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Hans S. und seine Komplizin Imran A. müssen sich als Mittäter nun vor Gericht aussagen.

Anweisungen kamen per WhatsApp aus Istanbul

Münchner betrieb Fake-Onlineshop und verursachte Millionen-Schaden - wurde er nur ausgenutzt?

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Kaufpreis erhalten, aber Ware nicht geliefert: Das war das Geschäftsmodell eines Online-Shops aus München. Einer der Mittäter muss sich nun vor Gericht verantworten.

München - Selbst der Verbraucherschutz warnte vor diesem Onlineshop – dennoch fielen allein in Bayern 468 Kunden auf den Elektrohandel „Schmitt Electronics Trading GmbH“, der zwischen Februar und Juni 2017 Artikel zu Schleuderpreisen verkaufte, herein. Im Rest Deutschlands wurden 1939 Personen geprellt – insgesamt handelt es sich um einen Gesamtschaden von rund einer Million Euro.

Die Masche: Gegen Vorkasse wurde die Lieferung von elektronischen Geräten wie zum Beispiel Handys, Kühlschränken, Fotoapparaten, Waffeleisen oder Toastern angeboten. Die Preisspanne der Waren belief sich zwischen circa 50 und 6000 Euro. Die Kunden überwiesen den Kaufpreis für die im Internet bestellte Ware auf Konten des Beschuldigten. Jedoch: Die Geräte kamen in der Regel nie bei dem Käufer an. Nachfragen der Kunden zur Lieferung ihrer jeweiligen Bestellung wurden nicht beantwortet – weder per E-Mail noch über die im Onlineshop angegebene Telefonnummer.

München: Betrüger hatten es auf gute Bewertungen abgesehen

Um Kunden zu gewinnen, warb der Onlineshop, der pflichtbewusst von S. im Handelsregister eingetragen wurde, in seiner Anfangsphase von Februar bis März 2017 mit einer Osteraktion zu Spottpreisen. Zu Beginn wurden die bestellten Waren sogar versandt – um positive Bewertungen in den einschlägigen Onlineportalen zu ergattern. Kurz nach Geschäftseröffnung war „drschmittshop.com“, wie er später umbenannt wurde, sogar bei Google hoch gelistet.

Einer der Mittäter soll der 62-jährige Softwarespezialist Hans S. aus München sein. Er wurde im Mai vergangenen Jahres von der Staatsanwaltschaft in Singapur gefasst und ausgeliefert. Seitdem sitzt der promovierte Ingenieur in Untersuchungshaft. Der Onlineshop ist seit Ende 2017 nicht mehr aktiv.

München: Mittäter sind in der Türkei untergetaucht

Vor Gericht zeigte sich S. am Montag geständig und räumte ein, „sehr blauäugig“ gewesen zu sein. Er sei von den Komplizen „ausgenutzt“ worden. Die Anweisungen für den Handel sollen per WhatsApp von drei Hintermännern aus Istanbul gekommen sein. Das Trio ist wohl in der Türkei untergetaucht und wurde von der Staatsanwaltschaft noch nicht ausfindig gemacht. S. soll die Männer nie gesehen haben. Nur Imran A., die Exfreundin und Komplizin von S., soll die drei Geschäftspartner persönlich gekannt haben. Die 59-Jährige soll S. auch zu den Betrügereien überredet haben.

S. sagte vor Gericht aus, er sei erst misstrauisch geworden, als sich die Beschwerden über nicht  ausgelieferte Ware häuften. Als schließlich dann die fristlosen Kündigungen der Banken sowie eine Vorladung der Münchner Kriminalpolizei wegen des Verdachts der Geldwäsche in seinem Briefkasten landeten, sei ihm klar geworden, dass es sich hier um einen „Riesen-Betrug“ handele.

Der Angeklagte gab an, es „zutiefst zu bereuen, nicht sofort zur Polizei gegangen zu sein“. Vor lauter Panik, im Gefängnis zu landen, habe sich S. dann nach Singapur abgesetzt. Sein Ziel sei es nun aber, die „ganze Täterschaft auffliegen zu lassen“. S. möchte aktiv dabei mithelfen, die Hintermänner in der Türkei zu finden. Der Prozess geht weiter.

Auch auf der bekannten Verkaufsplattform ebay-Kleinanzeigen treten immer wieder Betrüger auf. Darüber hat tz.de* berichtet. Kürzlich ist bekannt geworden, dass ein 22-Jähriger den Shopping-Riesen Amazon um 330.000 Euro betrogen hat. Auch dieser Fall wurde von tz.de* aufgegriffen. 

Video: 7 Tipps wie Sie Fake-Online-Shops erkennen

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Tina Layes

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