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Die Grünen und ihre Pullis.

München

Warum die Münchner AfD ein Islam-Problem hat

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München - Die Münchner AfD will eine bürgerliche Alternative zu den etablierten Parteien sein. Das Islam-Thema wird für ihn trotzdem zunehmend zum Problem.

„Gäbe es das Euro-Thema nicht“, sagen sie an der Stadtspitze, „wäre der Wächter doch in der CSU“. André Wächter, bayerischer AfD-Chef und einer der zwei Stadträte der Eurokritiker, gilt als anständiger Mann. Politisch gemäßigt, freundlich im Umgang: So ist auch das Bild, das er selbst von sich zeichnen möchte.

Wächters Problem aber hat einen Namen: Fritz Schmude. Der andere Münchner AfD-Stadtrat ist Islamkritiker. Nicht ein bisschen, sondern „bis in die Knochen“, so drückt er es selbst aus. Im Münchner Stadtrat, der von den rot-grünen Jahrzehnten geprägt ist, geht das vielen zu weit. Die AfD sehen mittlerweile viele ziemlich weit rechts. Die formale Kooperation mit den Freien Wählern scheint zwar zu halten – eine politische Zusammenarbeit mit anderen Kräften wird aber immer unwahrscheinlicher.

Erst dieser Tage machte sich die AfD zum Gespött vieler Beobachter. Wie berichtet, hatten die Euro-Kritiker im Stadtrat offiziell angefragt, „ob und in welchem Umfang die Stadt München direkt oder indirekt die Gegendemonstranten finanziell gefördert hat“.

In den sozialen Netzwerken wurde mit Hohn und Spott reagiert. CSU-Stadtrat Marian Offman schrieb sogar einen offenen Brief. Er habe an den Demonstrationen gegen Bagida teilgenommen und sehe in der Anfrage der AfD eine „eklatante Verunglimpfung meiner Person“.

Viel Aufmerksamkeit bekamen am Mittwoch auch die Grünen im Stadtrat. Sie veräppelten die AfD mit grauen Kapuzenpullovern. Auf die hatten die Stadträte den Spruch „Ich war bei NoBagidaMuc – und alles was ich bekommen habe, war dieser lausige Pulli“ drucken lassen.

André Wächters gemäßigtem Ansatz kommt all das gar nicht entgegen. Ein wenig provozieren, der Stachel im Fleisch der Etablierten sein, das will die AfD schon. Aber als Verschwörungstheoretiker in der rechten Ecke – so will Wächter in keinem Fall wahrgenommen werden. Er betont auf Nachfrage, mit dem Stadtrats-Antrag habe man nicht Bagida unterstützen wollen. „Es haben tatsächlich Kommunen Geld für Gegenkundgebungen bezahlt“, sagt er. „Etwa für die Bühnen.“ So abwegig sei die Frage also nicht gewesen. „Wir wollen nicht, dass Steuergeld für politische Kundgebungen eingesetzt wird.“

Fritz Schmude hatte zu Beginn der aufgeregten Münchner Großdemonstrations-Wochen noch an Pegida-Kundegbungen teilgenommen. Als Bagida sich um den Münchner Moschee-Gegner Michael Stürzenberger und mit Unterstützung von Neonazi-Gruppen etablierte, blieb Schmude fern. Ein AfD-Stadtrat mit Neonazis auf der Straße – dieses Bild hätte Wächter gerade noch gefehlt. Auf Nachfrage nennt Schmude dann auch ausschließlich strategische, keine inhaltlichen Gründe, warum er nicht mit den „Bagida“-Aktivisten auf die Straße geht. „Stürzenberger ist kein Nazi“, sagt er. „Das Problem ist, dass er verbrannt ist. Alles, wo Stürzenberger drauf steht, ist dem Tod geweiht.“ Stürzenberger hat mit lauten, islamfeindlichen Mini-Kundgebungen auf Münchner Plätzen jahrelang Unterschriften gegen die Moschee gesammelt. „Diese Art kommt bei den Münchnern einfach nicht an“, sagt Schmude. Er schimpft aber auch, „bestimmte gesellschaftliche Kräfte“ seien „regelrecht besessen davon, Moscheen zu bauen“.

Schmudes Distanzierung von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen finden AfD-Kritiker wie Dominik Krause nicht glaubwürdig. „Im Stadtrat sagt die AfD fast das Gleiche wie Karl Richter von der Bürgerinitiative Ausländerstopp“, sagt der Grünen-Stadtrat. Und anschließend distanziere man sich eben offiziell wieder von dem Neonazi.

Schmude wiederum sagt, er wolle eine bürgerliche AfD, verweist stolz auf eine geplante Demonstration gegen die Euro-Rettung. „Die AfD ist keine rein islamkritische Partei“, sagt er. „Und das ist auch gut so.“ Man definiere sich „in erster Linie über positive Inhalte“. Beim Islam gehe es ihm hingegen um „Extremismusabwehr“. Der Pulli-Protest im Stadtrat, erklärte Schmude auf Facebook, sei „wieder mal grüner Kindergarten“. Auf die leichte Schulter nehmen sollten die beiden Erwachsenen von der AfD die Aktion trotzdem nicht. Denn politisch ist es ein weiteres Signal. Dafür, dass auch der freundliche Herr Wächter im Begriff ist, von den anderen Parteien nicht ernstgenommen zu werden.

Felix Müller

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