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OB Sven Gerich, Roland Kuffler und sein Sohn Sebastian (v. re.) bei der Vertragsunterzeichnung für das Rhein-Main Kongress Center 2016.

Unangekündigte Razzia 

Korruptions-Krach bei Kufflers: Wirbel um Gefälligkeiten - Staatsanwaltschaft ermittelt

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Berichten zufolge ermittelt nun die Staatsanwaltschaft München. Es geht um den Verdacht der Vorteilsgewährung beziehungsweise der Vorteilsannahme. 

Wirbel um die Münchner Wirte-Familie Kuffler: Laut Medienberichten besteht der Verdacht der Vorteilsannahme für gastronomische Aufträge in Wiesbaden. Die Staatsanwaltschaft München hat in diesem Zusammenhang das Büro des dortigen Oberbürgermeisters Sven Gerich (SPD) durchsucht.

Laut Wiesbadener Kurier soll es eine Razzia gegeben haben. Eine Staatsanwältin und ein leitender Kriminalbeamter aus München sowie EDV-Spezialisten hätten das Büro des Lokalpolitikers inspiziert, heißt es. Grund: Verdacht der Vorteilsgewährung beziehungsweise der Vorteilsannahme. Im Visier der Ermittlungen stehen Urlaube des Wiesbadener Oberbürgermeisters Sven Gerich (SPD) bei Kufflers in St. Tropez und Kitzbühel. Außerdem geht es um Wiesn-Aufenthalte. Dreimal fuhr Gerich auf Einladung Kufflers in dessen Kutsche zum Wiesn-Einzug mit – eine Ehre, die sonst eher Promis wie Schauspieler Francis Fulton-Smith oder Schlagerstar Patrick Lindner zuteil wird. 

Die große Frage: Waren diese Gefälligkeiten rein freundschaftlich – oder wurde so die Vergabe von lukrativen Aufträgen beeinflusst? Die Gastronomen-Familie Kuffler (das Unternehmen zählt mehr als 40 Betriebe) betreibt nicht nur in der Landeshauptstadt München etliche Einrichtungen wie das Spatenhaus an der Oper, das Seehaus im Englischen Garten oder das Weinzelt auf der Wiesn. Auch im Rhein-Main-Gebiet ist das von Senior-Chef Roland Kuffler gegründete Unternehmen aktiv: Es betreibt die Gastronomie im Kurhaus Wiesbaden. Und vor drei Jahren unterzeichneten Kufflers den Vertrag für die Gastronomie im neuen Rhein-Main Kongress Center in Wiesbaden. Genau diese beiden Betriebe stehen laut Wiesbadener Kurier nun im Fokus der Ermittlungen. Prüfungen des städtischen Revisionsamts Wiesbaden hätten ergeben, dass zumindest Zweifel an einem sauberen Verfahren beim Cateringauftrag im Rhein-Main Kongress Center angebracht seien. 

Auch Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Kuffler

Gleich zwei Ausschüsse seien schon länger mit der Aufarbeitung der „Kuffler-Affäre“ befasst. Nun hat sich auch die Staatsanwaltschaft München eingeschaltet und ermittelt wegen Wirtschaftskriminalität. Ermittler hätten bei der Razzia fünf Stunden lang unter anderem das Archiv und Computer überprüft sowie einige Akten mitgenommen.

Die Familie Kuffler weist die Vorwürfe von sich: „Unser Unternehmen hält sich in sämtlichen Ausschreibungen strikt an die vorgegebenen Strukturen und Prozesse. Das gilt auch für alle Ausschreibungen in Wiesbaden, an denen wir teilgenommen haben“, heißt es in einer Erklärung. Und weiter: „Bei den Ausschreibungsprozessen der Stadt Wiesbaden sind unsere Ansprechpartner stets spezialisierte Koordinatoren und Manager, nicht der Oberbürgermeister Wiesbadens.“ 

Ferner stimme über den Erfolg der Bewerbungen für Gastronomie-Lizenzen ein breites Gremium von Volksvertretern ab, nicht der OB der Stadt Wiesbaden. Auch Sven Gerich hat bereits mehrfach erklärt, dass die umstrittenen Urlaubsreisen und Einladungen bei Familie Kuffler rein privater Natur gewesen seien. Bei der OB-Wahl am 26. Mai tritt der SPD-Politiker nicht mehr an – obwohl er erst 44 Jahre alt ist. Dies hatte Gerich im Januar angekündigt.

In München ereignete sich am Wochenende eine Massenpanik in einer Kirche. Nun sprechen Betroffene über die dramatischen Minuten. 

Christina Meyer

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