zweites Leben“

Frau aus München nimmt unglaubliche 120 Kilo ab - Jetzt ist sie kaum mehr wiederzuerkennen

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Jahrzehntelang litt die Sabine Hacker aus München unter ihrem starken Übergewicht. Sie fühlte sich schuldig - bis sie endlich akzeptieren konnte, dass es sich bei ihrem hohen Gewicht um eine Krankheit handelt. Schließlich veränderte eine Magenoperation ihr Leben.

München - Fragt man Sabine Hacker (52) nach einem besonders schönen Moment in ihrem Leben, dann kommt eine überraschende Antwort: Es ist der Tag, an dem sie mit einem operierten Schlauchmagen im Krankenhaus aufwachte: „Das war der Beginn meines zweiten Lebens. Ich war glücklich. Wie im Rausch.“

Ihre Mutter kam zu Besuch und hatte eine von der schweren Operation geschwächte Tochter erwartet: „Doch ich strahlte sie einfach nur an, bis sie sagte, ich wirke wie das blühende Leben.“ Seitdem hat sich die 52-jährige Hausfrau mehr als halbiert: 120 von 220 Kilo sind weg!

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Sabine Hacker aus München: „Operation ist nur der Krückstock“

Die Magenverkleinerung vor fünf Jahren war jedoch nur der Anfang: Die Umstellung auf das neue Leben mit dem Mini-Magen gelingt nur durch die Unterstützung in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Davon ist Sabine Hacker aus München überzeugt: „Die Operation ist nur der Krückstock.“

Ohne den Austausch und die Erfahrungen von anderen Adipositas-Patienten in der Selbsthilfegruppe - die gemeinsame Aktivitäten, Stammtische und den Sportverein für dicke Menschen auf die Beine gestellt haben - hätte sie den Weg zu ihrem leichteren Ich nicht geschafft. Das ist die Botschaft, mit der sie anderen Betroffenen Mut machen möchte. Wenn sie etwas bereut in ihrem Leben, dann, dass sie sich nicht früher operieren ließ. Durch das extreme Übergewicht war jeder Schritt eine Qual, der Blutzucker völlig außer Kontrolle: „Ich hätte nicht mehr lange gelebt.“

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Frau aus München Schon in jungen Jahren auf Abspeck-Kuren

Der medizinische Standard-Rat, nun mal Diät zu halten oder sich doch bitte mehr zu bewegen, hat sie über die Jahre erst so richtig krank gemacht: „Schon als kleines Mädchen bin ich auf die ersten Abspeck-Kuren geschickt worden.“

Mit der Pubertät, dem ersten Liebeskummer, der Schwangerschaft, Diäten und der Vorliebe für Nudeln wuchsen die Speckringe: „Und mit 150 Kilo geht man nicht mal schnell joggen.“ Wagte sie es mal, ihre Hausärzte auf eine Operation anzusprechen, hörte sie nur: „Das ist wahnsinnig gefährlich. Sie opfern zudem ein gesundes Organ.“

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Ärzte haben sich bei Frau aus München entschuldigt

Einige ihrer damaligen Ärzte haben sich mittlerweile bei ihr entschuldigt. Sabine Hacker stellt fest: „Sie haben mit mir mitgelernt.“ Auf den Verlust des Magens angesprochen, meint sie lakonisch: „Ein Organ, das mich so krank gemacht hat, kann nicht gesund sein.“

Ein Schlauchmagen ist von der Größe vergleichbar mit einem 200-ml-Joghurtbecher. „Wenn man sich beim Frühstück mit der Familie entscheiden muss, mit was man sein Viertel von der Semmel belegt - was man essen kann, dann ist das schon bitter.“ Marmelade, Käse oder Wurst? Appetit wäre da für alles! Doch viel mehr wiegt der Zugewinn an Lebensqualität.

Zurück im Leben: Seit der Operation vor vier Jahren hat Sabine Hacker den Sport für sich entdeckt. Im Selbsthilfeverein hilft sie anderen Betroffenen mit ihrer Erfahrung.

