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Die Zahl der Streitfälle steigt. 

Bayern eines der friedfertigsten Bundesländer 

Job, Miete, Nachbarschaft, Verkehr, Erbe: Zahl der Streitfälle steigt - So kommen Sie zu Ihrem guten Recht

Auch wenn Bayern eines der friedfertigsten Bundesländer Deutschlands zu sein scheint, gibt es auch hier immer häufiger Streit im Job, rund um die Miete oder im Verkehr. 

München - Die Streitigkeiten nehmen zu: Jeder Vierte in Deutschland ist laut Studien in einen Rechtsstreit verwickelt. Die Bayern scheinen da noch das friedfertigste Bundesland zu sein. Mit durchschnittlich 21,3 Streitfällen pro 100 Einwohnern bilden die Bayern das Schlusslicht im Streitatlas 2017. 

Trotzdem: In vielen Fällen bleibt der Gang zum Anwalt nicht aus. Doch inzwischen gibt es auch günstige Alternativen, wie sich Betroffene mit Hilfe von Internetdiensten und Schlichtungsstellen behelfen können. Die tz hat für Sie die häufigsten Streitfragen unter die Lupe genommen und zusammen mit Experten einen Leitfaden zusammengestellt, wie Sie zu Ihrem Recht kommen. 

Streit in der Nachbarschaft: So kommen Sie an Ihr Recht

Stundenlanges Trompete spielen, das Laub auf der falschen Seite entsorgt oder auch laute Musik bis in die Nacht: Streitigkeiten zwischen Nachbarn kommen immer wieder vor - und können den Hausfrieden stark aus dem Gleichgewicht bringen. Auch Anja Franz vom Mieterverein München e.V. ist mit solchen Konfliktsituationen immer wieder konfrontiert. Ihr erster Rat: Miteinander reden. „Oft handelt es sich bei solchen Streitfragen um Missverständnisse. Wenn sich die Parteien in einem ruhigen Moment zusammensetzen und offen sprechen, kann vieles schon geklärt werden“, so Franz. Wenn auch das persönliche Gespräch keine Einigung bringen kann, muss der Vermieter eingeschaltet werden. Wer trotzdem nicht einlenken will, muss mit einer Abmahnung rechnen. Sind die Fronten zu stark verhärtet, können auch Schlichter oder Mediatoren bei einer Konfliktlösung behilflich sein. „Wir können nur raten, das außergerichtlich zu klären“, sagt auch der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Wenn ein Gericht entscheide, habe eigentlich immer einer das Nachsehen - manchmal sogar beide.

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Streitigkeiten im Verkehr: So kommen Sie an Ihr Recht

Die häufigsten Gründe für Streit im Straßenverkehr sind Unfälle und zu schnelles Fahren. Statistisch gesehen passiert in Deutschland alle zwölf Sekunden ein Unfall. Dann heißt es: Richtig handeln ist die Devise. Der ADAC gibt hierfür die wichtigsten Tipps: Als Erstes muss die Unfallstelle gesichert werden, Warnblinker anstellen und dann das Warndreieck aufstellen. Leisten sie erste Hilfe, wenn nötig. Danach werden Beweise gesammelt, Fotos von der Unfallstelle und den Karosserieschäden gemacht. Auch nach möglichen Zeugen sollte geschaut und gegebenenfalls die Personalien aufgenommen werden. 

Auch im Straßenverkehr ergeben sich immer häufiger Streitigkeiten.

Wichtigster ADAC-Tipp: Mit dem Unfallgegner einen Unfallbericht ausfüllen. Dort werden alle benötigten Informationen erfasst. Die Polizei muss vor allem verständigt werden, wenn es sich um größere Sachschäden handelt, wenn Miet- und Firmenwagen verwickelt sind oder jemand verletzt wurde. Übrigens, gut gemeint, aber trotzdem falsch: Wer nach einem Parkrempler nur einen Zettel mit einer Entschuldigung, Namen und Telefonnummer hinter den Scheibenwischer des beschädigten Autos klemmt, begeht Unfallflucht. Und damit eine Straftat. Richtig ist, auf den anderen Fahrer zu warten oder die Polizei zu rufen. Auch bei Verkehrsunfällen gibt es Hilfe im Netz: Das Portal Unfallhelden.de vermittelt Autofahrern Anwalt, Gutachter, Werktstatt und gegebenenfalls einen Mietwagen. Für Geschädigte ist die Hilfe kostenfrei.

Probleme in der Arbeit: So kommen Sie an Ihr Recht

Einer der häufigsten Streitfälle in der Arbeitswelt ist die Kündigung. Wer hört schließlich schon gerne vom Chef: „Das war’s für Sie.“ Nur in wenigen Fällen darf er das aber sagen. „Viele Kündigungen sind nicht wirksam“, sagt Wilfried Futschik, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Rechtlich gibt es nur drei ordentliche Kündigungsarten, die den Rauswurf erlauben. Zum einen personenbedingt: Das gilt etwa, wenn ein Mitarbeiter über das Jahr verteilt zu oft krank ist. „Hier ist alles relevant, was über die sechswöchige Lohnfortzahlung hinausgeht.“ Auch wenn es eine Negativprognose gibt, sprich, wenn damit zu rechnen ist, dass der Arbeitgeber auch in Zukunft lange krankheitsbedingt ausfallen würde. Ergeben sich dadurch Auswirkungen für den Betrieb, kann eine Kündigung folgen. 

