Er lockte sie unter einem Vorwand

Kind (11) fast erwürgt: Obdachloser legt Teilgeständnis ab

Er würgte ein Mädchen bewusstlos und ging mit einer Steinplatte auf einen Mann los. Beim Prozessauftakt am Montag entschuldigte sich der Angeklagte bei den Opfern.

München - Mit einem Teilgeständnis hat der Münchner Prozess gegen einen Mann begonnen, der eine Elfjährige bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben soll. Der 27 Jahre alte Angeklagte entschuldigte sich am Montag bei dem Mädchen und bei einem Mann, den er mit einer schweren Steinplatte blutig geschlagen hatte. Er habe in beiden Fällen niemanden töten wollen, beteuerte der Obdachlose in einer Erklärung, die sein Anwalt vor dem Landgericht vortrug. An den Angriff auf das Mädchen könne er sich nur noch undeutlich erinnern. Er sei betrunken und bekifft gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem obdachlosen Angeklagten vor, das Mädchen im August 2016 unter einem Vorwand zu sich gelockt und in den Schwitzkasten genommen zu haben. Das Kind war gerade mit seinem Hund Gassi gegangen, als der Angeklagte behauptet haben soll, hinter Büschen liege ein verletzter Kollege. Er band den Hund mit der Leine an einem Baum fest.

Obdachloser Täter ist polizeibekannt

Als die Elfjährige jedoch ihre Mutter zu Hilfe holen wollte und sich umdrehte, packte der Mann laut Anklage zu. Das Kind wehrte sich und schrie, verlor jedoch im Würgegriff das Bewusstsein. Als Zeugen auftauchten, habe der Pole von dem Kind abgelassen - sei aber davon ausgegangen, dass die Elfjährige tot sei. Diese kam jedoch wieder zu sich.

Die Anklagebehörde geht davon aus, dass der Mann Aggressionen an einem willkürlich ausgewählten Opfer ausleben wollte. Der 27-Jährige ist polizeibekannt, lebt seit geraumer Zeit in München ohne Obdach und Perspektive - und besorgte sich bei Ladendiebstählen Alkohol. Bei der Tat an dem Mädchen sei er heimtückisch vorgegangen.

Mann mit Steinplatte fast getötet

Zu fassen bekam die Polizei ihn aber erst Tage später - und das rein zufällig. Streifenbeamte sahen, wie der Obdachlose einem anderen betrunkenen Mann im Streit eine 5,1 Kilogramm schwere, 32 mal 19,3 Zentimeter große Steinplatte gegen den Kopf schlug. Er traf das Opfer zwar nicht mit voller Wucht, versuchte aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber, den Mann zu töten. Die Anklage in dem Fall lautet deshalb unter anderem auf versuchten Totschlag.

Nach kurzer Verfolgung nahmen die Polizisten den Angeklagten fest. Er sitzt seit Anfang September 2016 in Untersuchungshaft. Das Gericht hat bisher insgesamt zehn Verhandlungstage angesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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