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Der Fröttmaninger Berg gehört zu den Münchner Oasen. 

Hier lassen Sie die Zeit still stehen

Immer nur die Berge? Die besten Auszeit-Tipps fürs Münchner Stadtgebiet

München ist eine sportliche, aktive Stadt. Am Wochenende, wenn uns Städtern nach Natur ist, leert sich die City. Dabei hat die Stadt auch einiges zu bieten.

München - München ist eine sportliche, aktive Stadt. Am Wochenende, wenn uns Städtern nach Natur ist, leert sich die City. Wie Herdentiere klappern wir bekannte Klassiker ab, hauptsächlich gen Süden. „Eskapaden in und um München“ will das ändern, das Buch ist ein Auszeit-Führer: 52 kleine und große Draußen-­Erlebnisse, die man als Münchner erlebt haben ­sollte, finden sich darin.

Johanna Stöckl hat sich mit der Autorin ­Nadine Ormo (34) über Münchner Ruhe-Oasen unterhalten.

Radtour vom Isarursprung nach München

„Die goldene Isar-Regel: Jeder, der die Reißende schätzt, sollte mindestens ein Mal im Leben an ihrer Quelle sitzen. Und danach dem Fluss aus dem wilden Karwendel heraus folgen. Bis nach München. Oder weiter.“

Länge & Dauer: 130 Kilometer, gemütlich auf zwei Tage mit Übernachtung aufgeteilt.

Schleifen-Schlendern

„Manchmal braucht man eine Auszeit in der City. Besonders, wenn sich ein herrliches Altstadt-Ensemble in eine außergewöhnliche Landschaft kuschelt wie im quirligen Wasserburg. Ein Spaziergang durch die Altstadt bzw. entlang der pittoresken Innschleife lohnt sich bei jedem Wetter.“

Länge & Dauer: Tagesausflug, gemütlich, gesamt etwa acht Stunden.

Wanderung durch das Haspelmoor

„Nur eine halbe Stunde vom Münchner Hauptbahnhof entfernt versteckt sich mit dem Haspelmoor und dem angrenzenden Roten Moos ein wahres Naturidyll vor den Toren Münchens. Wer es still mag, ist hier richtig und kann die ungewöhnliche Vegetation genießen.“

Länge & Dauer: 9,5 Kilometer, zweieinhalb Stunden inklusive einer Ergänzungsrunde durch das Rote Moos.

Immer nur in die Berge? Wir haben die besten Auszeit-Tipps fürs Münchner Stadtgebiet!

Nach welchen Kriterien haben Sie denn Ihre Auswahl getroffen?

Nadine Ormo: Das Buch ist Teil einer ganz neuen Reihe. Von Verlagsseite her stand fest, dass es sich um 52 unterschiedliche Outdoor-Unternehmungen handeln sollte. Mir kam das Konzept sehr entgegen, denn abseits viel beschriebener Klassiker – so schön diese auch sein mögen – sollte es auch um touristisch weniger bekannte Orte gehen, um neue Anregungen in alle Himmelsrichtungen. Ich beschreibe im Buch also kleine und große Fluchten, kurze und lange Auszeiten in und um München. Die Ideen reichen von einer Stunde bis zu einem Wochenende.

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Nur wenige Touren sind anspruchsvoll im Sinne von anstrengend. Ganz offensichtlich geht es Ihnen bei den München Eskapaden um etwas anderes.

Ormo: Ja, genau. Es gibt ein paar Vorschläge, die konditionell vielleicht etwas fordernder sind. Aber insgesamt war mein Ansatz, einfach Lust auf diverse sportliche Spielarten zu machen und unterschiedliche Sinneswahrnehmungen in der Natur zu betonen. Natürlich entführe ich die Leser in die nahen Berge. Aber ich ermuntere auch zum Lustwandeln im Park, zum Winter-Sonnenbaden auf einer Anhöhe, zum Pilze sammeln oder Barfußwandern im Wald, zum Sterne gucken, Radeln oder Schwimmen. Ein Großteil der beschriebenen Auszeiten ist für die ganze Familie geeignet und öffentlich erreichbar.

Sie haben bei der Recherche auch Karten gewälzt – wonach haben Sie da konkret gesucht?

Ormo (lacht): Nach grünen und blauen Flecken, also Seen, Flüssen, Bächen, Parks, Wäldern und so. Vor allem habe ich nach Auffälligkeiten entlang der Bahnlinien gesucht. Weil das die Möglichkeit gibt, viel öfter mal die Anreise mit den Öffentlichen zu erwägen. Vor allem den Menschen, die dort wohnen, wo wir Städter am Wochenende bevorzugt hinfahren, sind wir das schuldig. Außerdem steht niemand von uns gerne im Stau.

„Eine zauberhaft mystische Torflandschaft“

Gibt es zauberhafte Plätze um München, die für Sie persönlich so wertvoll sind, dass Sie diese der Öffentlichkeit vorenthalten?

