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Verbreiteten Angst und Schrecken besonders bei früheren Generationen: Der Krampus und Knecht Ruprecht (rechts). Der Nikolaus (Mitte) ist „der Gute“. 

Nicht mehr zeitgemäß? 

Knecht Ruprecht und Krampus schaden Kindern, sagen Psychologen und Religionslehrer

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  • Mina Novalic
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Jedes Jahr warten die Kinder am 6. Dezember gespannt auf den Nikolaus. Er und sein Begleiter Knecht Ruprecht haben aber nicht immer Lob und Geschenke dabei. Wie schlimm wirkt sich das auf die Kinder aus?

München - Für viele Familien und vor allem für die Kinder ist der 6. Dezember ein ganz besonderer Tag: Es ist der Auftakt in die besinnliche, weihnachtliche Zeit. Wenn der Nikolaus am 6. Dezember oder am Vorabend die Familien besucht oder auch nur eine Kleinigkeit in die frisch geputzten Schuhe steckt, ist die Freude groß. 

Düstere Erinnerungen aus Kindheitstagen

Doch viele Erwachsene werden sich auch noch an eine andere Seite erinnern, an das Düstere: Früher kam der Heilige Nikolaus meist nicht alleine. Er hatte einen Begleiter an seiner Seite, der jedem Kind das Schrecken lernte: Knecht Ruprecht. Während der Nikolaus alle Jahre wieder noch immer die braven Kinder belohnt, kommt Knecht Ruprecht, in Bayern auch als Krampus bekannt, von Jahr zu Jahr seltener aus dem Walde heraus. In den meisten Köpfen ist er nur noch eine blasse Erinnerung an längst vergangene Kindertage.

Traumatische Begegnungen

Doch woher kommt es, dass der Nikolaus die ganze Arbeit alleine machen muss? Vermehrt spricht man, wenn es um das Schicksal von Knecht Ruprecht geht, um ein „Opfer der Pädagogik“. Denn erzieherisch werden die Methoden des bestrafenden Krampus nicht mehr als zeitgemäß angesehen. Kinder die unartig waren, mussten sich vor der Schreckgestalt fürchten: Seine Rute und seinen Sack immer parat, drohte er ihnen, sie zu verprügeln, in den Sack zu stecken oder sogar aufzuessen. 

Den sonst frechen Kindern verschlug es dann immer schnell die Sprache. Sie suchten Schutz bei den Eltern und versprachen mit zittriger Stimme, ihr Verhalten zu ändern und von diesem Zeitpunkt an immer ganz brav zu sein. Zarte Seelen brauchten oft länger, um den Hausbesuch zu verarbeiten. 

Auch der Krampus, die alpine Version des Nikolaus-Begleiters, sei eine Horrorgestalt, meint Kinderpsychologe Dietrich Schultz. „Für viele Kinder ist eine Begegnung mit dem Krampus traumatisch.“ Betroffene hätten auch Jahre später noch „gewaltige Ängste“.

„Warst Du auch schön brav?“

Heutzutage übernimmt der Heilige Nikolaus überwiegend beide Parts, den des Guten sowie des Bösen. „Warst Du dieses Jahr auch schön brav?“, fragt er dann meist bevor er aus seinem goldenen Buch vorliest, was die Kinder gut gemacht haben und an was sie noch arbeiten müssen, bis er nächstes Jahr wieder zu Besuch kommt. Die Drohungen fallen dabei weg, der Nikolaus wird meist - trotz der Kritik am Verhalten - als ein guter Heiliger angesehen.

Der Nikolaus soll heutzutage keine Angst mehr verbreiten

Inzwischen kommt der Nikolaus teilweise sogar nur noch zum Loben und Geschenke bringen. So auch in der Münchner Kindertagesstätte, in der Christina Liebknecht (Name von der Redaktion geändert) arbeitet. Sie hat unserer Redaktion erzählt, wie der 6. Dezember dort abläuft. 

Der Nikolaus kommt und liest nur Positives aus seinem goldenen Buch vor. „Er kam bei uns schon immer alleine. Es hat bei uns noch nie einen Krampus gegeben“, erzählt die Erzieherin. Es gehe darum, den Kindern die Geschichte des Nikolaus von Myra zu erzählen, der Gutes getan hat und den Menschen heimlich Geschenke gemacht hat. Dabei solle nicht mit Angst gearbeitet werden. 

„Die Werte-Vermittlung steht im Fokus. Wir wollen den Kindern zeigen, dass es wichtig ist, hilfsbereit und nett zu sein“, so Liebknecht. Den Kindern sollen die Rituale und die Geschichten dahinter näher gebracht werden.

Religionspädagoge: Fatale Folgen für das Gottesbild

Der gleichen Meinung ist auch der Religionspädagoge Albert Biesinger. Der Pädagoge schlüpft selbst immer wieder ins Nikolaus-Kostüm und besucht Kindergärten. Allerdings zieht er sein Gewand vor den Augen der Kinder an, denn er will ihnen nichts vorgaukeln: „Mein Nikolaus-Ritual ist ein heiliges Spiel. Ich will die Kinder nicht über den heiligen Nikolaus belügen, sonst halten sie am Ende den ganzen Glauben für eine Lüge“, so Biesinger gegenüber der Nachrichtenagentur dpa

Jemand, der alles über einen weiß und sich alle Missetaten notiert , kann laut dem Religionspädagogen fatale Folgen für das Gottesbild der Kinder haben. Deshalb lehnt Biesinger die Figur des Knecht Ruprecht komplett ab. „Ich finde es völlig falsch, das Nikolaus-Ritual auf diese Weise für Erziehungszwecke zu missbrauchen.“

Knecht Ruprecht kann die Eltern-Kind-Beziehung beeinträchtigen

Auch aus psychologischer Sicht ist die Figur des Knecht Ruprecht kritisch zu bewerten. Die Münchner Psychologin Katarina Kosovac ((B. Sc.) sieht dabei mehrere kritische Punkte. Indem die Kinder erst nachträglich für negatives Verhalten bestraft werden, können sie sich gegebenenfalls nicht mehr an das, was sie falsch gemacht haben, erinnern. „Dadurch bekommen sie nicht in dem Moment, in dem das Verhalten tatsächlich ausgeführt wurde, die Chance, sich zu verbessern oder es anders zu machen. Sie werden lediglich bestraft“, sagt Kosovac. 

Dazu kommt, dass diese Art von Bestrafung die Eltern-Kind-Beziehung beeinträchtigen kann: „Es ist kritisch, dass die Strafe von einer externen Person kommt, an die die Eltern ihre Kinder sozusagen verraten.“ Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Kinder durch Bestrafungen von Knecht Ruprecht oder dem Nikolaus gleichzeitig vor anderen bloßgestellt werden können. „Das kann sich negativ auf ihren Selbstwert auswirken.“

Krampus und Knecht Ruprecht dürfen nicht mehr kommen – werden unsere Kinder zu sehr verhätschelt? Diskutieren Sie mit!

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