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Dieses Bild zeigt, wie sich die Grünen die Isar mit Balkonen und Treppen vorstellen. Ob das kommt, ist offen.

Fluss polarisiert

Streit um die Zukunft der Isar - Mehr Gaudi oder Natur pur?

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Sommertäglich strömen Tausende Menschen an die Isar, zum Baden, Grillen und Chillen. Jetzt hat das vorläufige Aus für das Isarflussbad die Debatte um die Nutzung der Reißenden neu entfacht: Belebung wünschen sich die einen, Angst vor Kommerzialisierung verspüren die anderen. Wie der Fluss die Stadt spaltet, zeigen wir hier.

▶ Die Isar als Gaudi-Meile?

Benjamin David will einen zweiten Anlauf unternehmen. Der geistige Vater des Isarflussbades hat eine günstige Variante erstellt – gemeinsam mit Experten. Die möchte David den Fraktionen vorstellen. Wie berichtet, hatte die FDP ihre Zustimmung zu dem Projekt zurückgezogen,weil die Kosten zu hoch seien. CSU-Chef Manuel Pretzl schimpfte: „Neue Ideen werden von einigen Bedenkenträgern so lange zerredet, bis sie zu scheitern drohen. Grünen- Chef Florian Roth sagte der tz: „Das Flussbad wäre eine Attraktion.Es müssen aber die Kosten runter.“ Der Stadtrat hatte am Mittwoch indes den Weg freigemacht für den neuen Isar- Plan: Denkbar sind Promenaden, Isar- Balkone oder eine Gastronomie sowie mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer – auf Kosten von Parkplätzen oder Fahrspuren. Gastro-Projekte wie der Biergarten am Maxwerk waren zuletzt gescheitert. Roth: „Wir hatten noch mal angefragt, ob nicht eine kleinere Variante möglich sei.“ Die Antwort steht aus. Auch offen ist, was aus den von den Grünen ins Spiel gebrachten Balkonen und Treppen wird. FDP-Chef Michael Mattar:„Dem stehen wir offen gegenüber.“ SPD-Stadtrat Jens Röver: „Die Diskussion läuft. Aber wir können uns definitiv eine bessere Zugänglichkeit der Isar vorstellen.

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▶ Die Isar als Natur-Idyll?

Das Flussbad hat keine Freunde bei der SPD: Stadtrat Jens Röver zur tz: „Wir wollen einfach keine abgegrenzten Bereiche.“ Die Isar sei ein Wildfluss. „Wir haben ja erlebt, wie innerhalb kürzester Zeit der Pegel steigen kann.“ Es gebe zudem bereits jetzt diverse Möglichkeiten, an der Isar zu baden. Die Temperaturen lägen jedoch selten über 16, 17 Grad. „Das ist für kleine Kinder und ältere Menschen ein Problem.“ Auch die FDP ist kein Freund mehr: Das Isarflussbad sei eine „nette und schöne Idee“, sagte FDP-Chef Michael Mattar gestern. „Aber die enormen Kosten und die geringe Nutzungszeit stehen in keinem Verhältnis.“ Brigitte Wolf (Linke) sagte zur tz: „Vielleicht würde es an einem anderen Fluss funktionieren, aber die Isar ist schon allein wegen der Strömung dafür nicht geeignet.“ Das alles sei eine Schnapsidee. Apropos Schnaps: Der örtliche Bezirksausschuss lehnt weitere Gastro-Eingriffe ab, der Biergarten am Maxwerk etwa erntete massiv Proteste: „Stopp dem Kommerz an unserer Isar“ war auf Plakaten zu lesen. Weniger Fahrspuren, mehr Platz für Fußgänger und Radler – nicht mit der Bayernpartei. „Wir sehen die Realität“, so Stadtrat Richard Progl. „Die Zulassungszahlen steigen, auch E-Mobile brauchen Platz. Und der wird ja nicht mehr!“

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Im Folgenden argumentieren zwei Autoren unserer Zeitung, einmal für und einmal gegen das Isar-Flussbad. 

Isar-Lust für alle! 

Die Isar ist Münchens Trumpf. Doch wie die Stadt mit ihr umgeht, ist vorsintflutlich. Die Ablehnung des Flussbads ist eine vertane Chance für mehr Lebensgefühl in einer Stadt, die immer teurer wird. Ein Flussbad ist nicht notwendig. Stimmt. Doch sonst scheut München auch keinen „Luxus“. Viele können sich die hohen Mieten nicht mehr leisten. Das kann die Isar nicht richten. Aber sie spielt eine große Rolle für die Münchner, weil sie alle mitnimmt! Sie ist unsere Lebensader, an der Anwälte neben Azubis grillen. Müll ist ein Problem. Aber es wäre kleiner, wenn sich Gastronomie ansiedeln dürfte. So wie in Berlin oder Wien. Stimmt ja, wir schielen nicht auf andere Städte. Nur in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Freizeit am Fluss? Luxus! Augustiner hat seine Pläne für das Maxwerk nach heftiger Gegenwehr zurückgezogen. Ein Jammer!
(Daniela Schmitt)

CONTRA 

Mehr Fantasie, bitte! 

Die Isar ist seit der Renaturierung ein innerstädtisches Juwel. Zigtausende strömen an schönen Tagen zum Fluss. Sie joggen, radeln, ratschen, feiern, und – ja – sie baden. Nämlich jetzt schon – gratis. Aber an wie vielen Tagen im Jahr kann man eigentlich in die Isar gehen? Wasserqualität und -temperatur lassen das Vergnügen nur in einem beschränkten Zeitraum zu. In einem Isarflussbad würden zig Millionen Euro für eine Betriebszeit von zwei oder drei Monaten versenkt. Bei vielen anderen Projekten könnte die Stadt ihr Geld sinnvoller investieren. Das hat nichts mit „fantasielos“ zu tun. Fantasielos ist die Stadt eher, wenn es um mehr Mut zu Fußgängerzonen oder zu moderner Architektur geht. Das soll nicht heißen, dass der Isarraum zur völligen Tabuzone erklärt wird. Weitere Ufertreppen und das ein oder andere Café würden zum Flair des Flusses passen. (Klaus Vick)

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