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Erst 2030? Die Grünen zweifeln am Zeitplan für den Bau der zweiten Stammstrecke. 

Grüne zweifeln am Zeitplan 

S-Bahn-Schock: Kommt die zweite Stammstrecke in München vier Jahre später?

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Die Grünen legen bei der Diskussion um die Umplanung der zweiten Stammstrecke nach. Wegen neuer Genehmigungsverfahren verschiebe sich der Termin der Inbetriebnahme um mindestens vier Jahre. Die Bahn dementiert das.

München - Martin Runge formuliert gerne deftig. Wegen „krachender Planungsfehler“ bei der zweiten Stammstrecke verlangte der Grünen-Landtagsabgeordnete gestern den Baustopp. Aufwand und Kosten, so sagt Runge, stünden „in keinem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen“.

Runge ist seit eh und je strikter Gegner der Röhre. Die aufgedeckte Umplanung, die die Bahn klammheimlich betreibt, ist Wasser auf seine Mühlen. Wie berichtet muss der unterirdische Bahnsteig der Haltestelle „Hauptbahnhof/Bahnhofsplatz“ um 80 Meter nach Westen rücken, damit er nicht genau unter dem Bahnhof der U1/U2 liegt.

Bau der zweiten Stammstrecke: Bahn dementiert Vorwürfe

Nach einem auf Betreiben Runges von der Grünen-Fraktion in Auftrag gegebenen Gutachten ändert sich dadurch aber so ziemlich alles. Brandschutzkonzept, Fluchtwege, Rolltreppen-Einbau – all das ist nun anders zu planen, so meint Martin Vieregg, ein bekannter bahnkritischer Gutachter, der schon oft Planungen des Konzerns hinterfragt hat. Es müssten „zwingend ein neues Brandschutzkonzept erstellt“ und neue Simulationen zur Rauchausbreitung und den Personenbewegungen durchgeführt werden.

 Da der Ausgang zur Schützenstraße im Osten wegfalle, habe die Bahn nun ein Problem: Ein wichtiger Fluchtweg fehle. Deshalb müsse der Nukleus – das zentrale Zugangsbauwerk – um weitere Treppen ergänzt werden. Insgesamt seien 73 statt der bisher 38 geplanten Rolltreppen notwendig, hat Vieregg errechnet. Die Bahn bestätigt das nicht: „Durch eine Überarbeitung des Brandschutzkonzepts verkürzen sich die Entfluchtungszeiten der Station“, betont eine Sprecherin. Die Anzahl neuer Rolltreppen könne sie nicht bestätigen. „Die Details werden wir vorstellen, wenn diese spruchreif sind.“

Inbetriebnahme der Stammstrecke erst zwischen 2030 und 2032? 

Weiter geht Vieregg aufgrund der Umplanung von einer sogenannten Tektur, einem vereinfachten Planfeststellungsverfahren, aus, das nun notwendig sei. Das fresse Zeit, sagt Vieregg. Die Verzögerung könne vier bis sechs Jahre betragen. „Bei den bislang unterstellten acht Jahren Bauzeit würde dann eine Inbetriebnahme zwischen Herbst 2030 und Frühjahr 2032 möglich“, heißt es in Viereggs Gutachten. Auch das dementiert die Bahn: Der Zeitpunkt Ende 2026 stehe nach wie vor.

Indes nimmt die Kritik zu. Auch die Freien Wähler äußerten sich gestern erstmals. Er halte das Vorgehen der Staatsregierung und der Bahn „in Teilen für höchst unseriös“, erklärte FW-Generalsekretär Michael Piazolo. Klarheit über Umplanungen und Kosten müsse noch vor der Landtagswahl her.

Lesen Sie auch: 2. Stammstrecke - So schlimm ist die Fehlplanung der Bahn

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