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München

Breite Mittelschicht

Jeder Dritte ist Gutverdiener: So viel Gehalt bekommen die Münchner

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Immer mehr Münchner verdienen gut. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft jedoch immer weiter auseinander.

München - Es gibt wohl kaum eine Stadt in Deutschland, in der das Thema Lebenshaltungskosten so dominant ist wie in München. Die Mieten drücken auf den Geldbeutel und machen vielen Menschen zu schaffen. Spannend ist in diesem Kontext ein Blick auf das Lohnniveau der Münchner. Die Statistik stammt von der Bundesagentur für Arbeit und wurde vom städtischen Wirtschaftsreferat nach einer Anfrage der Linken öffentlich gemacht. Die Partei wollte ein klares Bild von der „Boomtown München“ – und zwar unter dem Blickwinkel: „Boomtown – aber wie viele Menschen arbeiten für Niedriglohn oder machen unbezahlte Überstunden?“

München liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt 

4169 Euro brutto haben die Münchner im Jahr 2017 durchschnittlich verdient. Das bedeutet einen Anstieg um 3,4 Prozent gegenüber 2016, damals waren es 4033 Euro. Der Bundesdurchschnitt lag 2017 bei 3209, im Jahr zuvor bei 3133 Euro – eine Steigerung von 2,4 Prozent. Auffällig: Die Zahl der Menschen in den unteren Entgeltklassen bis einschließlich 3400 Euro pro Monat hat in München gegenüber 2016 ausnahmslos abgenommen. Dagegen hat bei den Gutverdienern mit einem Gehalt von mehr als 5600 Euro die größte Veränderung stattgefunden. In dieser Klasse gab es im Vergleich zu 2016 einen Zuwachs von 15 478 Personen – 9,5 Prozent. Insgesamt hatte die Bundesagentur für Arbeit 2017 in München 598 320 Vollzeitbeschäftigte registriert – 367 000 Männer und 231 320 Frauen. Knapp 179 000 Bürger bezogen ein Gehalt über 5600 Euro, davon aber nur 40 400 Frauen (22,6 Prozent). In den unteren Entgeltklassen sind Frauen hingegen überrepräsentiert.

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22 Prozent der Arbeitnehmer sind Niedriglohnbezieher

Als Niedriglohn gilt qua Definition ein Entgelt, das weniger als zwei Drittel des Durchschnittsgehalts beträgt. Bezogen auf München wären das 2779 Euro. Demnach würden in der Landeshauptstadt knapp 22 Prozent der Arbeitnehmer zu den Niedriglohnbeziehern zählen. Das liegt über dem Bundesdurchschnitt von 19,8 Prozent. Dies zeigt: Es gibt nicht nur immer mehr Menschen in München, die gut verdienen, sondern auch immer mehr schlecht bezahlte Beschäftigte. Die bundesweit gültige Niedriglohnschwelle im Jahr 2017 lag bei 2226 Euro pro Monat.

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Stand: März 2018) arbeiten in der Landeshauptstadt drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit, ein Viertel in Teilzeit. Insgesamt 152 319 Personen sind als geringfügig Beschäftigte (Minijobber) gemeldet. Bei der Anzahl geleisteter Überstunden gibt es keine eigene Statistik für München. Für Bayern meldete das Statistische Bundesamt 2016 insgesamt etwa 120,6 Millionen Überstunden. Das entspricht 1,2 Prozent aller Arbeitsstunden. Zwei Drittel dieser Überstunden seien unbezahlt. Das Bundesamt geht aber ohnehin von einer weitaus höheren Dunkelziffer an Überstunden aus.

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Trotz breiter Mittelschicht, Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander

Laut Statistik des städtischen Sozialreferats gelten in München 8,9 Prozent der Bürger als reich, in relativer Armut leben allerdings 17,4 Prozent. Als reich gilt, wer monatlich mindestens doppelt so viel Geld zur Verfügung hat wie der Durchschnitt. In München sind das zum Beispiel 4500 Euro netto für eine alleinstehende Person. Knapp zwei Drittel der Münchner Bevölkerung haben nach Einschätzung des Sozialreferats aber nur ein durchschnittliches oder unterdurchschnittliches Einkommen – oder sind sogar arm.

Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) erklärte am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir haben glücklicherweise immer noch eine sehr breite Mittelschicht. Allerdings sind in München natürlich auch die Lebenshaltungskosten, vor allem die Mieten, deutlich höher als im Bundesdurchschnitt.“ So hätten Privatinsolvenzen in der Mittelschicht deutlich zugenommen. Besonders hart sei die Situation für Menschen, „die ihr Leben lang hart, aber eben im Niedriglohnsektor gearbeitet haben, oder aus anderen Gründen für das Alter nicht ausreichend vorsorgen konnten“. Hier reiche im Regelfall die zu erwartende Rente nicht aus, um sich das Leben in München leisten zu können. Schiwy zufolge ist die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter von 2011 bis 2018 um 30 Prozent gestiegen.

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VK

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