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Wahnsinn! Rund 2000 Schultaschen hat die Münchner Tafel am Freitag verteilt.

Grundausstattung kostet viel Geld

Armutszeugnis: Viele Münchner können sich sündteuren Schulstart nicht leisten

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Am Dienstag geht das neue Schuljahr los. Trotzdem gibt’s schon jetzt ein Armutszeugnis: Tausende Münchner können sich die teure Schulausrüstung kaum leisten. Und es gibt noch eine weitere Sache... Der tz-Report.

München - Der erste Schultag, ein magischer Moment. Leider wird die Vorfreude oft von Geldsorgen überschattet. Bücher, Stifte, Ranzen: Rund 350 Euro müssen Eltern im Schnitt für die Ausstattung ihrer Kinder ausgeben. Wie die Ranzen-Rechnung im Detail aussieht, haben wir exemplarisch zusammen mit einer Expertin aus dem Schreibwarengeschäft ausgerechnet (siehe Grafik). Vor allem für Familien, bei denen das Geld gerade so zum (Über-)leben reicht, ist der Schulstart finanziell kaum zu stemmen. Die Münchner Tafel hat deshalb gemeinsam mit Amazon und der Stadt eine Hilfsaktion gestartet. Rund 2000 gepackte Schulranzen haben die guten Seelen am Freitag an mehreren Ausgabestellen verteilt - 250 allein an der Großmarkthalle. Dort kamen die fleißigen Helfer kaum hinterher. „Wahnsinn, wie viele Kinder gekommen sind“, sagt Angela Zacher von der Tafel, „wir haben zwar mit einem großen Ansturm gerechnet, aber dass tatsächlich so viele anstehen - unglaublich.“ Wir waren vor Ort und haben mit Familien gesprochen. 

Aktuelle Schulranzen-Rechnung zu Beginn des Schuljahres 2018/2019.

Aufgeregt wie am 1. Schultag 

Eigentlich geht Juliana Soares Kerst (11) gern in die Schule. Aber ohne einen coolen Ranzen macht der erste Tag nach den Ferien bloß halb so viel Spaß. „Mein alter war zwar auch blau“, erzählt sie, „aber er hat mir nicht mehr gefallen, war recht kaputt.“ Wie gut, dass Mama Michelli Soares Kerst (34) vor Wochen einen Gutschein von der Münchner Tafel zugeschickt bekam - für eine niegelnagelneue Schultasche, vollbepackt. Die durfte sich die Schülerin an der Großmarkthalle in Sendling abholen. „Ich war ein bisschen aufgeregt“, gesteht sie, „fast so sehr wie vor meinem allerersten Schultag.“ Der liegt bei Juliana schon ein paar Jahre zurück. Schließlich kommt die Münchnerin heuer in die fünfte Klasse. Und, macht’s Spaß? „Ja“, sagt sie und lacht, „am liebsten mag ich Mathe.“

Und es gibt noch ein Problem: Unseren Kindern gehen die Worte aus

Bayerns Lehrer schlagen Alarm: Der Wortschatz der Kinder und Jugendlichen von heute werde immer ärmer – das hat Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) am Freitag angeprangert. „Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass die Sprachbewandtheit der Kinder abnimmt“, sagt die BLLV-Chefin. Das bedeute zwar „nicht zwangsweise“, dass die Mädchen und Buben nicht sprechen könnten. Aber: „Die Vielfalt der Wörter und Flexibilität im Wortschatz sinkt. Die Kinder sprechen immer eintöniger.“

Was ist schuld? Mehrere Dinge, so Fleischmann. Die neuen Medien – hier schreibe man immer mehr mit Abkürzungen und arg simplem Wortschatz. Aber auch an der Kommunikation hapert’s: In den Familien werde zu wenig geredet. Und auch die Erzieher in Kindergärten und Krippen kriegen von der Lehrerverbands-Chefin schlechte Noten: Dort werde „weniger auf gemeinsames Singen und Reimen geachtet“. Das habe schlimme Folgen für die Bildung: In Grundschulen könne man nicht mehr wie früher auf Gelerntes wie Reime und Lieder aufbauen. 

Überhaupt nehme die gesamte Sprechfähigkeit der Kinder ab. Laut-, Wort- und Satzbildungsstörungen seien bei den Kindern immer häufiger. Laut Gesundheitsministerium hatte im Schuljahr 2014/15 jedes vierte Vorschulkind eine Sprachauffälligkeit, zehn Jahre zuvor nur jedes fünfte. Ein Grund hierfür: der steigende Anteil von Kinder mit Migrationshintergrund in der Schuleingangsuntersuchung. Diese Untersuchung soll künftig früher stattfinden. Um die Kinder früher fördern und therapieren zu können.

An bayerischen Schulen wurde zuletzt fast jede zehnte Unterrichtsstunde nicht regulär gehalten - nach Ansicht des Kultusministers ist das zu viel. Sein Vorsatz fürs neue Schuljahr: bessere Vertretungskonzepte.

AST

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