München 2040 - Die Stadt der Zukunft

Was wird aus Büro und Co.? So arbeiten wir in 20 Jahren

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Wo steht München 2040? In unserer Serie beleuchten wir diese Fragen. Diesmal geht es darum, wir der Arbeitsalltag künftig aussehen wird.

München - München, die Weltstadt mit Herz. Die Isarmetropole ist beliebt, immer mehr Menschen ziehen in die Landeshauptstadt. Allein bis zum Jahr 2030 sollen hier schon 1,85 Millionen ­Menschen leben – und vor allem auch arbeiten. Wie das dann aussehen kann? Das ­beleuchtet der heutige Teil unserer großen Serie Stadt der Zukunft.

Die Visionen der Konzerne

Alles wird anders durch die Digitalisierung, auch unsere Arbeit. Man nennt das „die vierte industrielle Revolution“ - und sie findet maßgeblich in München statt. So hat der Computer-Riese IBM sein weltweit erstes Hauptquartier außerhalb der USA in München eröffnet, nämlich in den HighLight Towers am Mittleren Ring. Bei IBM Watson sollen langfristig 1000 Mitarbeiter die Möglichkeiten vernetzter Geräte erforschen.

Der Münchner Platzhirsch Siemens ist auch einer der Treiber der digitalen Revolution, und im neuen InsureTec-Hub geht’s um die Digitalisierung der Versicherungsbranche. Dank BMW bleibt auch die Auto-Industrie eine prägende Branche der Stadt. Außerdem gibt’s einen Haufen Start-Ups.

IBM sitzt in den HighlightTowers.

„Arbeiten, wann und wo man will, wird noch extremer“

„2040 wird die Technik noch weiter vorangeschritten sein. Arbeiten, wann und wo man will, wird noch extremer möglich sein“, sagt Bastian Bauer. Er ist der Deutschland-Chef von Mindspace - sein Unternehmen bietet moderne Büroflächen an.

Und Klaus Bengler, Professor für Ergonomie an der TU, sagt: „Gerade das kooperative Zusammenwirken gut gestalteter smarter Maschinen und kreativer Menschen kann neue Lebens- und Arbeitsweisen ermöglichen, die ähnliche Horizonte eröffnen wie die Entwicklung vom Telefon zum Smartphone oder der Kutsche zum Automobil.“

Das plant der Bürgermeister

Wirtschaftsbürgermeister Josef Schmid (48, CSU) weiß, dass die Digitalisierung auch Einzug im produzierenden Gewerbe hält. „Da steht der Arbeiter beispielsweise nicht mehr an der Fräse, sondern überwacht mit einem Tablet sechs automatische Fräsen.“ Daher würden Fort- und Weiterbildung immer wichtiger.

Auch die Stadt muss sich weiterbilden - etwa bei der Münchner Beschäftigungskonferenz. „Dort haben sich Menschen aus dem Bereich der Wirtschaft, der Gewerkschaft und der Wissenschaft getroffen, die sich alle intensiv mit dem Arbeitsleben von morgen befassen. Ich habe für mich das Resümee daraus gezogen, dass es deutlich mehr Chancen gibt. Das Allerwichtigste ist Bildung, Bildung und noch mal Bildung.“

Kein Vorbeikommen an Sockelarbeitslosigkeit

An einer Sockelarbeitslosigkeit werde man aber grundsätzlich nicht vorbeikommen, da es immer Menschen gibt, die aus psychischen oder körperlichen Gründen nicht im klassischen Sinne arbeiten können. „Dass diese nicht abgehängt werden, dafür müssen wir weiter Sorge tragen.“ Etwa mit dem dritten Arbeitsmarkt…

Auch die Stadt treibt die Digitalisierung voran. Es gibt mehrere sogenannte „Hubs“, also Digitalisierungszentren in München: einen InsureTech Hub sowie einen Mobility Hub mit BMW und Siemens. „In letzterem können wir zeigen, wie wir uns Digitalisierung im Bereich der Mobilität vorstellen. Beide Hubs begleiten wir intensiv, weil im Wandel dieser Branchen die Arbeitsplätze von Morgen geschaffen werden, etwa in den Bereichen künstliche Intelligenz und Internet of Things.“

Bürgermeister Josef Schmid (r.) besucht MAN.