Ormo: Ich teile meine Erfahrungen und Erlebnisse gerne. Insofern habe ich da grundsätzlich wenige Geheimnisse. Aber es gibt Touren, die in fragile Ökosysteme führen, wo ich mich durchaus gefragt habe, ob es vertretbar ist, den Ausflug dorthin zu empfehlen. Das unter Naturschutz stehende Haspelmoor zwischen München und Augsburg zum Beispiel. Ich habe mich für eine Veröffentlichung entschieden, weil es eine tolle Möglichkeit ist, in eine zauberhaft mystische Torf­landschaft einzutauchen – und das weniger als 30 Minuten von München entfernt.

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Wann ist ein Tag draußen ein gelungener?

Ormo: Ich bin schon immer begeistert in der Natur unterwegs, auch auf etwas ausdauernderen Touren. Glücklicherweise muss man sich nicht zwingend in den Bergen schinden, um einen tollen Outdoor-Tag zu erleben. Während einer Kräuterwanderung in Icking habe ich ebenso Glücksgefühle erlebt wie beim Erdbeerpflücken in der Rothschwaige, beim Pilzesammeln im Perlacher Forst oder beim gemächlichen Dahinpaddeln in einem Kanu auf der Amper. Wir Münchner sind mit einem sagenhaften Umland gesegnet und haben unendliche viele Möglichkeiten. Wir brauchen sie bloß nutzen!

Ihre Lieblingsoase in der Stadt?

Ormo: Spontan empfehle ich den Besuch im Rosengarten in der Sachsenstraße, direkt neben dem Schyrenbad. Dieser Platz ist etwas Besonderes. Idyllisch ruhig, man kann dort mitten in der Stadt zur Ruhe kommen. Man spaziert durch ein Meer aus Rosen, kann an Duftpflanzen schnuppern und zudem im Freibadbächl die Füße abkühlen.

Der Fröttmaninger Berg zum Sonnenuntergang

Ihr Tipp für eine kurze Rauszeit nach der Arbeit?

Ormo: Die Seen, ja schön und gut – aber man könnte auch eine Spritztour mit dem Radl an der Isar Richtung Freimann unternehmen und den 75 Meter hohen Fröttmaninger Berg zum Sonnenuntergang besteigen. Auf dem höchsten Punkt des renaturierten Müllbergs eröffnet sich, an der Allianz-Arena vorbei, eine überraschend weite Aussicht. Außerdem: Man ist man auf dem Stadthügel mehr oder weniger alleine unterwegs und taucht unweigerlich tief in die Geschichte Münchens ein: Die kleine Kirche Heilig Kreuz, die älteste Kirche im Stadtgebiet, und die Kunstinstallation „Versunkenes Dorf“ erinnern an den fast vergessenen früheren Kern von Fröttmaning.

Und wenn’s am Wochenende mal nicht in die Berge gehen soll?

Ormo: Als Münchner richten wir unsere Freizeitunternehmungen schon ziemlich einseitig gen Süden aus. Ich hab’ mich daher gezielt auch im Norden umgeschaut und war überrascht. Die Hallertau zählt für mich zu den schönsten Zielen überhaupt. Wenn im August die Hopfengärten richtig hoch stehen, ist ein Ausflug dorthin besonders eindrücklich. Da man zum Beispiel Rohrbach wunderbar ab München mit der Bahn erreichen kann, bietet sich ein Radl-Ausflug an.

Was spricht für ein Weekend in der City?

Ormo: Es gibt viele Gründe, das Wochenende auch mal in der Stadt zu verbringen. Wir haben so viele schöne Plätze hier. Die Stadt- und Schlossparks etwa, die alten Friedhöfe, die zu einem Spaziergang einladen und natürlich auch die Isar. Kürzlich hab’ ich für mich den Innenhof der Glyptothek mit seinem hübschen Café entdeckt. Der Olympiaberg, ich wohne in der Nähe, ist mein Hausberg. Es gibt im Olympiapark allerdings noch zahlreiche verstecktere und interessante Ecken zu entdecken. Zum Beispiel die Ost-West-Friedenskirche von Väterchen Timofej.

Dann hat sich das Schreiben des Buches also jetzt schon gelohnt?

Ormo: Ich habe München sehr viel besser und von einer anderen Seite kennengelernt. Beim Suchen von Detailinformationen habe ich mich mitunter ein wenig verloren und mich mit bestimmten Themen plötzlich sehr ausführlich beschäftigt. Als ich bei meiner Recherche auf die Feldkirchner Tangente, eine stillgelegte Bahntrasse, gestoßen und sie abgewandert bin, war ich plötzlich mitten in der NS-Geschichte. Einmal auf dem Radlring um die Stadt – ebenfalls sehr interessant! Man kommt in Dörfer, deren Namen man oft nur von den Autobahnschildern kennt.

Johanna Stöckl

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