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Mit dem ADAC Schlüsselnotdienst kommen die Gelben Engel nun zur Haustür.

Dreiste Abzocke-Fälle

Gelbe Engel an der Haustür - Ist die Schlüssel-Abzocke vorbei?

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Die Tür fällt zu – und schnell sind Hunderte oder Tausende Euro weg. Immer wieder werden Münchner Opfer von Abzockern. Das soll bald der Vergangenheit angehören – zumindest für ADAC-Mitglieder.

München - Denn die gelben Engel des Autoclubs sind künfig auch als Türöffner in der Stadt unterwegs. Zu gedeckelten Preisen. Sie schickt der Himmel!

Ab kommenden Montag können Mitglieder, die sich ausgesperrt oder ihren Schlüssel verlegt haben, im Rahmen eines Pilotprojekts schnelle Hilfe bekommen. Die Hotline des ADAC Schlüsselnotdiensts ist rund um die Uhr unter Tel. 089/76 76 55 77 erreichbar.

„Sechs unserer gelben Engel wurden speziell dafür geschult“, erklärt ADAC-Sprecher Johannes Boos. Unterstützt werden sie von Profis von ausgesuchten, vertrauenswürdigen Partnerunternehmen. Und das Beste: Los geht’s mit einem Pauschalangebot für 99 Euro zum Öffnen einer zugefallenen Wohnungstür werktags tagsüber. Der Maximalpreis soll bei 249 Euro liegen. Alle Festpreise und Konditionen finden Sie unter adac.de/schluesselnotdienst.

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Halbjährige Testphase

Gestartet wird der neue Service im Rahmen einer halbjährigen Testphase bis Ende Juli 2019 nur im Stadtgebiet von München. Sprecher Johannes Boos: „Je nachdem, wie der Dienst angenommen wird, werden wir entscheiden, ob wir den Dienst weiterführen oder gegebenenfalls ausbauen.“ Mit dem neuen Dienst erweitert der ADAC sein Angebot als Mobilitätshelfer: „Wer sich ausgesperrt hat, braucht schnelle, kompetente und seriöse Hilfe. Damit zeigen wir, dass wir überall für unsere Mitglieder als Mobilitätshelfer da sind, auch abseits der Straße“, sagt ADAC-Geschäftsführer Oliver Weissenberger.

Sogar die vermeintliche Konkurrenz vom Münchner Schlüsseldienst Kilian sieht diese Aktion positiv. „Wir seriösen Dienste freuen uns, dass damit der Ruf der gesamten Branche verbessert wird“, sagt Geschäftsführer Martin Kilian. „Auch wir begrüßen das zusätzliche Angebot“, sagt Tatjana Halm, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Für Münchner, die nicht Mitglied beim ADAC sind, hat sie einen Tipp: Die Gelben Seiten bieten auch einen eigenen, seriösen Dienst an (https://schluesseldienst.gelbeseiten.de/).

Das Problem sei hochaktuell, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale. 2018 hätten die Beschwerden über überteuerte Dienste zugenommen. „Die Beträge werden immer dramatischer, oft geht es um 1000 oder 2000 Euro. Auch die Art und Weise des Vorgehens wird immer bedrohlicher.“

Drei Fälle, bei denen Münchner von Schlüsseldiensten abgzeockt wurden

Anzeige bei der Polizei: Diese Abzocke wurde ein Fall für die Polizei: Tobias S. (27) aus Unter­schleißheim (Kreis München) hatte sich im November aus seiner ­Wohnung ausgesperrt. 2215,42 Euro verlangte der Schlüsseldienst von ihm. „Die Abgebrühtheit hat mich erschreckt“, sagt er. „Ich habe mich regelrecht bedroht gefühlt.“ Verängstigt fuhr der 27-Jährige mit dem Schlüsseldienst zur Bank, kratzte sein Geld zusammen. Da er nicht die ganze Summe hatte, gaben sich dieAbzocker mit 1970 Euro zufrieden. Am nächsten Tag erstattete er Anzeige.

Tobias S.

Ein Schließzylinder für über 1500 Euro: Sie bezahlte 1543,19 Euro – dabei bauten die Handwerker den neuen Schließzylinder nicht einmal ein: Waltraud Swizynski (85) aus Türkenfeld musste mit-ansehen, wie die Abzocker die Arbeit nicht vollenden konnten oder wollten – und sie mit der überteuerten Rechnung zurückließen. „Am nächsten Tag ging ich zu einem Fachhändler und fragte, was der Zylinder bei ihm kosten würde. Die Auskunft: 150 Euro. Verärgert wollte ich den überteuerten Zylinder zurückgeben, aber die Schlüsseldienst-Firma lehnte das ab.“

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2000 Euro wegen einer zugefallenen Tür: Die Adresse des Schlüsseldienstes hing in seiner Wohnanlage aus. Dennoch stellte der sich als Abzocker heraus: Johann Matschi (68) aus Neuhausen sollte Anfang 2018 satte 2335 Euro bezahlen, als er die Wohnung ohne Schlüssel verlässt und ein Handwerker sie schließlich ruckzuck wieder öffnet. Immerhin: Er zahlte „nur“ 2000 Euro, da dieser Betrag das Limit für seine EC-Karte war. Später stellte sich heraus: Den Schlüsseldienst betreibt eine berüchtigte Firma aus Essen. 

Johann Matschi.

Nina Bautz

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