Gemeinsam gegen die Probleme in ihrem Zuhause treten die Eigentümer im Arabellapark an. Sie fordern ein Ende der Kurzzeit-Vermietungen, die den Münchnern Wohnraum rauben – als Signal für die ganze Stadt.

Medizin-Tourismus im Arabellapark

„Da kann man kein Fenster öffnen“

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München - Viele Anwohner am Arabellapark fühlen sich nicht mehr wohl, müssen sich aber gedulden – das Gericht hat die Entscheidung zum Medizin-Tourismus in ihrer Anlage vertagt. Gegen den mutmaßlichen Vermittler der Wohnungen läuft noch ein anderes Verfahren. Doch da sieht es offenbar schlecht für ihn aus.

Der kleine Raum ist voll. Mehr als zwei Dutzend Anwohner, Eigentümer und Journalisten drängen sich im Saal 105 des Landgerichts I. Auf der Klägerseite sitzt Manuela Andrasch (Name geändert), Eigentümerin einer Wohnung an der Elektrastraße. Auf der Gegenseite: Harun Aziz (Name geändert), der dafür gesorgt haben soll, dass sich Andrasch und viele andere Arabellapark-Bewohner in ihrem Zuhause nicht mehr wohl fühlen.

Der Vorwurf: Aziz soll im Arabellapark Wohnungen an Medizin-Touristen vermitteln (wir berichteten). Sie kommen vor allem aus den arabischen Emiraten, oft mit der ganzen Familie. Sie bleiben wenige Wochen, dann kommen die nächsten Patienten. Die Anwohner kämpfen immer mit den gleichen Problemen: Müll, Lärm, Weihrauch, Unsicherheit. Niemand weiß genau, wer in den Wohnungen lebt, es herrscht ein anonymes Kommen und Gehen.

Andrasch und ihre Anwälte hatten Aziz in der Klage vorgeworfen, die Wohnung „als Pensionsbetrieb für Patienten zu nutzen und zu vermieten“. Aziz hingegen gab an, die Wohnung immer mindestens für drei Monate zu vermieten – von einem Beherbergungsbetrieb könne keine Rede sein, es gebe keine hotelähnlichen Leistungen.

Doch an diesem Freitag fällt ohnehin keine Entscheidung. Richterin Kristina Frank, die auch für die CSU im Stadtrat sitzt, setzt das Verfahren aus. Sie will auf das Ergebnis des Zweckentfremdungsverfahrens warten, das gegen Aziz derzeit läuft. Erst dann wird der Prozess fortgesetzt.

Nach der kurzen Verhandlung zeigt sich Klägerin Andrasch enttäuscht. „Jetzt kommen wir auf dem Boden der Realität an“, sagt sie. Aziz’ Verteidigung findet Andrasch wenig glaubwürdig: „Im Schnitt kommen einmal im Monat neue Patienten in die Wohnung, nicht alle drei Monate“, sagt sie. Außerdem kämen regelmäßig Reinigungsdienste, der Betrieb sei also durchaus hotelähnlich. Und wenn Wohnungen als Hotelbetrieb genutzt werden, stehen sie den Münchnern nicht mehr zur Verfügung. „Das betrifft nicht nur mich, sondern viele Münchner“, sagt Andrasch.

Unmittelbar betroffen sind die vielen anderen Anwohner und Eigentümer im Arabellapark. „Bei uns gehen viele Hinweise zu Lärm- und Geruchsbelästigung ein“, sagt Marcus Pfeffer von der Hausverwaltung. Er selbst habe den Weihrauch schon gerochen, der schlage sehr auf den Magen. „Da kann man kein Fenster aufmachen“, so Pfeffer. Das Problem wächst: Etwa 25 der insgesamt 250 Wohnungen der Anlage, schätzt Pfeffer, gehörten bereits arabischen Investoren. Vermittler wie Aziz sprächen gezielt Menschen an, deren Wohnung frei wird.

Grundsätzlich sieht es für den mutmaßlichen Vermittler Aziz nicht gut aus. Das Sozialreferat gibt zwar keine Informationen zu laufenden Verfahren heraus. Nach Informationen unserer Zeitung jedoch hat Aziz das Zweckentfremdungsverfahren verloren und die Entscheidung nun angefochten. Wie lange es bis zum endgültigen Ergebnis dauert, ist unklar – ein Dreivierteljahr gilt als realistisch. Aziz hat offenbar bereits mehrere andere Verfahren wegen Zweckentfremdung verloren, unter anderem soll er der Bayerischen Hausbau bekannt sein. „Wir möchten das nicht kommentieren“, hieß es dort am Freitag.

Um den Druck zu erhöhen, wollen Andraschs Anwälte derweil die Klage ausweiten. Immer wieder, erzählt Andrasch, sei sie von Aziz bedroht worden. Und nicht nur das: Zwei Zeugen hatte Andrasch für den Prozess benannt, beide Eigentümer im Arabellapark. Als die beiden am 6. Dezember ihren Briefkasten öffneten, fanden sie darin Fotos von Enthauptungen. Fotos, wie sie die Terrororganisation „Islamischer Staat“ als Propaganda nutzt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, einen Zusammenhang mit Aziz kann freilich niemand beweisen.

Vielleicht hat sich das Problem mit Aziz aber sowieso bald erledigt. Sein Mietvertrag für die Wohnung bei Andrasch läuft offenbar im April aus. Andrasch geht es aber gar nicht nur um das eigene Befinden. Sondern darum, dass den Münchnern Wohnraum weggenommen wird. Es geht ums Prinzip.

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