Sie hat den ersten Patienten untersucht: Oberärztin Camilla Rothe. 
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Sie hat den ersten Patienten untersucht: Oberärztin Camilla Rothe. 

Lungenkrankheit aus China

Coronavirus: Münchner Tropenmedizinerin identifizierte den Erreger - Deshalb ist der Fall besonders

  • Nadja Hoffmann
    vonNadja Hoffmann
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Das Coronavirus hat Deutschland erreicht. Tropenmedizinerin Camilla Rothe identifizierte bei dem Webasto-Mitarbeiter den Erreger. An dem Fall ist einiges ungewöhnlich.

  • Seit Montag, 27. Januar, ist klar: Das Coronavirus* hat Deutschland erreicht.
  • Der erste Coronavirus-Patient in Deutschland ist ein Mann aus Bayern, der sich bei einer Kollegin aus China angesteckt hat.
  • Tropenmedizinerin Camilla Rothe hat den Erreger bei dem 33-Jährigen identifiziert.

München-Gemeinsam mit ihrem Ärzteteam war Camilla Rothe vorbereitet. Auf den Tag X, an dem erstmals ein potenzieller Coronavirus-Patient zum Tropeninstitut geschickt würde. Als das am vergangenen Montag der Fall ist, kommt trotzdem vieles zusammen. Denn der 33-jährige Mitarbeiter von Webasto ist nicht nur der erste Betroffene in Deutschland, sondern auch ein besonderer Fall: Bei ihm wurde das Virus außerhalb von China von Mensch zu Mensch übertragen. 

Coronavirus: Für Mediziner aus der ganzen Welt ist besonders dieses Detail interessant

„Das war schon besonders für uns“, sagt die Tropenmedizinerin. Zumal die Webasto-Kollegin aus China, die Stockdorf (Landkreis Starnberg) besucht und den Mann angesteckt hatte, symptomfrei war. Gerade dieser Punkt ist für Mediziner auf der ganzen Welt sehr interessant. Sie rufen bei Rothe im Institut an der Leopoldstraße an, wollen sich mit ihr austauschen. Die Einrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität, die zu den größten der Republik gehört, liefert derzeit global wertvolle Infos zu der Lungenkrankheit. In Deutschland wurde am Freitag der siebte Patient bestätigt. „Jeder Fall“, erklärt Rothe, hilft den Medizinern weiter, das Virus und seinen Krankheitsverlauf zu verstehen.

Coronavirus: Drei der vier ersten Infizierten hatten kaum Symptome

Interessant für die 45-jährige Oberärztin, die damals auch den ersten Ebola-Fall betreut hat, ist folgender Fakt: Drei der vier ersten Betroffenen hatten fast keine, nur sehr milde Krankheitsanzeichen. Noch sei nicht absehbar, ob sich das in den nächsten Tagen ändert. 

Der erste Patient klagte erst über Halsweh und Schüttelfrost, später über Husten und hohes Fieber. Er wurde im Tropeninstitut in einen separaten Bereich gebracht, wo unter anderem über die Nase Abstriche tief aus dem Rachenraum genommen wurden. Seit Dienstag steht im Institut eine ganze Etage als ambulante Isoliereinheit zur Verfügung, um Proben zu nehmen. So wie bei dem 33-Jährigen, bei dem der Test am Montag positiv ausfiel. Für ihn ging es sofort in eine Isolierstation der Schwabinger Klinik*, mit der das Institut eng zusammenarbeitet. In dem Krankenhaus füllen sich weiter die Zimmer. 

Hier können Sie nachlesen, wie wahrscheinlich es ist, sich am Coronavirus anzustecken*.

NADJA HOFFMANN

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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