Sabine Hacker aus München: „Hätte nicht in Flugzeugsitz gepasst“

Denkt sie zurück an die richtig dicken Zeiten, ist die 52-Jährige aus München erschrocken, wie viele Einschränkungen sie in Kauf genommen hat. Mann und Sohn flogen ohne sie in den Urlaub: „In einen Flugzeugsitz hätte ich eh nicht gepasst.“ Und der Tag am Pool war auch keine verlockende Aussicht.

Wollte sie die Wohnung verlassen, bat sie den Ehemann, das Auto möglichst nah an der Haustür zu parken. Nicht nur jeder Schritt - auch das Stehen war eine einzige Qual: Wenn eine Freundin zu Besuch kam und einen Kaffee wollte, hoffte sie, dass es bei dem einen bleiben würde: „Ich musste mich vor der Kaffeemaschine auf dem Tresen mit den Armen abstützen.“

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Endlich spricht ein Arzt die Wahrheit aus

Ihr Leben wurde einsamer: Nicht auffallen war schwer bei der Leibesfülle, daher sich lieber zurückhalten. Bei einem Klinikaufenthalt sprach eine Ärztin endlich Klartext: „So können Sie nicht weitermachen. Sie müssen sich operieren lassen.“ Eine neue Welt tat sich auf: „Ich habe alles gelesen, was ich finden konnte und habe mich im Adipositas-Zentrum bei Dr. Michael Kramer angemeldet. Das war der erste Arzt, der einfach gesagt hat: Sie sind krank.“

Und weiter: „Sie sind Hochleistungssportler - jeden Tag über 200 Kilo durch die Gegend zu schleppen, ist wahnsinnig anstrengend.“ Zuvor hatte Sabine Hacker immer das Gefühl vermittelt bekommen, sie sei „faul und fett“. Was man Dicken eben immer so unterstellt. Zuerst bekam sie einen Magenballon, der den Magen großteils ausfüllt. Damit nahm die Münchnerin 20 Kilo ab, genug, um gesund genug für die Operation zu sein.

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Hacker leitet mittlerweile eine Selbsthilfegruppe

Parallel dazu ging sie zur Ernährungsberatung und in die Selbsthilfegruppe: „Die Operation verändert ja nur den Magen, doch die Krankheit steckt im Kopf. Die Umstellung des Lebens und das Dranbleiben ist das Schwierigste. Das schafft man einfach nicht allein.“ Mittlerweile leitet sie selbst eine Gruppe. Mal kommen Referenten, mal geht es nur darum, dass Neulinge den alten Hasen Fragen stellen.

Außerdem geht Sabine Hacker vier Mal in der Woche zum Sport - in den Verein Adipositas Bavaria. Zumba und Schwimmen, Walken oder Boxen am Sonntagmorgen: „Wer hätte das früher gedacht?“ Am Ende ihres Besuchs in der Redaktion zeigt Sabine Hacker noch Fotos, die sie kurz vor der Magenverkleinerung aufgenommen hat. Die Bilder belegen die Veränderung: „Es ist verrückt, aber wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich meistens noch die sehr dicke Sabine.“

Das neue Körperbild psychisch zu verarbeiten, ist eine mindestens ebenso große Aufgabe wie das Abnehmen. Aber eine schöne. „Jetzt bin ich seit vier Jahren im Sportverein dabei - da komme ich so schnell nicht mehr raus.“ Zumal auch der Ehemann dort den Sport für sich entdeckt hat. Die Gruppe ist Teil ihres neuen Lebens, und gleichzeitig Versicherung dagegen, sich die mühsam abgerungenen Kilos wieder draufzufuttern.

Video: Letzter Ausweg Magenverkleinerung

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Susanne Stockmann

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Kommentare

SchorscheAntwort
(0)(0)

Neidisch?

Gegner von Mauschleien
(0)(0)

Die Presse braucht anscheinend besondere Themen. Aber was dieses nun in der Zeitung zu suchen hat, keine Ahnung.
Unnötiger Lesestoff.

Schneider
(0)(0)

Liebe Frau Hacker,
herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Operation und zu Ihrem neuen zweiten Leben. Wir haben eine Bekannte, die es auf dem gleichen Weg geschafft hat. Schön, dass Sie anderen auch helfen. Wir wünschen Ihnen und ihren Schützlingen alles Liebe und Gute. GLG