„Brauchen auch Platz für Gewerbe und ausreichend Grünflächen“

Klar: Die größte Herausforderung ist der Wohnungsmarkt. Aber: „Wir können nicht einfach Wohnungen um jeden Preis bauen. Ich habe schon öfter darauf hingewiesen, dass wir in München auch noch Platz für Gewerbe und ausreichend Grünflächen brauchen. Diese Balance ist wichtig für die Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität unserer Stadt.“ Auch beim Gewerbe gilt daher: mehr in die Höhe bauen! Beispiel MAN: „Mich hat der Lastenaufzug sehr beeindruckt. Der kann schwere Lastwagen und Busse bis in den siebten Stock heben.“

Eine Rolle werden auch Modelle wie Coworking Spaces spielen. „Wir haben da etwa das Munich Urban Colab im Kreativquartier. Dort können sich Start-Ups ausprobieren, weil sich nicht jeder einen 3D-Drucker leisten kann. Es ist auch ganz wichtig, dass wir solche Möglichkeiten in Zeiten haben, in denen Ideen schnell entwickelt werden. Solche Coworking Spaces, aber auch alle Arten von Büroflächen, in die ich mich kurzfristig einmieten kann, sind die Zukunft.“

Stadt braucht Spezialisten - Interview mit Personalreferent

Die Stadt München beschäftigt rund 38.400 Mitarbeiter. Und der Bedarf steigt mit der wachsenden Stadt weiter. Das weiß Personalreferent Alexander Dietrich (42, CSU).

Herr Dietrich, die Suche nach Personal wird nicht leichter. Welche Stellen sind offen?

Alexander Dietrich: Wir haben Probleme, im Spezialistenbereich Personal zu finden. Ingenieure, Ärztinnen, IT-Fachleute, aber auch Juristen. Die verdienen bei uns deutlich weniger als in der freien Wirtschaft.

Wie wächst die Verwaltung? ist die Stadt gut aufgestellt für die Zukunft?

Dietrich: Wir werden es gar nicht schaffen, die Aufgaben zu bewältigen, wenn wir uns nicht der Digitalisierung bedienen. Wir werden künftig gar nicht mehr das Personal finden. Daher glaube ich auch nicht, dass die Verwaltung proportional mit der Bevölkerung wachsen wird. Und was ganz wichtig ist, ist dass wir die Arbeitszeiterfassung umstellen. Denn wir arbeiten bei der Stadt immer noch mit Stempelkarten. Die Umstellung ist komplex, weil wir an die 800 Standorte im Stadtgebiet haben, zum Teil auch kleine Liegenschaften. Aber ich kann nicht sagen, ich präsentiere mich als digitalisierter Arbeitgeber und drücke dem neuen Mitarbeiter eine Stempelkarte in die Hand und einen Bleistift, damit er Korrekturen vornehmen kann.

Sieht vor allem einen Mangel an Spezialisten: Personalreferent Alexander Dietrich.

Arbeitsräume sind auch ein Zukunftsthema. Wie stellt sich die Stadt da auf? Spielen Coworking Spaces eine Rolle?

Dietrich: Wie das Arbeiten 2040 aussieht, kann heute keiner wirklich voraussagen. Aber auch die Stadt hat Probleme, ihre Mitarbeiter alle unterzubringen. Vor Kurzem haben wir uns eine Verwaltung in Rotterdam angesehen. Dort sparen sie 40 Prozent der Büroflächen ein, weil ohnehin nie die ganze Belegschaft auf einmal anwesend ist: Homeoffice, Krankheit, Urlaub oder Teilzeit. Daher müssen wir uns auch damit beschäftigen. Das ist ein großes Zukunftsthema.

Sascha Karowski, Marc Kniepkamp

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Rubriklistenbild: © obs / Freudenberg und Co. KG / Marco Schilling für Freudenberg

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