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Voll im Training mit dem Herrchen: eineinhalb Jahre dauert Hanks Ausbildung zum perfekten Schnüffel-Experten.

Münchens Hundestaffel

Polizeihund Hank ist der neue Schnüffel-Jungstar im Revier

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Bei der Suche nach Sprengstoff setzt die Polizei auf tierische Hilfe. 52 Hunde leisten im Polizeipräsidium München derzeit ihren Dienst und erschnüffeln vom Geldschein bis zu Leichenteilen so ziemlich alles, was Verbrecher lieber verstecken wollen. Der fünf Monate alte Schäferhund Hank absolviert derzeit die Ausbildung als Diensthund.

München - Aufmerksam folgt Hank mit seiner schwarzen Schnauze dem Finger. Er spitzt die Ohren, legt den Kopf schief. Als der Finger stoppt, stoppt auch die Schnauze. Der Finger gehört Polizeihauptkommissar Christoph Lipp (44), Hanks Herrchen. Fünfeinhalb Monate ist der Belgische Schäferhund jetzt alt. Der Malinois soll ein neuer Diensthund bei der Hundestaffel des Polizeipräsidiums werden. Zu 99 Prozent wird er künftig Sprengstoff erschnüffeln. 52 Diensthunde sind zurzeit im Schichtdienst rund um die Uhr für Stadt und Landkreis München im Einsatz, 2432 Aufträge haben sie im Jahr 2018 absolviert. 

Die Kommissare mit dem guten Riecher können Kokain, Bomben, Waffen, Leichenteile und Geldscheine erschnüffeln. Etwa alle anderthalb Jahre kauft die Hundestaffel einen Welpen für etwa 1000 Euro. Die Vierbeiner sind von Anfang an rund um die Uhr mit ihrem Diensthundeführer zusammen. 45 arbeiten für das Polizeipräsidium, zum Teil hat ein Beamter zwei Hunde. Wie Christoph Lipp. Bei ihm lebt seit mehr als acht Jahren der Rauschgiftspürhund Cox und seit einigen Monaten jetzt auch Hank. „Man braucht schon einen toleranten Partner, wenn der Hund immer dabei ist“, sagt Christoph Lipp. Das Präsidium hat Hank vor Kurzem in der Nähe von Karlsruhe von einem Züchter gekauft. „Als Hank sechs Wochen alt war, sind wir hingefahren und haben uns den Hund angeschaut.“ Ein künftiger Polizei-Schnüffler muss sozial aufwachsen, ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und einen hohen Spieltrieb haben. „Hank war von Geburt an mit elf Welpen zusammen, ist sehr verspielt und hatte von klein auf ein Kilo mehr als seine Altersgenossen“, sagt Lipp. 

Der kleine Hank - ganz wachsam vor seinem Zuhause.

Das Präsidium entschied, den Malinois zu kaufen. „Ab der zehnten Woche kann man Hunden leicht und spielerisch etwas beibringen, zum Beispiel, dass sie über einen Gitterboden gehen können und darunter keine Gefahr lauert“, erklärt Lipp. Die ersten Dinge, die Hank können muss, haben noch gar nichts mit Polizeiarbeit zu tun: Er muss sauber werden, Sitz, Platz und Steh beherrschen. Durch spielerische Übungen – und Futter zur Belohnung – entsteht eine starke Bindung zwischen Hundeführer und Hund. Hank lernt, dass er bellt, wenn er jemanden gefunden hat. „Beißen dürfen Diensthunde auch, jedoch nur auf Kommando des Hundeführers und unter Würdigung der rechtlichen Voraussetzungen“, erklärt Christoph Lipp – also nur, wenn der Flüchtende nicht anders zu stoppen ist. Er darf nur in bestimmte Körperteile beißen, wie Arme und Beine. „Hals, Kopf und Genitalien sind tabu“, sagt Christoph Lipp. Zum Biss kommt es allerdings nicht oft. Meist reicht die bloße Anwesenheit eines Hundes, um Straftätern Respekt einzuflößen. 

