Hier leben Radler in München besonders gefährlich.
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Hier leben Radler in München besonders gefährlich.

Schafft Altstadt-Radlring Abhilfe?

Radeln in München wird wieder gefährlicher: Der Gefahren-Atlas für die Stadt

  • Uli Heichele
    vonUli Heichele
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  • Sascha Karowski
    Sascha Karowski
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Die Zahl der Fahrradunfälle nimmt zu. Das Todesdrama am Nockherberg hat viele Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht. Andreas Groh vom ADFC erklärt, wo es besonders gefährlich ist.

  • Die Zahl der Fahrradunfälle in München nimmt zu.
  • Das Todesdrama am Nockherberg hat viele Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht – aber schon zuvor war die Lage brisant.
  • Andreas Groh vom ADFC erklärt, wo es besonders gefährlich ist.
  • Mehr zu diesem Thema gibt es in unserer App.

München - „An vielen Straßen ist aus unserer Sicht ein Ausbau der Radinfrastruktur dringend geboten“, sagt ADFC-Chef Andreas Groh. „Vor allem zur Steigerung der Verkehrssicherheit, aber auch, um die ständig steigenden Radverkehrszahlen bewältigen zu können.“ Exemplarisch nennt Groh den Isarradweg, insbesondere den Abschnitt zwischen Prinzregentenstraße im Norden und Hefner-Alteneck-Straße im Süden. Eine weitere ganz konkrete Forderung: „Bei der Lindwurmstraße braucht es auch Verbesserungen, besonders kritisch ist der Bereich zwischen Sendlinger Tor und Lindwurmunterführung.“ Direkt am Sendlinger-Tor-Platz war etwa im Vorjahr ein Radler von einem Lkw erfasst worden – wie so oft beim Abbiegen.

Der vom Radentscheid München geforderte Altstadt-Radlring* würde Grohs Auffassung zufolge Verbesserungen auf der Sonnenstraße bringen. Notwendig wären bessere Radwege auch auf derNymphenburger Straße. Auf Ludwig- und Leopoldstraße c könnte ein Radschnellweg Abhilfe schaffen. Kritische Situationen gibt’s hier aktuell ständig – gerade vor der Ludwigskirche, wo derzeit auch noch eine Baustelle für zusätzliche Gefahren sorgt.

Fast 6500 Rad-Unfälle im Jahr 2018

Die vielen Unfälle mit Radl-Beteiligung (6471 im Jahr 2018, davon 2520 mit Personenschaden) hängen natürlich auch mit der hohen und weiter steigenden Zahl der Radler zusammen. „In Kombination mit nicht regelkonformer und nicht ausreichend dimensionierter Radinfrastruktur ist das natürlich besonders ungünstig“, beklagt Groh. 

Andreas Groh vom ADFC.

Wenn dann auch nochindividuelle Fehler dazukommen, sind Probleme programmiert – wie etwa jüngst an der Oberföhringer Straße b, wo eine Radlerin auf dem Fußgängerweg stürzte, weil ein Auto aus der Tiefgaragen-Ausfahrt kam, die sie gerade passierte. Genauere Hintergründe kennt die Polizei noch nicht, einen Radlweg gibt es an dieser Stelle nicht. Groh sagt ganz grundsätzlich: Ziel müsse sein, dass mehr Radverkehr ermöglicht werde und gleichzeitig die Unfallzahlen sinken.

Viele Abbiegeunfälle mit Fahrradfahrern in München

Die Statistik zeige auch, dass Abbiegeunfälle einen großen Teil der von Autos oder Lastwagen verursachten Unfälle ausmachen – zwischen 30 und 50 Prozent. Groh: „Diese Unfälle können mit verbesserten Sichtbeziehungen vermieden werden. Das bedeutet: Der Radweg oder der Radverkehr müssen rechtzeitig vor der Einmündung gut vom Fahrzeug und aus der Gegenrichtung gesehen und wahrgenommen werden können.“

Auch parkende Autos, Litfaßsäulen oder Werbetafeln schränkten allzu häufig die Sicht ein. Zum anderen könnte bessere Technik helfen, etwa die lang geforderten Abbiegeassistenten oder Trixispiegel. Groh: „Menschen werden immer Fehler machen, aber fehlerverzeihende Infrastruktur muss damit umgehen können.“

Wie gefährlich Radfahren in München sein kann, zeigte erst vor wenigen Tagen ein Fahrradunfall, der tödlich ausging*. Nun wird öffentlich nach einem Unfallbeteiligten gefahndet. 

Welche Städte besonders fahrrad-freundlich sind, sehen Sie im nachfolgenden Video.

Sascha Karowski und Uli Heichele

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