Dann betriebsbedingt, wenn ein Unternehmen starke Verluste einfährt oder seine Strukturen ändert und darauf mit Personalabbau reagiert. „Hier kann man nur gegen die Kündigung vorgehen, wenn gravierende Fehler bei der Sozialauswahl getroffen worden sind“, sagt Futschik. Der dritte Fall ist die verhaltensbedingte Kündigung. Hier muss ein erhebliches Vergehen oder ein Vertragsverstoß vorausgehen. „Die leistungs- oder verhaltensbedingte Kündigung setzt eine Abmahnung voraus“, weiß der Fachanwalt. Diese kann auch mündlich ausgesprochen werden. Der Chef muss seinen Mitarbeiter aber darauf hinweisen, was er falsch gemacht hat, und er muss die Kündigung - mündlich oder schriftlich - androhen. 

Wer sich bei einer drohenden Kündigung zumindest eine erste Einschätzung holen möchte, ohne sofort zu einem Spezialisten zu gehen, der findet Rat bei Juraforum, frag-einen-anwalt.de oder der Deutschen Anwaltshotline. Die gestellten Fragen werden an die dort beratenden Anwälte weitergeleitet. Dort beantwortet man die Frage für einen Preis, den meist der Nutzer selbst festlegt. So kommt man bei diesen Portalen oft schon zu einem Rechtsrat für unter 100 Euro.

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Stress und Streitigkeiten rund um die Miete: So kommen Sie an Ihr Recht

Wenn der Vermieter plötzlich die Miete erhöhen will, trifft das viele Mieter unvorbereitet, Und nicht immer ist die angekündigte Erhöhung auch wirklich wirksam. „Der Vermieter darf die Miete innerhalb von drei Jahren um maximal 15 Prozent erhöhen - aber keinesfalls höher als die ortsübliche Vergleichsmiete“, weiß Anja Franz vom Mieterverein München, der für sämtliche Mietfragen ein erster Ansprechpartner sein kann. Sollte der Vermieter trotzdem unverhältnismäßig stark erhöhen wollen, muss der Mieter das nicht einfach hinnehmen. „Da es sich um eine Vertragsänderung handelt, muss der Mieter schließlich zustimmen“, sagt Anja Franz. Tut er das nicht, kann der Vermieter wiederum auf Zustimmung klagen. Wer sich diesen Ärger ersparen möchte, sollte das Gespräch mit seinem Vermieter suchen. 

Immer häufiger kommt es auch rund um die Miete zu Streitigkeiten. 

Auch wenn eine Erhöhung rechtlich unwirksam ist, kann man persönlich versuchen, einen Kompromiss zu finden, rät der Mieterverein München. „Schließlich will man ja meistens in der Wohnung bleiben und auch das Verhältnis zum Vermieter nicht verschlechtern“, so Franz. Auch im Netz kann man Hilfe bei ungerechtfertigten Mieterhöhungen finden. Das Online-Portal Wenigermiete.de bietet seinen Kunden an, für sie beim Vermieter auf die Mietpreisbremse zu treten - ohne Kostenrisiko. Der Kunde zahlt nur, wenn es klappt. Dann aber ein Drittel der im ersten Jahr ersparten Miete.

Konfliktpotenzial rund ums Erbe: So kommen Sie an Ihr Recht

Streitpotenzial birgt besonders der Pflichtteil, der immer die Hälfte des Erbes ausmacht - und immer in Geld ausbezahlt wird. Und gerade hier gibt es oft Streit. Schließlich werden oft auch Immobilien und Sachwerte vererbt, die für die Höhe des Pflichtteils geschätzt werden müssen. „Das kann Familien entzweien“, sagt der Erbrechtsspezialist Rechtsanwalt Dr. Thomas Fritz aus Nymphenburg. Sein Tipp: Mit Hilfe eines Anwalts im Vorfeld einen Vertrag aufsetzen und die Konditionen festlegen. „Die Parteien sollten sich gemeinsam auf einen Gutachter einigen“, sagt Dr. Fritz. Wenn dessen Schätzung angezweifelt wird, kann ein zweiter Gutachter beauftragt werden. 

Gehen die Werte stark auseinander, kann beim Präsidenten der Vertriebs- und Handelskammer ein Obergutachter bestellt werden. „Das alles kann im Vorfeld festgelegt werden - auch im Testament selbst“, sagt Fritz. Unklare Formulierungen können im Nachhinein zu Streit führen. „Die Klarheit des Testaments ist fundamental“, weiß der Experte. „Wenn die Kinder sich streiten, liegt der Schuldige schon unter der Erde.“ Hilfe beim Erstellen eines Testaments bieten auch Onlinedienste wie Afilio, SmartLaw oder auch DasRecht. Mit Hilfe von digitalen Fragebögen wird festgelegt, wer als Erbe eingesetzt wird oder ob ein Testamentsvollstrecker den Nachlass verwalten soll.

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