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Die Gangster kommen meist nachts und brechen Türen oder Fenster auf (Symbolfoto).

Polizei bietet Beratungen an

Einbrecher schlagen in München wieder zu – Sicherheitsexperte der Polizei warnt

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Ein Sicherheitsexperte der Polizei erklärt, wie Sie sich vor Einbrechern schützen können. Er warnt allerdings davor, sich alleine auf die Technik zu verlassen.

München - Ein Einbruch in das eigene Zuhause hinterlässt bei den Opfern oft mehr als nur materielle Schäden. Viele Menschen leiden lange Zeit an den Folgen, fühlen sich nicht mehr sicher. Umso wichtiger ist es, sich so gut wie möglich zu schützen. Wie? Das erfahren tz-Leser bei einer Einbruchschutzmesse am Wochenende (siehe unten). Auch die Polizei wird vor Ort sein. „In der dunklen Jahreszeit steigt das Einbruchsrisiko!“ Die Zahlen sind 2018 in und um München mit 1369 Delikten wieder um mehr als zwölf Prozent angestiegen (2017: 1219 Delikte). Nur knapp jeder fünfte Einbruch wird übrigens aufgeklärt. Wir haben mit einem Sicherheitsexperten gesprochen – und mit einem Opfer. 

Josef Moosreiner (53) ist Leiter des Bereichs Sicherheitstechnische Prävention beim Bayerischen Landeskriminalamt. Im tz-Interview verrät er, was zu tun ist, damit Einbrecher keine Chance haben.

München: „Polizei gibt Infos über einbruchhemmende Türen, Tore und Fenster heraus“

Herr Moosreiner, wie sollte man sein Haus oder seine Wohnung vor potenziellen Einbrechern schützen?

Josef Moosreiner: Grundlage ist ein solider mechanischer Einbruchschutz in Form von verstärkten Fenstern und Türen. Wer neu baut oder renovieren lässt, sollte den Einbruchschutz gleich mit berücksichtigen. Bevor man mit der Sicherung beginnt, sollte aber der kostenlose Beratungsservice der Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Anspruch genommen werden. Zu finden sind diese unter www.k-einbruch.de.

Welcher Schutz ist verlässlich?

Moosreiner: Die Polizei gibt Herstellerverzeichnisse über geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Produkte wie Türen, Tore, Fenster und Rollläden heraus. Hierbei ist gewährleistet, dass die Hersteller diese Konstruktionen schon mal prüfen haben lassen, und über die Zertifizierung ist die Güteüberwachung sichergestellt.

Wie hoch sind die Kosten?

Moosreiner: DaDas ist sehr unterschiedlich. Aber bei einem Fenster kann man mit einem Aufpreis ab circa 200 bis 300 Euro rechnen. Bei Haustüren in der schlichtesten Ausführung liegt man bei einem Aufpreis von wenigen Hundert Euro. Wichtig ist: Für eine Nachrüstung oder den Austausch der Tür kann man bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau eine Förderung beantragen. Beim Austausch einer Haustür zum Beispiel sind die Kosten, die für den Zusatzschutz anfallen, durch die Förderung in der Regel locker abgedeckt.

München: „Eine Alarmanlage allein reicht nicht“

Sollte man elektronisch nachrüsten?

Moosreiner: Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren machen auf jeden Fall Sinn. Smart Home – die Vernetzung der Haustechnik – kann dabei helfen, einen bewohnten Zustand zu simulieren, indem man mit dem Smartphone von unterwegs beispielsweise die Rollläden herunterlässt. Smart Home wird oft mit Einbruchmeldetechnik verbunden – im Falle eines Einbruchs geht eine Alarmmeldung auf dem eigenen Handy ein. Hier bin ich skeptisch, weil man die Meldung womöglich zu spät bekommt. Außerdem besteht die Gefahr, dass Smart Home-Systeme gehackt werden.

Was empfiehlt die Polizei?

Moosreiner: Eine hochwertige Einbruchmeldetechnik, die weitgehend sicher vor Falschalarm ist und erst scharf geschaltet werden kann, wenn alle Fenster und Türen zu sind. Solche Anlagen können zu einer Alarmzentrale oder auch zur Polizei aufgeschaltet werden. Ein Hinderungsgrund sind für viele aber die hohen Kosten. Auch hier unterstützt die Polizei mit einer Adressenliste mit Fachfirmen für die Installation von zertifizierter Einbruchmeldetechnik.

Ihr Sicherheits-Fazit lautet?

Moosreiner: Eine Kombination aus mechanischem und elektronischem Schutz ist die beste Lösung. Aus Sicht der Polizei ist der mechanische Schutz aber wichtiger, weil Einbrecher tatsächlich draußen gehalten werden. Eine Alarmanlage allein reicht nicht aus. Fakt ist: Ein geübter Einbrecher hat ein einfaches Fenster in zehn bis 20 Sekunden aufgebrochen.

München: Kommen Sie zur Messe!

Ob Ihre Wohnung oder Ihr Haus richtig gesichert ist und wie sie nachrüsten können, erfahren Sie bei der Einbruchschutzmesse, die am Samstag und Sonntag in der Alten Rotation im Pressehaus (Bayerstraße 57–59) jeweils von 10 bis 17 Uhr stattfindet. Insgesamt zehn Aussteller, die mechanischen und elektronischen Schutz anbieten, sind vor Ort. Zudem gibt es Vorträge von der Polizei. Das Programm: www.einbruchschutzmesse.de

Im Sommer ist in München ein Serieneinbrecher verurteilt worden. Er nutzte 15 Jahre lang dieselbe Masche.

Video: Was taugen Alarmanlagen aus dem Discounter?

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