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Kaputte Obikes wie dieses hier im Westpark werden nur noch wenige in München gesichtet.

Dauer-Posse um Leihanbieter

Ärger über kaputte Obikes: Münchner Fahrradbeauftragter hat Nachricht, die genervte Bürger freuen wird

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  • Andrea Stinglwagner
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Sie hingen in Bäumen, lagen in Parks und in der Isar: Die Fahrräder von Obike machten München zu schaffen. Nach langer Funkstille hat sich das Unternehmen bei der Stadt gemeldet - und wurde aktiv.

Update 29. April, 6.12 Uhr: Die kaputten orangefarbenen Räder in Bäumen und der Isar gehören in München größtenteils der Geschichte an: Der wirtschaftlich angeschlagene Leihanbieter Obike hat die meisten seiner überwiegend zerstörten und fahruntauglichen Fahrräder aus der Landeshauptstadt weggeräumt. „Die ganz große Masse der Räder ist verschwunden“, sagte der städtische Radverkehrsbeauftragte Florian Paul der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe noch immer einige Fahrräder in der Stadt, die aber kein großes Problem mehr seien.

Seit fast einem Jahr hatte die Stadtverwaltung versucht, die Tausenden von Billigrädern aus der Landeshauptstadt loszuwerden. Die Behörden hatten Obike monatelang mit einer Beseitigungsanordnung gedroht. Dieser sei der Leihanbieter jetzt zuvorgekommen, so Paul. Nach vielen erfolglosen Kontaktversuchen habe sich im Januar die deutsche Vertretung des Unternehmens gemeldet und die Stadt um die Standorte der Fahrräder gebeten.

Viele der kaputten Räder wurden zwischenzeitlich an Sammelstellen gelagert oder von privaten Firmen eigenständig weggeräumt. In der Faschingswoche sammelte Paul zufolge eine von Obike beauftragte Beseitigungsfirma rund 1000 gelagerte und gesammelte Fahrräder ein.

Obike in München: Projekt geht gründlich schief

Obike war erst 2017 gegründet worden und bietet in mehreren europäischen Städten seine Leihräder an. Gründer Shi Yi hatte im Juli 2018 in einem Interview von wirtschaftlichen Schwierigkeiten gesprochen. Für Unruhe hatte auch die Insolvenz von Obike Singapur gesorgt. Auf die Geschäfte an anderen Standorten habe dies aber keine Auswirkungen, hatte der Anbieter im vergangenen Juni erklärt.

Der Müchner Radverkehrsbeauftragte zeigte sich zufrieden, dass die Behörden keine Beseitigungsfirma auf Kosten der Steuerzahler beauftragen mussten. Er sprach von einer „extrem lästigen Plage, die wir jetzt losgeworden sind“.

Neue Sorgen bereite ihm allerdings ein weiterer Trend: Mit der geplanten Zulassung von E-Scootern könne es auf den Münchner Radwegen noch voller und noch gefährlicher werden.

Obike kündigt Entsorgung von kaputten Rädern an - darum reagiert die Stadt skeptisch

Update 16. Januar, 11.26 Uhr: Das habe das Unternehmen in einem Schreiben an die Verwaltung der bayerischen Landeshauptstadt erklärt, sagte der städtische Radverkehrsbeauftragte Florian Paul am Mittwoch. Darin hieß es demnach lediglich, dass mit Hochdruck die Beseitigung der Räder abgeschlossen werden solle. Die Stadt reagierte auf den Brief vom November zurückhaltend. Paul sagte, Obike an seinen Taten und nicht an den Worten messen zu wollen. Bislang habe das Unternehmen sein Versprechen nicht eingelöst.

