Schreiben gerade so schwarze Zahlen: Inhaberin Helena Hellmann (re.) mit ihrer Schwester Arabella vor dem Café Mucki & Floyd.
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Schreiben gerade so schwarze Zahlen: Inhaberin Helena Hellmann (re.) mit ihrer Schwester ­Arabella vor dem Café Mucki & Floyd.

Pandemie macht Betrieben zu schaffen

Corona-Frust wegen KVR-Kontrollen - Münchner Gastronomen klagen an: „Wirkt so, als würden die Beamten ...“

  • Stéphanie Mercier
    vonStéphanie Mercier
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Den Münchner Wirten wird in der Corona-Krise besonders auf die Finger geschaut. Das schmeckt manchen gar nicht, weil es sich wie eine Schikane anzufühlen scheint.

  • In München wird penibel auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet.
  • Diesen Eindruck gewinnen zumindest die Gastrobetriebe.
  • Entsprechend wächst wegen mancher Schikane der Frust.

München - Durch Corona entstandene Schulden: 24.409,61 Euro. So prangt es auf einer Tafel vor dem Café Mucki & Floyd in der Ickstattstraße. Weil ihr Betrieb wegen der Pandemie zubleiben musste, ist Inhaberin Helena „Mucki” Hellmann immer tiefer in die Miesen gerutscht. „Jetzt können wir wenigstens die laufenden Kosten decken”, sagt sie.

Doch Hellmann hat ein ungutes Gefühl. Denn: Kontrolleure des Kreisverwaltungsreferats (KVR) sind unterwegs, schauen genau hin. Bei einem Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz drohen bis zu 5000 Euro Strafe. Das wäre zum Beispiel schon der Fall, wenn ein Gast ohne Maske auf die ­Toilette geht…

Corona-Krise in München: 65 KVR-Kontrolleure neben der Polizei unterwegs

Insgesamt 65 KVR-Kontrolleure überprüfen die Einhaltung der Corona-Richtlinien in München - etwa 15 davon im Einzelhandel und 50 in Gastro-Betrieben. Außerdem überwacht auch die Polizei. „Die Kontrolle infektionsschutzrechtlicher Vorgaben erfolgt stichprobenartig und bei Vorliegen konkreten Beschwerden“, heißt es seitens des KVR.

Hellmann hat zum Beispiel am 1. Juni Besuch bekommen - zunächst hätten sich die Behörden-Mitarbeiter nicht zu erkennen gegeben. „Die Kontrolleure haben sich an einen Tisch gesetzt, die Lage beobachtet und sich dann erst ausgewiesen und meine Kollegin angesprochen”, erzählt die Wirtin. „Wir hatten einen Tisch etwas weiter links außerhalb unserer Freischankfläche gestellt. Das wurde uns vom KVR gleich untersagt - wahrscheinlich kriegen wir dafür noch eine Strafe.” Wie hoch diese ausfällt, weiß Hellmann noch nicht.

Corona-Krise in München: Zunächst nur Schank- und Speisewirtschaften belohnt

Die Stadt hilft den Wirten zwar mit erweiterten Freischankflächen über den Sommer. Aber auch war’s für Hellmann erst mal schwierig. Denn die Behörden hatten zunächst nur die 2500 Schank- und Speisewirtschaften bei der Freischank-Erweiterung berücksichtigt - nicht aber alle knapp 8000 Münchner Gastro-Betriebe (beispielsweise Cafés und Bars).

Hellmann: „Nachdem der Stadtrat das klargestellt hatte, haben wir’s nochmal versucht.” Am 17. Juni reichte sie erneut den Antrag ein, wartete fast zwei Wochen bis zum 1. Juli - laut KVR dauert die Bearbeitung in der Regel 5,6 Tage! Ein Anruf klärte: Der Antrag war schon zwei Tage lang genehmigt, nur eine Antwort hatte Hellmann aber nicht erhalten. Sie sagt: „Es wirkt so, als würden die Beamten bei jedem kleinsten Verstoß auf der Matte stehen, einem aber nicht helfen wollen.”

Corona-Krise in München: Bei Fehlverhalten der Gäste wird durchgegriffen

Auch Constantino Medde, Inhaber vom 55 Eleven in der Amalienstraße, fühlt sich ungerecht behandelt. „Letztens wurden wir zwangsgeschlossen, weil zu viele Gäste mit unseren To-Go-Getränken an der Kreuzung standen”, sagt der 31-jährige Wirt. Statt um ein Uhr musste er schon um 22 Uhr zusperren. „Wir würden für eine unerlaubte Versammlung sorgen, hieß es seitens der Behörden“, so der Wirt. „Klar, das KVR und die Polizei haben auch nur die Aufgabe zu überwachen - aber es kann nicht sein, dass wir für jedes Fehlverhalten unserer Gäste die Konsequenzen tragen!”, findet Medde.

Albtraum Corona-Krise: Constantino Medde hatte in seinem Restaurant 55 Eleven in der Amalienstraße bereits häufiger Besuch vom KVR.

Weil oftmals Nachbarn die Betriebe anschwärzen, hat der Gaststättenverband DEHOGA bereits vergangene Woche an die Solidarität der Anwohner appelliert. Medde hat seine eigene Konsequenz gezogen und einen Security-Mitarbeiter angestellt - als Abstands-Aufseher.

Eine auf der Wiesn präsente Wirtsfamilie zieht sich zurück - nun gibt es Spekulationen über die Nachfolge.

In unserem Corona-News-Ticker halten wir Sie über alle Entwicklungen in Bayern auf dem Laufenden.

S. Mercier

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