Mietmarkt

Makler in München kassieren weiter ab

München - Obwohl das Gesetz es seit Mitte 2015 anders vorschreibt, versuchen manche Makler, ihre Gebühren vom Mieter einzutreiben. Ihnen droht ein hohes Bußgeld, aber die meisten Verstöße bleiben ungesühnt.

Eine zweifelnde Frau meldete sich kürzlich beim Mieterverein. Sie interessierte sich für eine Mietwohnung, die sie im Internet entdeckt hatte. Es kam ihr komisch vor, dass der Makler sie per E-Mail gebeten hatte, für den Besichtigungstermin einen Vermittlungsvertrag zu unterschreiben. Dabei hatte sie den Makler doch gar nicht beauftragt. Mit der Unterschrift wäre sie aber zur Auftraggeberin geworden und hätte – wenn sie die Wohnung bekommt – Maklergebühren zahlen müssen. War das rechtens?

Anja Franz, Pressesprecherin beim Mieterverein München e.V., bestätigt die Bedenken der Frau: „Das verstößt eindeutig gegen das Gesetz. Im Wohnungsvermittlungsgesetz (WoVermittG) steht, dass die Vorgehensweise des Maklers unzulässig ist. Denn die E-Mail des Maklers beweist eindeutig, dass zuvor der Wohnungsinhaber ihn damit beauftragt haben muss, einen passenden Mieter zu finden. Also müsste der Vermieter die Maklergebühren bezahlen.“ Der Mieterverein München empfahl der Frau, den Vertrag nicht zu unterschreiben. Die Frau verzichtete auf einen Besichtigungstermin und sucht nun weiter. „Drei Personen haben sich bei uns in den letzten drei Monaten gemeldet, um sich bei einer ähnlichen Sachlage beraten zu lassen. Wir gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher liegt und viele Makler weiterhin von Mietern auf dem hart umkämpften Mietmarkt in München kassieren“, sagt Franz.

Nur wenige Mieter werden aktiv, wenn Makler sich nicht ans Gesetz hält

Was die wenigsten wissen: Theoretisch hätte die Frau den Makler beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) melden können. Gemäß §8 WoVermittG droht dann ein empfindliches Bußgeld. „Bis zu 25 000 Euro werden fällig, falls der potenzielle Mieter nachweisen kann, dass der Makler versucht, die Gebühren statt vom Vermieter vom Mieter zu kassieren“, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Doch die meisten scheuen wohl den Aufwand. Das KVR bestätigt, dass derzeit nur ein einziges Verfahren gegen einen Makler läuft, der ähnlich unrechtmäßig vorging.

Sogar nach Abschluss des Mietvertrages könnte der Mieter theoretisch aktiv werden. „Auch wenn der Mieter die Wohnung bekommt und den Makler bereits bezahlt hat, obwohl er ihn nicht bestellte, kann er die bezahlte Summe zurückverlangen“, sagt Franz. Doch auch hier vermutet sie, dass sich die meisten Mieter scheuen. „Ich denke, auch hier ist die Hemmschwelle groß. Ein Mieter will ja das Mietverhältnis nicht mit einem Rechtsstreit beginnen, der irgendwann beim Vermieter landet, weil der Makler seine Gebühren nun vom Wohnungsinhaber verlangt“, sagt Franz.

Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland Süd (IVD) hält das Bestellerprinzip, das der Gesetzgeber der Branche verordnet hat, für sachlich falsch. Er findet aber, dass sich der Makler-Kollege in München natürlich an die Gesetze halten sollte: „Es sind Einzelfälle. Wir fordern von unseren Mitgliedern, sich immer an geltende Regeln zu halten.“ Doch Kippes kritisiert, dass man die neuen Gesetze auch fairer hätte gestalten können. „Es hätte nichts dagegen gesprochen, festzulegen, dass Mieter und Vermieter sich die Maklerprovision teilen“, sagt er.

Mehrere Immobilienunternehmen haben gegen das Gesetz Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Hüseyin Ince

Rubriklistenbild: © dpa

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