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Zwei junge Männer im Schlauchboot auf der Isar. Mit dabei: ein Kasten Bier dabei, der neben dem Boot in einem Schwimmreifen im Wasser treibt.

Verordnung des Landratsamts

Neue Regeln für die Isar: Daran müssen sich Hobby-Schiffer ab sofort halten

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  • Dominik Göttler
    Dominik Göttler
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Weil die Isar im Sommer in den letzten Jahren immer mehr zur Partymeile verkam, gibt es für für Hobby-Isarschiffer nun neue Regeln und einen Alkoholgrenzwert.

München - Die Isar bekommt ihre Ruhe. Nichts ist’s mehr mit grölenden Menschen auf Billigschifferln, Partymachern auf aufgeblasenen Einhörnern, die zwischen Sylvenstein­speicher und München die Natur am und im Fluss an den Rand des Zusammenbrechens bringen. 

Am Dienstag gab das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen erste Eckpunkte seiner neuen Bootsfahrverordnung bekannt, wie sich Rowdytum auf dem Fluss eindämmen lässt, etwa durch eine Promillegrenze oder das Verbot, Beiboote anzuhängen (siehe auch Auflistung unten). 

An Donnerstag soll die Verordnung im Amtsblatt stehen: Damit treten alle Punkte offiziell in Kraft. Und ab dann können für Verstöße Bußgelder bis 5000 Euro verhängt werden! Dass es rauchfrei geht, hat man nach Jahren zur Überraschung manches Zeitgenossen feststellen können – aber geht es auch rauschfrei? Und wie lässt sich die relative Abstinenz auf dem Fluss kontrollieren?

Lesen Sie auch: Isar-Verordnung genau: So streng wird ab jetzt das Bootfahren überwacht

Isar-Ranger achten auf die Einhaltung der Regeln

Isar-Ranger der Unteren Naturschutzbehörde Bad Tölz/Wolfratshausen, von denen es statt bisher vier künftig neun geben soll, dürfen Personalien feststellen. „Im Zuge eines Amtshilfeersuchens durch die Ordnungsämter können Polizisten eingebunden werden“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Beamte an der Isar eine große Alkoholkontrolle durchführen. Grundsätzlich müsse ein Bootsführer aber nüchtern sein.

Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen beruft sich in puncto Alkohol auf Bestimmungen der Schifffahrtsordnung auf bayerischen Gewässern. Dort heißt es zum Schiffsführer: Wer mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat, darf ein Fahrzeug nicht führen. Und damit nicht genug: Der Grenzwert gilt auf der Isar für Mann und Maus: Rauschverbot auf dem Kahn! 

Isar-Floßfahrten sind zum Teil schwimmende Saufgelage

Die Isar-Flößer muss das nicht kümmern. Sie verweisen auf eine wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Genehmigung und sind nicht an die neue Verordnung gebunden. Kritik daran, „dass Floßfahrten nichts anderes sind als große Saufgelage“, wie vom Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz, Friedl Krönauer, kontern die Flößer: „Uns mit den Schlauchbootfahrern zu vergleichen, ist völlig fehl am Platz“, sagte der Isar-Loisachboten Flößer Michael Angermeier. „Wenn wir durch die Pupplinger Au fahren, dann sind wir uns bewusst, dass es sich um hochsensibles Gebiet handelt.“

Markus Christandl

Passend zum Thema: Isarfischer sagen Müll-Wahnsinn den Kampf an - kaum zu glauben, was Leute in den Fluss werfen

Die neuen Isar-Regeln

Bis zu 5000 Euro Bußgeld drohen laut Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, wenn gegen diese Verordnungen verstoßen wird:

  • Das Befahren der Isar ist nur mit geeigneten Wasserfahrzeugen erlaubt. Wie genau diese definiert sind, ist allerdings noch unklar 
  •  Untersagt ist das Anhängen von unbesetzten Beibooten und das Zusammenbinden von Booten 
  • Bootsfahrer dürfen nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut haben 
  •  Kinder bis zwölf Jahre und Nichtschwimmer müssen Rettungswesten tragen 
  • Glasflaschen und –gefäße sind verboten 
  • Das Befahren ist von 1. Juni bis 31. Dezember zwischen Bad Tölz und Icking zulässig (damit trägt man wohl Einwänden von Kanu- und Kajak­sportlern Rechnung). Für den südlicheren Abschnitt gilt der Zeitraum vom 1. Juni bis 15. Oktober 
  •  Das Befahren ist zwischen 20.30 Uhr und 7 Uhr verboten 
  •  Es dürfen nicht mehr als zehn Personen im Fahrzeug sein 
  •  Eine Verwendung von Tonverstärkern und Lautsprechern ist untersagt 
  •  Es muss großer Abstand zu Kiesinseln und Kiesbänken gehalten werden. Ein Anlanden ist verboten 
  • Herausspringen aus Booten ist nur im Notfall erlaubt.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Redakteur Dominik Göttler:

„Mit mehr Augenmaß braucht es weniger Verbote“

Muss man denn alles verbieten? Das werden jetzt wieder viele fragen, angesichts der neuen Bootfahrverordnung für die Isar. Promillegrenze, Fahrverbote, Nachtruhe, Lautsprecher-Bann – der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen macht nach jahrelanger Diskussion ernst und diktiert Freizeit-Kapitänen einen neuen Kurs. Dahinter steckt nicht etwa eine typisch deutsche Regulierungs-Wut, sondern die schlichte Notwendigkeit, dem immensen Freizeitdruck in der Region ein wenig die Luft abzulassen. Es hat einfach nichts mehr mit naturnaher Erholung zu tun, wenn an sonnigen Tagen Horden von Feierwütigen ihre Billigboote aufblasen, sich beseelt und beschwipst mit Bierkasten im Schlepptau zwischen Lenggries und München treiben lassen – und am Ende sogar noch ihren Müll liegen lassen. Diese Massengaudi macht ein Ökosystem auf Dauer nicht mit. Wenn die Menschen in der Region künftig noch etwas von ihrem Fluss und der Natur, die seinen Reiz ausmacht, haben wollen, ist ein Umdenken nicht zu vermeiden. Im Grunde gilt das nicht nur für die Isar, sondern den Freistaat im Allgemeinen. Sei es auf der künstlich beschneiten Skipiste, auf der Luxushütte in den Bergen oder bei der Klettertour im Schutzgebiet. Alle wollen in ihrer Freizeit die Natur erleben, aber nicht jeder nimmt dabei auch Rücksicht auf sie. Ein bisschen mehr Augenmaß – schon bräuchte es weniger Verbote und Verordnungen, über die jeder so gerne schimpft.

Lesen Sie auch: Diese sechs Probleme haben Münchner an der Isar - aber der siebte Punkt freut alle und "Du erkennst uns an den Luftmatratzen":Frivoler Schmuddel-Treff am Flaucher

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