Stadtrat entscheidet über Gebühren

München: Freibäder öffnen schon bald - doch eine Corona-Regelung wird vielen ein Dorn im Auge sein

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
    schließen
  • Klaus Vick
    Klaus Vick
    schließen

Am 8. Juni sollen die Freibäder wiedereröffnen. Allerdings ohne freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Was 2019 neu eingeführt wurde, ist nach Auffassung der Verantwortlichen gescheitert. 

  • In München soll für die Freibäder eine Neuregelung wieder abgeschafft werden, die seit letztem Jahr galt. 
  • Die Münchner Stadtwerke sehen das Pilotprojekt „Freier Freibadeintritt“ als gescheitert an.
  • Der Stadtrat soll jetzt darüber entscheiden, welche Regelung gilt, wenn die Freibäder nach der Corona-Zwangspause* wieder öffnen.
  • Viele weitere News aus München gibt es in unserer App. Wie der Download* funktioniert.

München: Freibäder sollen in wenigen Tagen öffnen - Doch eine Regelung wird vielen ein Dorn im Auge sein

Update vom 29. Mai, 13.20 Uhr: Die Stadtwerke haben weitreichende Informationen zur Öffnung der Schwimmbäder in München veröffentlicht. Demnach sollen ab dem 8. Juni mehrere Bäder ihre Tore öffnen: Darunter sind das Schyrenbad, Dantebad, Bad Georgenschwaige und das Prinzregentenbad. Die Sommerbäder Michaelibad, Westbad, Ungererbad sollen am Samstag, 13. Juni, folgen. Ob und wann das Naturbad Maria Einsiedel öffnen wird, ist noch offen. Die Hallenbäder und Saunen bleiben vorerst geschlossen.

Corona in München: Freibäder öffnen - strenge Regelungen für Besucher

Auch für Freibäder gelten vor und in den Sommerbädern die bekannten Kontakt- und Abstandsgebote. Noch gibt es keine Vorgabe, in Sommerbädern einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Die SWM empfiehlt jedoch, einen Mund- und Nasenschutz griffbereit zu halten – zum Beispiel für den Eingangsbereich oder die Nutzung der Freibadgastronomie. 

Corona in München: Freibäder öffnen wieder - doch es gibt einen großen Haken

Eine große Veränderung bringt die Corona-Krise für die Öffnung der Bäder: So soll ein spontaner Besuch im Freibad bei heißem Wetter nicht möglich sein. Die Sommerbäder haben Besucherzahlbeschränkungen, die sich an der Größe der Liegewiese und an der Wasserfläche orientieren. Denn jeder Badegast soll so viel Platz im und ums Becken haben, dass er den nötigen Abstand zu anderen sicher einhalten kann. Um das zu sicherzustellen, führen die Münchner Bäder ein Reservierungssystem ein: Drei bis vier Tage im Voraus kann jeder für sich und maximal fünf weitere Personen Tickets reservieren. Das Reservierungssystem wird Ende der kommenden Woche freigeschaltet.

Corona in München: Kinder und Jugendliche nicht mehr kostenlos zum Baden

Erstmeldung vom 25. Mai 2020:

Es war ein Experiment. Und es ging schief. Meint zumindest die Stadtverwaltung. Der kostenlose Freibadbesuch für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren dürfte heute vom Stadtrat beerdigt werden. Grund: Es würde einen zu großen Einnahmenverlust in Corona-Zeiten bedeuten. Überdies gab es im Vorjahr laut Stadtwerken (SWM) zu viele negative Vorfälle mit problematischer Klientel.

München: Viele negative Vorfälle in Freibädern im letzten Jahr

In der Vorsaison mussten Personen bis 18 Jahre nichts bezahlen. Kinder bis sechs hatten schon immer freien Eintritt. Die Resonanz auf dieses Geschenk der Stadt war groß. Das große Interesse der Kinder und Jugendlichen am Pilotprojekt „Freier Freibadeintritt“ sei sicherlich positiv zu werten, heißt es in der Bilanz der Stadtwerke. Einerseits. Andererseits wurde dadurch ganz offensichtlich auch Publikum angezogen, das sich gründlich daneben benommen hat.

Die Schwimmer sind – wie hier im Freibad Maria Einsiedel – noch nicht zurückgekehrt. Die Saison soll am 8. Juni starten.

