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Bei der Berufsfeuerwehr München hält man die Forderung des Gewerkschafters für „etwas drastisch formuliert“.

Debatte über Maßnahmen

Bizarre Vorfälle: Sollten Rettungskräfte besser unter Polizeischutz stehen?

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Weil sich Einsatzkräfte im Dienst oft nicht mehr sicher fühlen, wollen sie künftig von der Polizei beschützt werden. Was die Gewerkschaft und die Berufsfeuerwehr dazu sagen.

Update von Donnerstag, 29. November: Sie sind die Helfer in der Not, doch häufig sind die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst selbst Opfer von Übergriffen oder Beleidigungen. Der Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, Siegfried Maier, fordert daher nun Polizeischutz bei bestimmten Einsätzen. An besonderen Tagen wie Silvester, bei großen Festen oder an speziellen Orten sollten Rettungskräfte geschützt werden, um Übergriffe zu vermeiden.

In diesem Jahr wurden etwa Rettungskräfte am Monopteros oder eine Notärztin in Ottobrunn attackiert. Am Hirschgarten raubten Randalierer einen Notarztwagen aus (siehe unten). Maier: „Es muss ein zentraler Meldeweg für Vorfälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst geschaffen werden.“ Die Vorfälle würden immer heftiger. Vom Bayerischen Innenministerium komme bisher aber wenig Unterstützung, kritisiert er. Der Gewerkschafter würde sich wünschen, dass Gewalt gegen Einsatzkräfte mit einer Mindeststrafe von sechs Monaten geahndet wird.

Immer häufiger sehen sich bayerische Feuerwehrleute Angriffen ausgesetzt und fordern den Schutz der Polizei.

Maier ist Mitglied der Berufsfeuerwehr München. Dort hält man die Forderung des Gewerkschafters für „etwas drastisch formuliert“. Allerdings habe jeder Vorschlag es verdient, „ergebnisoffen diskutiert zu werden“, wie Feuerwehrsprecher Klaus Heimlich erklärt. Laut Heimlich können betroffene Kollegen schon jetzt Attacken melden. „Aus diesen Rückmeldungen lässt sich keine Steigerung der Übergriffe ablesen“, sagt Heimlich.

Mehr Übergriffe auf Einsatzkräfte? Das sagt die Statistik

Das bestätigen auch Zahlen des Innenministeriums. Statistisch sei es 2017 in Bayern bei jedem 2500. Einsatz zu einer Straftat gekommen, ist auf Anfrage unserer Zeitung zu erfahren. 2017 wurden 88 

Straftaten gegen Feuerwehrkräfte registriert. „Ein dauerhafter unmittelbarer Polizeischutz bei jedem Feuerwehreinsatz wäre nicht gerechtfertigt“, erklärt ein Ministeriumssprecher. Dennoch stellt er klar: „Angriffe auf Feuerwehrleute müssen in jedem Einzelfall konsequent bestraft werden. Hier ist die ganze Härte des Rechtsstaats gefragt.“ Laut Ministerium wird die Feuerwehr von der Polizei begleitet, wenn konkrete Gefährdungshinweise vorliegen, oder bei größeren Einsätzen wie auf dem Oktoberfest. Im Übrigen habe Bayern im Vorjahr auf Bundesebene eine Strafverschärfung für tätliche Angriffe auf Einsatzkräfte angestoßen.

Unter Nachwuchssorgen leidet die Feuerwehr nach Einschätzung Heimlichs und Maiers nicht. „Die Bewerberzahlen sind nach wie vor höher als unser Bedarf an Nachwuchskräften“, so Heimlich. Gewerkschafter Maier warnt jedoch, dass sich dies ändern könnte. Zumal sich mehr als 95 Prozent der bayerischen Einsatzkräfte ehrenamtlich engagierten.

Video: Immer öfter werden Rettungskräfte angegriffen 

Feuerwehr in München: Denkwürdiger Einsatz im Hirschgarten

Peter Vorderholz hat ebenfalls denkwürdige Einsätze hinter sich. Ein Erlebnis bei der Rettung eines Herzinfarkt-Patienten im Hirschgarten treibt Maiers Kollegen heute noch um. „Fünf grölende Männer raubten hinter unserem Rücken den Notarztwagen aus, wollten ihn umkippen“, klagt der 52-Jährige.

Gewerkschafts-Mann Maier hat Fälle wie diesen gesammelt und sich mit seinen Sorgen an die Politik gewandt. Ein ganzes Jahr habe er versucht, Innenminister Joachim Herrmann sein Anliegen zu verdeutlichen. Der CSU-Politiker habe auf die Schreiben geantwortet, dass es sich „gottlob nur um Einzelfälle“ handele.

Maier gibt sich mit dieser Reaktion nicht zufrieden. „Die ducken sich weg. Wir fordern mehr Sicherheit“, sagt der Feuerwehrler entschlossen. „Polizeischutz, Geldstrafen und mindestens sechs Monate Haft ohne Bewährung“, verleiht der 48-Jährige seiner Forderung Nachdruck.

lks/kv

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