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Ein Gerichtspolizist führt Sinan C. zur Verhandlung.

Im großen Stil

Fast 300.000 Euro kassiert: Handy-Betrüger stehen vor Gericht 

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Mit fingierten Handy-Verträgen verursachten Betrüger einen Schaden von mehr als einer halben Million Euro. Sie schädigten vor allem Vodafone, E-Plus und Telefonica.

München - Sie fingierten Handy-Verträge am laufenden Band. Für die Vertragsdaten ließen sie sich Fantasie-Personalien einfallen oder verfremdeten persönliche Daten von echten Menschen. Die angeblichen Vertragsabschlüsse meldeten sie dann einem Mobilfunkanbieter – und kassierten teure Handys und Provisionen. Seit Mittwoch müssen sich nun acht Angeklagte wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Landgericht München II verantworten.

Hauptangeklagter ist Sinan C. (33), der bereits seit drei Jahren in anderer Sache in Haft sitzt. Der gebürtige Türke soll mit jeweils verschiedenen Komplizen vor allem den Mobilfunkanbieter Vodafone abgezockt haben, außerdem E-Plus sowie Telefonica sowie zwei Einzelpersonen. Laut Anklage liegt der Schaden bei insgesamt mehr als einer halben Million Euro.

München: Betrugs-Serie begann 2012 und umfasst hunderte Fälle

Die Angeklagten äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Denn den ganzen ersten Tag wurde nur die Anklage verlesen – hunderte von Fällen. Sie gliedern sich in acht Komplexe, sechs davon in München, sowie je einer in Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Markt Schwaben (Lks. Ebersberg).

Die Betrugs-Serie begann schon im Frühling 2012. Damals soll Sinan C. mit Adem P. (46) und Jan S. (37) beschlossen haben, über den Geretsrieder Vodafone-Laden von Jan S. Handy-Verträge zu erfinden. Am Ende fingierten sie alleine über diese Filiale 399 Verträge und kassierten Telefone im Wert von fast 200.000 Euro und Provisionen über 94.000 Euro.

München: Opfer zahlte 25.000 Euro, erhielt aber keine iPhones

Ebenso gingen die mutmaßlichen Betrüger in einer Vodafone-Filiale in Markt Schwaben vor. Der Angeklagte Samet A. (31) und ein weiterer Komplize schlossen eigens dafür einen Pachtvertrag mit dem Mobilfunkanbieter ab, um ihm dann 307 Verträge vorzuspiegeln. Schaden: mehr als 30.000 Euro. Weiter ging es in zwei Münchner Filialen, bei e-Plus und Telefonica im Internet.

Darüber hinaus gaukelte Sinan C. einem Vermittler vor, ihm günstig 100 iPhones besorgen zu können, weil er einen „Exklusiv-Vertrag“ mit Apple geschlossen habe. Igor B. vertraute Sinan C. – und war schließlich 25.000 Euro los, ohne je ein Handy zu sehen. Ebenso erging es Waldemar S., der 37.5000 Euro für angeblich 300 iPhones zahlte, die er nie erhielt. 

Erst kürzlich ist in München ein Prozess geführt worden, bei dem es ebenfalls um Betrug ging. Im Online-Handel sollen die Beschuldigten einen Millionen-Schaden verursacht haben. Im Sommer 2019 hatte ein Betrüger mit einem Trick versucht, in einer Bäckerei Bargeld zu ergaunern. Über den Fall hatte tz.de* berichtet.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Nina Gut

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