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Trotz 21 Vorstrafen kam Frank W. (63, l.) mit Bewährung davon.

Flirt mit schweren Folgen

Nur Bewährung für Liebes-Betrüger mit 21 Vorstrafen: Warum so ein mildes Urteil?

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Eine ältere Frau lernt im Internet einen vertrauenswürdigen Mann kennen. Doch der entpuppt sich als Betrüger und bringt sie um viel Geld. Als das Gerichtsurteil fällt, kann sie es nicht fassen.

München - Wenn es mal schiefläuft, dann so richtig. „Eigentlich habe ich nur einen Tanzpartner gesucht“, sagt Susanne A. (61). „Doch dann habe ich mich leider in einen Betrüger verliebt.“ 

Im Internet lernte sie Frank W. (63) kennen. Angeblich Finanzberater. Doch tatsächlich war er pleite – und zog die frühere Museums-Direktorin in einen finanziellen Sumpf. „Die ersten Treffen im März 2016 waren sehr nett“, sagt Susanne A. Doch nur einen Monat später begann ein regelrechter Krimi: Frank W. bat sie um 2500 Euro – die Gelbuße für eine Trunkenheitsfahrt. „Er sagte, er müsse sonst ins Gefängnis. Also habe ich das Geld bezahlt.“ Blind vor Liebe gab Susanne A. dem Betrüger später noch mal 5000 Euro. „Frank ging es nach seiner Scheidung schlecht. Er wollte sich selbstständig machen und ganz von vorne beginnen.“

„Notorischer Lügner“: Richter verhängt Bewährungsstrafe

Doch eine Firma gründete er nie, sondern hatte längst ein Insolvenzverfahren am Hals. „Wenn ich das nur gewusst hätte“, sagt Susanne A. Ihr Geld sah sie nie wieder. Mit Frank W. kam es zum Streit, als der ihr sogar noch eine Immobilie andrehen wollte. „Er setzte mich unter Druck, aber ich konnte so viel Geld nicht aufbringen.“ Später behauptete W., dass er die 7500 Euro Schulden mit der Provision des vermittelten Haus-Kaufs begleichen wollte. Besonders dreist: Frank W. beschuldigte Susanne A., dass der Deal platzte und sie schuld sei.

Flirt mit Folgen: Susanne A. (61) verlor 7500 Euro, jetzt wurde ihr Ex-Partner verurteilt.

Ein glatte Lüge, wie sich am Mittwoch vor Gericht herausstellte! Dort legte Frank W. nach langen Ausreden endlich ein Geständnis ab. Seine Strafakte ist unfassbar: 21 Vorstrafen wegen Betrugs und Urkundenfälschung. „Sie sind ein notorischer Betrüger“, sagte Richter Stefan Vollath – und verurteilte Frank W. zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

„Das Urteil ist für mich schwer nachvollziehbar“, sagte Susanne A. „Ich wundere mich, dass man bei der Liste an Straftaten noch mit Bewährung davonkommt.“ In Zukunft will sie vorsichtiger sein, wenn sie Männer kennenlernt. „Ich hoffe noch auf den Richtigen. Aber ich kann ja auch nicht jedes Mal seine Strafakte vorher anfordern.“ 

Jedes Jahr nehmen Liebes-Betrüger tausende Menschen im Internet aus. Die perfide Masche: Mit geklauten Fotos und falschen Liebesbekundungen machen so genannte Love-Scammer (von englisch scam: Betrug) Jagd auf einsame Herzen und bringen sie um viel Geld. Auch Elisabeth Scholz aus Aubing.

Andreas Thieme

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