Kommentar

Kein neuer Wiesn-Zaun: Ein unwürdiges Schauspiel

  • schließen

München - Gegen den Rat der Polizei hat der Münchner Stadtrat einen kurzfristig ausrollbaren, zusätzlichen Wiesn-Zaun abgelehnt. Ein unwürdiges Schauspiel, kommentiert Merkur-Redakteur Felix Müller.

Parteienstreit ist wichtig. Er kann Politik unterhaltsam machen. Und er ist für eine Demokratie unerlässlich, schließlich muss der Wähler Konzepte erkennen können, zwischen denen er sich entscheidet. Doch es gibt Themen, die eignen sich nicht für diese Art der Auseinandersetzung. Eines dieser Themen ist die Sicherheit auf der Wiesn. Die Zeiten sind zu ernst, als dass man mit ihr spielen sollte. Was am Dienstag im Münchner Rathaus aufgeführt wurde, war ein unwürdiges Schauspiel.

Einen neuen Zaun an der Theresienwiese zu fordern, war nicht populistisch. Im Gegenteil: Viele Münchner hätten erst einmal ein ungutes Gefühl bekommen. Der Plan von Wiesn-Chef Schmid war aber wohldurchdacht. Es ging nur um eine kurzfristige Sperre an der Hangkante, über die in Überfüllungssituationen zuletzt so viele Menschen weiter aufs Gelände geströmt waren. Deshalb haben Polizei und Sicherheitsexperten das Anliegen unterstützt, um Besucherströme umzuleiten und abzufedern. Bis zuletzt hatte sich auch der neue Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle, ein SPD-Mann, offen für die Idee gezeigt. Am Dienstag nun lehnte der oberste städtische Ordnungspolitiker den Zaun plötzlich ab, überlegte öffentlich, ob er nicht auch zur Falle werden könnte. Das Sicherheitskonzept wurde nun einfach ohne den letzten Schritt beschlossen. Man könnte sagen: Der Plan endet allen Warnungen zum Trotz dann, wenn es auf der Theresienwiese wirklich ernst zu werden droht.

Bleibt zu hoffen, dass es trotzdem auch an den Wochenenden zu keinem gefährlichen Gedränge kommt (von der terroristischen Gefahr ganz zu schweigen). Und, dass es dem Münchner Rathaus in Zukunft gelingt, den Eindruck zu vermeiden, man spiele parteipolitische Spielchen auch dort, wo man einfach auf die Experten hören sollte.

Rubriklistenbild: © Haag

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schüler schaffen Amoklauf-Opfern ein filmisches Denkmal
Die Stadt versuchte noch, sich aus dem Klammergriff des Traumas zu befreien – da reifte in einer Gruppe von sieben Schülern bereits die Idee, den Toten des Amoklaufs ein …
Schüler schaffen Amoklauf-Opfern ein filmisches Denkmal
Münchenstift eröffnet neue Tagespflege
Rund 26 000 Menschen in München sind pflegebedürftig. Mehr als 70 Prozent werden daheim versorgt.  Um die Angehörigen zu unterstützen, hat der städtische Altenheimträger …
Münchenstift eröffnet neue Tagespflege
Feilschen um die Zukunft des Großmarkts
Am kommenden Mittwoch soll der Stadtrat über die Zukunft des Großmarkts in Sendling entscheiden. Doch weniger als eine Woche vor der Sitzung herrscht noch immer …
Feilschen um die Zukunft des Großmarkts
Aus Frust: „Beppo“ Brem wirft als Grünen-Vorsitzender hin
Hermann "Beppo" Brem ist als Vorsitzender des Kreisverbands München der bayerischen Grünen zurückgetreten. Dafür führt er persönliche und berufliche Gründe an. 
Aus Frust: „Beppo“ Brem wirft als Grünen-Vorsitzender hin

Kommentare