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Fritz (li.) und Christoph Preßmar betreiben das Filmtheater Sendlinger Tor. 

„Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“

Beliebtes Traditionskino in München vor dem Aus - Sohn von Betreiber startet besondere Rettungsaktion 

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Die Zukunft des Filmtheaters Sendlinger Tor ist weiterhin ungewiss. Der Pachtvertrag soll gekündigt werden, die Kinobetreiber wehren sich. Nun erinnert die Union OB Dieter Reiter an ein Versprechen.

  • Die Zukunft des Filmtheaters Sendlinger Tor ist ungewiss. 
  • Und das, obwohl es zu den beliebtesten Kinos Münchens zählt. 
  • Der Sohn des Betreibers startet nun eine besondere Rettungsaktion. 

Update vom 26. Februar: Noch immer ist die Zukunft des Filmtheaters Sendlinger Tor in München ungewiss (siehe unten). Nun hat Dr. Oliver Preßmar, dessen Vater und Bruder die Betreiber des Kinos sind, eine Petition zum Erhalt des Hauses gestartet. Auf dem Online-Portal „openpetition“ will er Unterschriften sammeln und so für das Filmtheater Sendlinger Tor kämpfen. 

Gerichtet ist die Petition an den Bundestag, den Bayerischen Landtag, die Regierung von Oberbayern, an den Stadtrat München sowie an die Verpächter. Gemeinsam solle die Schließung eines der ältesten Kinos „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ verhindert werden. Preßmar begründet den Schritt damit, dass das Kino „Zeitzeuge der Filmgeschichte“ sei. 

Ausführlich ist auf dem Online-Portal die Historie des Hauses geschildert. „Das Filmtheater Sendlinger Tor ist damit ein lebendiger Zeitzeuge der Deutschen, Bayerischen und Münchner Kino- und Filmgeschichte im Allgemeinen.“

Die Familie Preßmar betreibt das Traditions-Kino seit 1945 - seit drei Generationen. Preßmar spricht von einem „nationalen Kulturschatz“, der zerstört werden würde. Sammelziel sind 10.000 Unterschriften. Aktuell haben die Petition rund 3300 Menschen unterzeichnet. 

Auch einem weiteren Münchner Kult-Kino droht die Schließung. Schon in wenigen Monaten könnte dort der letzte Film über die Leinwand laufen.

München: Filmtheater Sendlinger Tor vor dem Aus - CSU-Stadtratsfraktion stellt Antrag

Update vom 21. Februar: Es gehört zu den beliebtesten Münchner Kinos und ist über 100 Jahre alt – und doch droht dem Filmtheater Sendlinger Tor das Aus. Nun hat die CSU-Stadratsfraktion beantragt: Die Stadt soll das Kino kaufen und so seinen Erhalt sichern.

Am 30. Juni läuft der Pachtvertrag des Kinos aus (siehe unten). Die Eigentümerin will ihn nicht verlängern. Die CSU-Fraktion möchte jedoch das „kultur- und architekturhistorisch wertvolle Filmtheater“ erhalten. Die Landeshauptstadt solle nun den Besitzern der Immobilie ein Kaufangebot unterbreiten und den langjährigen Betreibern des Kinos nach dem Kauf die Räume wieder zu einer „rentablen Miete“ vermieten.

CSU-Stadtrat Richard Quaas bezeichnet das Kino als eines der „bau- und kulturhistorischen Denkmäler“ Münchens. Er appelliert an OB Dieter Reiter, seinen Satz „Wir kaufen uns unsere Stadt zurück“ wahr zu machen und „ein Stück Münchner Kulturgeschichte“ zu erhalten. 

Filmtheater Sendlinger Tor in München: Kündigung vorerst zurückgewiesen

Ursprungsartikel: München - Es ist über 100 Jahre alt, gehört zu den beliebtesten Kinos Münchens und schreibt schwarze Zahlen. Dennoch ist die Zukunft des Filmtheaters Sendlinger Tor in Gefahr. Der Pachtvertrag läuft am 30. Juni aus. Die Eigentümerin will ihn nicht verlängern. Doch die Kinobetreiber geben nicht klein bei.

„Es geht um Geld. Die Eigentümerin hofft auf einen neuen Mieter, der viel mehr zahlt“, sagt Fritz Preßmar (75), der das Kino zusammen mit Sohn Christoph (46) leitet. In Familienhand ist das Lichtspielhaus schon fast so lange, wie Fritz Preßmar auf der Welt ist. 1946 übernahm sein Vater das Kino. Doch wenn es nach der Hausbesitzerin geht, ist nun Schluss mit der Tradition. Das Gebäude am Sendlinger-Tor-Platz gehört zwei Familien. 

Eine Eigentümerin wolle Vater und Sohn Preßmar seit Jahren aus dem Haus haben, sagen die Kinobetreiber. Laut Fritz Preßmar hat sie aber wohl noch keinen Nachmieter gefunden – und darin sieht er seine Chance. Zwar habe die Eigentümerin ihm fristgerecht im Sommer vergangenen Jahres gekündigt, aber der 75-Jährige wies die Kündigung zurück. „Denn die Vollmacht eines anderen Hausbesitzers fehlt“, sagt er. Der Kinobetreiber vermutet, dass dieser gegen eine Kündigung sei, weil es eben noch keinen lukrativen Nachmieter gebe.

München: Zukunft von Kino-Institution bleibt vorerst ungewiss

Die Zukunft des Kinos hängt also weiter am seidenen Faden. „Die Eigentümerin könnte versuchen, uns rauszuklagen“, sorgt sich Fritz Preßmar. „Das Damokles-Schwert schwebt noch bis zum 30. Juni über uns.“ Dennoch bleibt er optimistisch. „Vor fünf Jahren wollte sie uns schon einmal kündigen, konnte aber auch da schon nicht alle Hausbesitzer mit ins Boot holen“, sagt er. Wenn alles gut ausgeht, wird der Vertrag verlängert und das Traditionshaus besteht weitere fünf Jahre.

Wenn die Kündigung aber Bestand hat, geht ein Stück Münchner Kulturgeschichte verloren. Erbaut hat das Lichtspielhaus Architekt Max Littmann, von dem auch die Entwürfe für das Hofbräuhaus am Platzl und das Prinzregententheater stammen. Etliche Prominente – wie Hildegard Knef, Heinz Rühmann und seinerzeit sogar König Ludwig III. – waren im Lichtspielhaus bereits zu Gast.

Eine Spezial-Karte auf Google Maps begeistert derzeit viele Münchner - doch die Orte darauf gibt es gar nicht mehr. 

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