Verpennter Haftbefehl 

Fataler Fehler der Staatsanwaltschaft Duisburg im Hilfspfleger-Skandal?

Die Staatsanwaltschaft Duisburg prüft, ob ihnen ein Fehler im Hilfspfleger-Fall unterlaufen ist. Sie stellten damals keinen Antrag auf einen Haftbefehl. 

Update vom 15.03.2018 - 14:36 Uhr:

Ein polnischer Hilfspfleger steht in München unter Mordverdacht. Bei früheren Ermittlungen in NRW hat es möglicherweise eine Panne gegeben. Die Duisburger Staatsanwaltschaft will nach einer Prüfung im eigenen Haus Fehler nicht ausschließen. Sie zieht Konsequenzen.

München/Duisburg - Im Fall der Ermittlungen zu dem in München unter Mordverdacht stehenden polnischen Hilfspfleger hält die Staatsanwaltschaft Duisburg eigene Fehler für möglich. 

Antrag auf Haftbefehl verschlafen 

Die Duisburger hatten 2017 im Fall eines pflegebedürftigen Mülheimers ermittelt, der zwei Monate, nachdem der Pole ihn gepflegt hatte, starb. Der Mann war mit Unterzuckerung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Auch nachdem die Münchner Staatsanwaltschaft die Kollegen im Ruhrgebiet auf einen ähnlichen Fall im bayerischen Weilheim aufmerksam gemacht hatte, stellte die Duisburger Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Haftbefehl.

Duisburger leiten Prüfung ein - Fehler kann nicht ausgeschlossen werden

„Nach dem Ergebnis der Prüfung durch die hiesige Behördenleitung kann eine fehlerhafte Sachbehandlung der für das Verfahren zuständig gewesenen Staatsanwältin nicht ausgeschlossen werden“, teilte die Behörde am Donnerstag auf Anfrage mit. Sie bittet jetzt die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf um eine unabhängige Prüfung durch eine andere Staatsanwaltschaft.

Der 36 Jahre alte Pole wird mit mehreren ungeklärten Fällen in ganz Deutschland in Verbindung gebracht. Festgenommen wurde der Mann im Februar, nachdem er einen 87-Jährigen in Ottobrunn bei München mit Insulin getötet haben soll. Dazu hat der Verdächtige ein Geständnis abgelegt. Die Münchner haben inzwischen die gesamten Ermittlungen an sich gezogen.

Artikel vom 15.03.2018 - 12:54 Uhr

Hat der Todespfleger zehn weitere Senioren auf dem Gewissen?

München - Im Fall des inhaftierten und unter Mordverdacht stehenden Hilfspflegers prüft die Münchner Staatsanwaltschaft I bundesweit in zehn weiteren Todesfällen einen Zusammenhang. „Es gibt schon in einigen Fällen Auffälligkeiten, denen jetzt nachgegangen wird“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I am Donnerstag. 

Fall um den Todes-Pfleger nun auch im Fernsehen?

Zwei Leichen seien bereits exhumiert worden. Bisher seien insgesamt 49 Orte gemeldet worden, an denen der Hilfspfleger gearbeitet haben soll. Ins Auge gefasst sei auch eine Zusammenarbeit mit der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“, um weitere Hinweise zu bekommen.

Eiskalter Mord mit persönlichem Profit

Der 36-jährige Pole soll in Ottobrunn bei München einen 87-jährigen Pflegebedürftigen mit Insulin getötet haben. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten deutschlandweit um Hinweise zu anderen Aufenthalts- und Beschäftigungsorten des Hilfspflegers gebeten. Nach seiner Festnahme hatte die Polizei bei dem Beschuldigten zwei EC-Karten des Ottobrunner Toten samt Geheimnummern gefunden.

Ermittlungen in weiteren Fällen

Bei mehreren der zehn Todesfälle gebe es Anzeichen einer extremen Unterzuckerung, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft I, Hans Kornprobst, ohne eine konkrete Anzahl zu nennen. Deshalb werde wegen des Verdachts eines versuchten oder vollendeten Tötungsdelikts ermittelt. „Es gibt auch mehrere Fälle, in denen es keine gesundheitlichen Auffälligkeiten gibt, aber wegen Diebstahls ermittelt wird.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Volker Hartmann

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