Kommentar von Felix Müller

Islamzentrum: Moschee mit Promi-Unterstützung

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Imam Benjamin Idriz hat mit vielen guten Argumenten Unterstützer um sich gesammelt. Aber am Geld könnte es immer noch scheitern. Manchem im Rathaus käme das gar nicht so ungelegen, kommentiert Merkur-Redakteur Felix Müller.

Juden, Christen, Atheisten – Politiker, Professoren, Theatermacher: Imam Idriz hat viele Menschenfür ein Islamzentrum in München begeistert. Und das mit guten Argumenten. Idriz kann auch jene Münchner überzeugen, die Sorge haben vor islamistischer Gewalt, vor Parallelgesellschaften, vor jenen, die sich nicht für deutsche Sprache und Kultur interessieren. Wer von Muslimen fordert, sie müssten ihren Beitrag leisten zur Integration, der muss auch jene fördern, die genau das mustergültig umsetzen wollen. Sonst wird Kritik unglaubwürdig und kontraproduktiv.

Idriz will auf Deutsch predigen. Er schwärmt von einem europäischen Islam, will auch die Begegnung zu Christen und Juden suchen. Das ist das Gegenteil von Abschottung. Es ist das Gegenteil von Hinterhof-Moscheen, über denen der Verdacht schwebt, hier radikalisierten sich junge Muslime. Im Islamzentrum soll geflüchteten Muslimen geholfen werden, den deutschen Alltag zu verstehen – und all das von einem Standort aus, der Konsens-fähig ist. An der Dachauer Straße kann sich etwa auch der konservative CSU-Bürgermeister Josef Schmid sehr gut eine große Moschee vorstellen – anders als in der Altstadt.

Idriz hat sich sehr viel vorgenommen. Vielleicht zu viel. Einst hieß es, man brauche ein Grundstück, um einen Großspender überzeugen zu können. Dann hieß es, man brauche einen Architektenentwurf. Beides liegt nun seit fast einem Jahr vor. Einen Geldgeber gibt es nicht – dafür aber offenbar die endgültige Absage des umstrittenen Staates Katar. Und so kann es immer noch sein, dass Idriz scheitert. Zur Wahrheit gehört, dass das mancher im Rathaus gar nicht so schlimm fände. Man könnte auf elegante Art eine Diskussion – die man nie so recht zulassen wollte – auf viele, viele Jahre beenden: die mit den vielen Münchnern, die aus ganz verschiedenen Gründen keine große Moschee wollen. Sie mit all den guten Argumenten zu überzeugen, das wäre für Ude und Co aber auch dann noch eine mühsame, langwierige Aufgabe, wenn das Geld tatsächlich zusammenkommen sollte.

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