Wohnraum soll günstiger geworden sein

Münchner Mieten-Wahnsinn endlich zu Ende? Studie stellt gewagte These auf

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Die Wahnsinns-Mieten in München sollen im vergangenen Jahr billiger geworden sein. Diese gewagte These stellt eine aktuelle Studie auf. Das steckt hinter den Zahlen.

  • Laut einer aktuellen Studie der Immobilienmarktforscher von F+B sind die Mieten in München 2019 zurückgegangen. 
  • Ist ein Ende des Miet-Wahnsinns in Sicht?
  • So ist die Studie zu interpretieren.

München - Was die Mieten angeht, ist München deutscher Meister: nirgends sind die Immobilienpreise so hoch wie hier. Doch eine aktuelle Studie macht Mietern Hoffnung. Darin heißt es, die Mieten würden allmählich wieder sinken. Zumindest die Neuvertragsmieten. Die sind laut der Studie der Immobilienmarktforscher von F+B innerhalb des vergangenen Jahres zurückgegangen. Und zwar von 16,53 Euro pro Quadratmeter auf 16,43 Euro. Die Kaufpreise seien noch stärker gesunken: Im letzten Quartal 2019 zahlte man im Durchschnitt noch 7000 Euro pro Quadratmeter – und damit 113 Euro weniger als noch 2018.

Münchner Mieten-Irrsinn: Der Druck auf die bayerische Hauptstadt wird noch stärker werden

„Da ist eine Schmerzgrenze erreicht“, sagt Rudolf Stürzer vom Eigentümerverband Haus und Grund. Doch weil immer mehr Menschen nach München drängen, sieht Stürzer wenig Grund zur Freude: „Der Druck wird nicht nachlassen.“ Im Gegenteil: „In den nächsten 15 Jahren werden 250.000 Menschen zuziehen“, so Stürzer. „Der Rückgang wird nicht von großer Dauer sein.“

Auch beim Mieterverein reagiert man verhalten auf die Zahlen: „München bleibt auch nach diesen neuen Daten teuerste Großstadt Deutschlands“, sagt Geschäftsführer Volker Rastätter. Den leichten Rückgang könne man eventuell der neuen Mietpreisbremse zurechnen. Doch dass sich die Situation für Mieter verbessert hat, habe man nicht feststellen können. Das gebe die Studie auch nicht her, bemängelt Stürzer. In dieser würden eben lediglich Neuvertragsmieten analysiert. „Entscheidend für den Markt sind aber die Bestandsmieten“, sagt Stürzer. „Und die kennen nur eine Richtung: nach oben.“

Eine Entwicklung bereitet den Immobilienforschern besondere Sorgen: der sogenannte Herdeneffekt. Denn Privatanleger suchen mangels lukrativer Zinsen am Finanzmarkt alternative Geldanlagen – und greifen nach Immobilien. Also kaufen sie sich jetzt überteuerte Immobilien. Das Problem: Die Kaufpreise sind im Vergleich zu den Mietpreisen viel stärker gestiegen. „Die Renditen in München sind deshalb jetzt schon niedrig“, sagt Stürzer.

Mieten-Wahnsinn in München: Konsequent nachverdichten und Flächenpotenziale ausschöpfen

Um den angespannten Markt zu beruhigen, müsste man laut der Studie zum F+B-Wohn-Index konsequent nachverdichten. Doch weil sich Lokalpolitiker („insbesondere vor Kommunalwahlen“) häufig querstellten, müsse man andere Flächenpotenziale ausschöpfen. So sollte man Anreize schaffen, „damit Einzelpersonen in sehr großen Wohnungen beziehungsweise Häusern diese für größere Haushalte freimachen“, so die Autoren. Besonders im Fokus stünden hier Senioren, „die nach Auszug der Kinder in ihrer großen und aufgrund alter Mietverträge relativ preisgünstigen Wohnungen leben.“ 

Immer wieder sind in München auffällige Luxus-Karossen unterwegs. Die jüngste Entdeckung wird nur scheinbar von der Polizei genutzt.

Diese hätten kaum einen Anreiz, ihre Wohnungen freizugeben, weil eine kleinere Wohnung heute im Verhältnis teurer ist als die alte. Deshalb empfehlen die Forscher, „für Senioren optimierte und mit Pflegeangeboten ergänzte kleine Wohnungen neu zu schaffen oder umzubauen.“ Wenn die Senioren dann ausziehen, sollte die Politik durch eine wirksame Mietpreisbremse ermöglichen, dass die frei werdenden Wohnungen dann günstig zu haben sind.

Rund 30 Millionen Immobilien-Inserate aus ganz Deutschland hat F+B für den Wohn-Index ausgewertet – sowohl Miet- als auch Kaufangebote. Das machen die Analysten seit 2004, viermal im Jahr.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Immobilienforscher von F+B eine Entspannung im Anstieg der Mietpreise vorhergesagt - doch auch dabei gibt es einen Haken. Infolge des Mietpreis-Irrsinns wandern auch viele Münchner ab.  

Rubriklistenbild: © Imago

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