Am Wichtigsten für die Polizeiarbeit sind allerdings die Riechkolben der Vierbeiner: Während ein Mensch etwa fünf Millionen Riechzellen hat, verfügt ein Hund über 220 Millionen. Und er kann Gerüche aufspalten: „Wir riechen, wenn wir nach Hause kommen: Ah, es gibt Erbsensuppe“, erklärt Lipp. „Ein Hund riecht: Es gibt Zwiebel, Speck, Erbsen.“ Im Gehirn eines Hundes entsteht ein Bild von einem Geruch. Das ist ein großer Vorteil, wenn zum Beispiel Menschen gesucht werden. Ein Personensuchhund (Mantrailer), der an einem Kopfkissen riecht, auf dem sowohl ein Vermisster als auch dessen Frau geschlafen haben, erkennt, wenn die Frau vor ihm steht: Dieser Geruch ist da, ich suche also den anderen vom Kopfkissen. „Personensuchhunde brauchen einen Referenzgeruch“, sagt Lipp „Jagdhunderassen eignen sich dafür besonders gut.“ 

Rauschgift-, Sprengstoff- und Leichenspürhunde sind häufig Schäferhunde, deutsche und belgische. In seiner Ausbildung werden die Hunde in eine Richtung spezialisiert. Die 18 Rauschgiftspürhunde des Präsidiums erschnüffeln alle gängigen Drogen. Zwei davon sind auf Banknoten spezialisiert. 17 Sprengstoffhunde arbeiten im Präsidium, die zum Beispiel verdächtige Koffer abschnüffeln. Ein Leichenspürhund ist im Einsatz, findet Gestorbene ab dem zweiten Tag des Todeseintritts, mit Blut kontaminierte Gegenstände sowie Blut- und Spermaflecken. „Er kann auch zwischen Mensch- und Tierkadavern unterscheiden“, sagt Lipp. Grundsätzlich kann jeder Diensthund alles werden – nur sollte ein Sprengstoff-Experte nicht allzu hibbelig sein, damit er nicht versehentlich das Fundstück hochgehen lässt. 

Der angehende Polizeihund Hank im Alter von 9 Wochen.

Knappe 20 Minuten kann ein Hund am Stück Höchstleistung mit seinem feinen Näschen bringen. Findet er das Gesuchte, legt er sich hin, die Schnauze zum Fundstück. Bis Hank zu seinem ersten richtigen Einsatz fahren darf, dauert es noch ein bisschen. Die etwa eineinhalbjährige Ausbildung findet zum Teil auf dem weitläufigen Gelände in Allach, zum Teil in der Zentralen Diensthundeschule in Herzogau nahe der Tschechischen Grenze statt. Bei einer Abschlussprüfung wird sich zeigen, ob die schwarze Schnauze den richtigen Riecher hat.

Haben Sie Hank auch schon in Ihr Herz geschlossen? Über den Facebook-Kanal der Polizei München können Sie sich in Kürze über Hanks Entwicklung auf dem Laufenden halten. (twitter.com/polizeimuenchen)

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Vierbeiner im Dienst der Polizei: Hier ein Überlick über die Geschichte der Hundestaffel

  • Im Jahr 1908 wird die erste Polizeidiensthundeabteilung gegründet. 
  • 1911 eröffnete die erste Polizeihundeschule an der Erhardstraße (heute ist dort das Gelände des Patentamtes). Im Jahre 1967 erwirbt die Polizei ein Grundstück an der Angerlohstraße in Allach. Dort ziehen die Vierbeiner am 28. September 1967 ein. Im Jahr 2014 wurde das Dienststellengebäude neu gebaut. 
  • An der Angerlohstraße arbeiten zurzeit 47 Hundeführer sowie ein Dienststellenleiter, zwei Geschäftszimmerbeamte, ein Diensteinteiler und eine Angestellte. 
  • 18 Rauschgift-, 17 Sprengstoff und ein Leichenspürhund sind im Moment im 24-Stunden-Schichtbetrieb für das Präsidium im Einsatz.

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Stefanie Wegele

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