Die Stadtverwaltung muss mit ihrer angekündigten Räumung der verbleibenden Obikes noch immer warten. Eine entsprechende Beseitigungsanordnung sei noch nicht rechtens, so Paul. Er rechnet damit, dass die Behörden im März oder April die noch immer herumliegenden Räder wegräumen können. Im November hatte der Radverkehrsbeauftragte noch mit einer Räumung im Dezember oder Januar gerechnet. Für die Juristen der Stadt sei die Anordnung schwierig zu erstellen, da es bisher keine vergleichbaren Fälle gegeben habe und die Verwaltung eine Klage von Obike gegen die Maßnahme verhindern wolle, erklärte Paul.

Obikes vergammeln in München: Unternehmen erst 2017 gegründet

Zahlreiche orangefarbene Räder des Anbieters waren Ende des vergangenen Jahres aus dem Stadtgebiet verschwunden. Private Firmen und Unternehmen haben der Stadtverwaltung zufolge die Räder eigenständig weggeräumt und teilweise weiterverwertet. Aber noch immer liegen zahlreiche Räder zerstört in Parks oder auf den Gehsteigen der bayerischen Landeshauptstadt, manche hängen sogar in Bäumen.

Obike war erst 2017 gegründet worden und bietet in mehreren europäischen Städten seine Leihräder an. Gründer Shi Yi hatte im Juli 2018 in einem Interview von wirtschaftlichen Schwierigkeiten gesprochen. Für Unruhe hatte auch die Insolvenz von Obike Singapur gesorgt. Auf die Geschäfte an anderen Standorten habe dies aber keine Auswirkungen, hatte der Anbieter im vergangenen Juni erklärt.

München: Hunderte Obikes eingesammelt: Massenansturm auf Radlbauer-Filialen

München - Ansturm auf die Münchner Radlbauer-Filialen: Seit September läuft hier die Aktion „München räumt auf“. Radlbauer zahlt für jedes bei ihm abgegebene Obike 100 Euro „Aufräumprämie“ beim Kauf eines neuen Bikes ab 500 Euro (wir berichteten). Und die Leute rennen dem Unternehmen mittlerweile die Bude ein...

„Wir bekommen in allen Filialen seit dem 21. September täglich mehrere Obikes gebracht und erwarten bis zum Ende der Aktion 400 bis 500 Räder“, berichtete am Freitag Thomas Jürgens, Marketing- und Vertriebsleiter bei Radlbauer. Warum kam es zu der Aktion? Zur Erinnerung: Im Sommer 2017 hatte der Leihradl-Anbieter Obike die Stadt mit seinen markanten gelben Rädern geflutet. Zwischenzeitlich waren über 7000 Stück auf Münchens Straßen geparkt. Und nicht nur da – sie hingen in Bäumen, lagen in der Isar, stapelten sich am Straßenrand.

Wo stecken eigentlich die Obike-Initiatoren?

Die Stadt wertete mittlerweile das Abstellen im öffentlichen Raum als „illegale Müllablage“ und besteht darauf, dass die gelben Radl entfernt werden. „Unsere Juristen bereiten die nächsten Schritte vor“, sagte Lukas Raffl von der Stabsstelle Radverkehr bei der Stadtverwaltung unserer Zeitung. Aber: Man könne die Räder erst wegräumen, wenn bewiesen ist, dass die Stadt alles versucht hat, den Eigentümer der Räder zu erreichen. Die Stadt hatte Obike eine Frist gesetzt. Doch es kam keine Reaktion! Das Unternehmen mit Heimatmarkt in Singapur ist mittlerweile auf Tauchstation.

Das war der Moment für die Firma Radlbauer einzugreifen. „Wir wollen, dass München sauber bleibt“, lautet der Slogan ihrer Aktion. Hier wird dazu aufgerufen, die Räder einzusammeln – und zwar „möglichst die, die in der Natur liegen und nicht mehr einsatzbereit sind“. Die gelben Drahtesel werden nun bei Radlbauer zunächst eingelagert – sollte sich der Besitzer aus Singapur doch noch melden, könnte er sie freilich zurückbekommen. 

ast

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