Laut SWM haben sich im Vorjahr allein von Anfang Juni bis Ende Juli rund 30 schwerwiegende Vorfälle in den acht Münchner Sommerbädern ereignet. Dazu zählten Schlägereien zwischen großen Jugendgruppen, respektloses und rücksichtsloses Verhalten gegenüber anderen Badegästen, Bedrohungen und Belästigungen, Massenansammlungen, Schaukämpfe und körperliche Übergriffe. Teils habe die Polizei mit einem großen Aufgebot einschreiten müssen. In der Vorlage für den Stadtrat heißt es: „Mit dem freien Eintritt ist in den Bädern ein neuer öffentlicher, sozialer Raum und Treffpunkt für Jugendliche entstanden.“ Baden und Schwimmen hätten dabei häufig eine untergeordnete Rolle gespielt, „in vielen Fällen hatten die Jugendlichen keine Badesachen bei sich“. Weitere Begleiterscheinungen seien ein hohes Müllaufkommen auf der Liegewiese gewesen sowie eine Verdrängung von Stammgästen.

München: Bäder erteilten 2019 54 Hausverbote an Minderjährige

Die Münchner Bäder erteilten 2019 insgesamt 54 Hausverbote an Minderjährige. Zum Vergleich: Im besucherstarken Jahr 2018 waren es acht. Im Mai und Juni 2019 lag der Anteil der Unter-18-Jährigen in den Freibädern nach Auskunft der Stadtwerke bei 32 Prozent, über die gesamte Saison gesehen bei 27 Prozent. Rund 271 000 Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 profitierten im Sommer 2019 von dem freien Eintritt. Das Defizit für die Stadtwerke betrug knapp 1,7 Millionen Euro. Knapp die Hälfte davon waren allerdings Aufwendungen für Sicherheitsdienste. Weil die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht absehbar seien, empfehlen die Stadtwerke, den kostenlosen Eintritt für diese Saison auszusetzen.

München: Gibt es einen Kompromiss für Kinder bis 12 Jahre?

Doch eine Kompromisslösung scheint möglich. Die CSU wird in der heutigen Sitzung des Stadtrats einen Änderungsantrag einbringen, wonach Kinder bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres weiterhin kostenlos in die Bäder dürfen. CSU-Fraktionsvorsitzender Manuel Pretzl sagt: Die Probleme sind mit Jugendlichen aufgetreten. Aber viele Familien werden im Sommer nicht in Urlaub fahren können. Oder es gibt Geldsorgen wegen der Kurzarbeit. Diese Menschen möchten wir unterstützen.“

Kaum vorstellbar, dass sich die neue grün-rote Rathaus-Regierung diesem Vorstoß komplett verschließen wird. Grundsätzlich sei es eine gute Idee gewesen, Kinder und Jugendliche umsonst ins Freibad zu lassen, sagt zum Beispiel Grünen-Stadträtin Anja Berger. Es gebe Möglichkeiten, Probleme deeskalierend zu lösen. Berger hält die Darstellung in der Stadtratsvorlage für „sehr pauschal und sehr negativ“. Ob die Grünen den CSU-Antrag mittragen? Diese Diskussion sei noch im Fluss, sagt Berger.

Aus dem Ruder gelaufen: In der Vorsaison mussten mehrmals Polizei und Sicherheitspersonal eingreifen.

Unterdessen bereiten sich dieMünchen Bäder auf den verspätetenSaisonstart vor. Vermutlich am 8. Juni wird es so weit sein, allerdings zunächst nur für die Freibäder. Dort müssen dann wie überall die Mindestabstände gewahrt werden. Schwimmen wird eventuell nur in einer Richtung möglich sein – und das Verlassen der Becken an klar markierten Ein- und Ausstiegsstellen. Doch so hundertprozentig stehen die Corona-Regeln der Staatsregierung noch nicht fest. 

Von den SWM heißt es, man habe ein fertiges Konzept in der Schublade. Spruchreif sei es aber noch nicht. Bäderchefin Christine Kugler sagt: „Wir haben alle Vorbereitungen getroffen und ein sehr umfangreiches Hygiene- und Betriebskonzept entwickelt. Nun warten wir auf die behördliche Bestätigung des Starttermins und auf die genauen Vorgaben und Auflagen für den Badbetrieb.“

Nach den Corona-Lockerungen kehrt in die Wirtshäuser das Leben zurück - aber es ist für alle ungewohnt. Die Wirte sind verunsichert und klagen über „sehr hohe Kosten“.

Ein Jugendtrainer des TSV Maccabi München wird bei einem Spaziergang übel antisemitisch beleidigt. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch ist nicht nur aufgrund dieses Vorfalls sehr besorgt.

Für einige Gastronomen war die Öffnung nach der Corona-Zwangspause ein Segen. Für einen Münchner Wirt nicht, er hat einen jetzt einen deftigen Brandbrief geschrieben

Ein Video zeigt beunruhigende Szenen: Pfeifen Münchner auf Corona-Regeln? Ein Passant verwundert sich über die Polizei.

*merkur.de und tz.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

Auch interessant

Kommentare