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Höhenflug beim Prinzenwalzer im Altenheim St. Korbinian in Vaterstetten.

Ein Tag mit dem Münchner Prinzenpaar 

Die Schweißspur des Frohsinns: Unterwegs mit den Regenten des Faschings

211 Auftritte hat das Prinzenpaar der Narrhalla in der Faschingszeit. Dieses Pensum schaffen die beiden Mittzwanziger nur mit Disziplin, Ausdauer und einem herausragenden Team. Wir haben sie einen Tag lang begleitet.

8.30 Uhr, Bayerischer Hof. Schon jetzt ein sonniger Tag. Die royale Kutsche steht vor dem Eingang des Hotels, in dem das Faschingsprinzenpaar eine eigene Suite bewohnt. Doch die Kutsche treiben nicht Pferde an, sondern hunderte Pferdestärken.

„Wir bekommen jedes Jahr den neuesten 7er-BMW“, sagt Christian Schöttl stolz. Der 41-Jährige ist heuer Hofmarschall. Was der Motor für den BMW ist, ist Schöttl für die Narrhalla. Er sorgt für das Prinzenpaar, organisiert Termine und checkt Veranstaltungsorte. Bevor das Prinzenpaar auftritt, heizt er dem Publikum ein.

„Wir bringen den Fasching in die große Stadt“

Auf dem Dach der Limousine prangt eine riesige Narrenkappe, von vier Scheinwerfern angestrahlt. Auch in der Dunkelheit soll jeder sehen, wer im Wagen sitzt. Es ist das Faschingsprinzenpaar SarahZahn alias Sarah I. und Fabrician Prankl. Sie sind für den ältesten Münchner Faschingsverein, die Narrhalla München, im Einsatz. „Wir bringen den Fasching in die große Stadt“, erklärt Prankl.

Heimspiel: Die angehende Erzieherin Sarah I. im Schwabinger Kindergarten Elly & Stoffl.

Und der hat es in sich: 211 Termine sind in diesem Jahr zu absolvieren, etwa 90 Prozent davon ehrenamtlich. „Der Fasching war einmal dazu gedacht, dem Volk in der tristen Winterzeit Vergnügen zu schenken und den Frühling einzuläuten“, sagt Hofmarschall Schöttl. „Dafür haben die Münchner einen großen Aufwand betrieben.“

Fliegerlied, Prinzenwalzer, Polonaise

Heute beginnt der Aufwand im Norden von Schwabing. Hier tritt das Prinzenpaar in einer Kinderkrippe auf. Im Programm: Fliegerlied, Prinzenwalzer, Polonaise. Im Zimmer der Lupinen-Gruppe sitzen die Erzieherinnen mit den Kindern in einem Halbkreis und lassen sich von Schöttl einheizen. Prinz und Prinzessin warten im Gang. Ob sie aufgeregt sind? „Beim ersten Auftritt: ja“, sagt Zahn. „Jetzt haben wir das aber ja schon 150-mal gemacht.“ Die Aufregung hält sich mittlerweile in Grenzen. „Außerdem ist das für mich ein Heimspiel“, sagt die Faschingsprinzessin. Die 23-Jährige macht eine Ausbildung zur Erzieherin nach dem sogenannten Münchner Optiprax-Modell. Das heißt, sie büffelt nicht nur in der Erzieherschule, sondern arbeitet schon im Beruf.

Beinharte Arbeit: Die „Einhorn-Tänzerinnen“ der Garde beim Auftritt in der Landesschule für Körperbehinderte.

Nach dem Auftritt geht es gleich wieder ins Auto. Das steuert der Fahrer nach Nymphenburg. Hier bespaßt die Truppe etwas ältere Kindergartenkinder. Anfangs sind einige Kinder skeptisch, doch das ist spätestens vergessen, als Schöttl ruft: „Kennt ihr alle das Fliegerlied?“ Den Tanz dazu muss er keinem der Kinder vormachen.

„Puh, jetzt ist mir heiß“, stöhnt Zahn nach dem Auftritt. Das zugige Treppenhaus spendet Abkühlung. Doch viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht: Vor dem Nymphenburger Schloss will das Team ein Foto für Instagram schießen. Das Prinzenpaar repräsentiert den Münchner Fasching eben nicht nur in der analogen Welt.

Zum Abbusseln: Der Prinz nach dem Auftritt.

Zurück im Bayerischen Hof geben die beiden ein Interview. „Bestimmt 50 haben wir schon hinter uns“, sagt Prankl. Dieses Mal: Bayern 3. Prankl nennt sich „Ölprinz von Messtecc“. Das ist clever, denn Messtecc ist die Firma des 27-Jährigen. In jedem Interview wird Prankl nach seinem seltsamen Beinamen gefragt. Dann ist er ehrlich: „Ich habe den Namen ausgesucht, um Werbung für die Firma zu machen“, sagt er auch zu Moderator Andi Christl.

Ein Nickerchen zwischendurch: So schafft die Prinzessin den Faschings-Marathon.

Kurz etwas essen, dann folgen Termine in einem Altenheim und in einer Schule für Körperbehinderte. Zwischendurch schläft Zahn im Auto ein. Doch beim nächsten Prinzenwalzer ist die ehemalige Ballerina wieder hellwach. Denn wo ihr Tüllkleid weht, staunt das Publikum. Um 19 Uhr ist Feierabend. Aber morgen beginnt alles von vorn.

SEVERIN HEIDRICH

Der erste Alkohol fließt vor dem letzten Auftritt nach 18 Uhr. Auch der MM-Reporter (re.) hat ihn sich verdient.

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