Alle für einen. Diese Münchner Schüler kämpfen für ihren Freund.
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Alle für einen. Diese Münchner Schüler kämpfen für ihren Freund.

Gelähmter Teenager erhält Hilfe

Nach tragischem Unfall: Mitschüler kämpfen für Vincent (17) - „Wahnsinn, was die Jungs für mich machen“

  • Nadja Hoffmann
    vonNadja Hoffmann
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Um ihrem Freund Vincent zu helfen, haben sechs Schulfreunde eine Spendenaktion gestartet. So wollen sie ihm den Weg zurück ins Leben erleichtern.

  • Am 3. März 2019 ist der Teenager Vincent beim Skifahren in Tirol schwer verunglückt.
  • Er hatte großes Glück, überhaupt zu überleben.
  • Seine Freunde wollen dem querschnittsgelähmten Jungen nun mit einer Aktion helfen.

München - Der 3. März 2019 wird immer der Tag bleiben, der für Vincent und seine Familie alles ändert. Es war der Tag, an dem sich der heute 17-Jährige beim Skifahren in Südtirol schwer verletzt hat. Beim Sprung von einer Schneerampe flog der Teenager zu weit, landete nicht auf dem Luftkissen, sondern dahinter. Die Eltern und sein kleiner Bruder bangten um das Leben des schwerst verletzten Burschen, der sich aber jeden Tag aufs Neue als Kämpfer erweist. Auch wenn er von der Brust ab gelähmt ist, derzeit im Rollstuhl sitzt.

„Heute schauen wir nur noch in die Zukunft“, sagt Vincents Mutter Bettina Herborn. Seit dem tragischen Unfall in den Faschingsferien ist sie nicht von der Seite ihres Sohnes gewichen, blieb bei ihm in Krankenhaus. Erst in Innsbruck, dann im Unfallklinikum in Murnau, später am Bodensee. Es zeigte sich: Angesichts der Schwere der Verletzungen, von denen auch zum Teil die Organe betroffen waren, war es ein großes Glück, dass Vincent es überhaupt geschafft hat. „Es war haarscharf“, sagt seine Mutter. Über Monate lag er auf der Intensivstation, musste lange beamtet werden. Dass er die Maschine inzwischen nicht mehr braucht und sogar wieder gelernt hat, seine Arme zu bewegen, macht seine Mutter mehr als glücklich.

München: Nach tragischem Unfall - Schulfreunde sehen sich in der Verantwortung

Aktuell sind die beiden in einem speziellen Therapiezentrum im Baden-Württembergischen Pforzheim. Gibt es keine Planänderung, kommt Vincent bald zurück nach München.

Der querschnittsgelähmte Vincent (17).

Hier kommen seine Schulspezln ins Spiel. „Wir sehen uns in der Verantwortung, unserem Freund zu helfen“, sagt Merlin Soller. Und das sind nicht nur leere Worte. Zusammen mit Franz Oehler, Max Salat, Fynn Hirrlinger, Tim Texter und Felix Tenbörg hat er die Spendenaktion „Einer von uns“ gestartet, seine Mutter Susanne Soller unterstützt das Projekt organisatorisch. „Super, was die Burschen auf die Beine stellen“, sagt sie. Die Schüler setzen auf die Kraft der Kontakte, die jeder hat. In einer E-Mail erklären sie kurz die Lage der Familie und warum Geld benötigt wird. „Vieles lässt sich noch nicht richtig absehen“, sagt Bettina Herborn. Es sei zum Beispiel noch gar nicht klar, wie weit sich die Krankenkasse an der speziellen Therapie in Pforzheim – sie zeichnet sich dadurch aus, dass die querschnittsgelähmten Patienten viel im Stehen machen – finanziell beteiligt. 

Außerdem zieht die Familie über Weihnachten in eine neue Wohnung um, die im Erdgeschoss liegt und teils noch rollstuhlgerecht umgebaut werden muss. „Es ist so ein Glücksfall, dass wir sie schnell über Freunde bekommen haben“, sagt Vincents Mutter. Trotzdem kommen Kosten auf die Herborns zu. Ein behindertengerechtes Auto, medizinische Geräte werden wohl angeschafft werden müssen. Sicher ist Betreuung genauso notwendig wie weitere Therapien. Und dann ist da noch die Schule, die sich auf Vincents Rückkehr vorbereiten muss. Das alles kostet viel Geld.

„Wahnsinn, was die Jungs für mich machen“

Deshalb haben die Freunde von „Vinci“, wie alle den 17-Jährigen nennen, einen rührenden Brief geschrieben, der im Schneeballsystem von E-Mail zu E-Mail immer mehr Leute erreicht. „Wir vermissen ihn und möchten, dass er möglichst die gleichen Chancen auf einen Schulabschluss, eine gute Ausbildung und ein selbstbestimmtes Leben hat wie wir. Wir möchten Vincent Lebensfreude und Unterstützung schenken“, schreiben sie. Ihre Worte bewegen viele Menschen. Natürlich auch Vincent. „Ich finde es Wahnsinn, was die Jungs für mich machen“, sagt er. „Das berührt mich wirklich.“

Wer helfen möchte, kann seine Spende an folgendes Konto überweisen: Fridericke und Wolfgang Erlenbach-Stiftung; Stichwort Vincent; IBAN: DE76 70 19 00 00 00 00 33 64 40, BIC GENODEF1M01. Bei Beträgen über 200 Euro wird eine Spendenbescheinigung der Stiftung ausgestellt. Dazu müssen Name und Adresse angegeben werden. Bei Spenden unter 200 Euro gilt der Überweisungsnachweis als Spendenbeleg.

Nadja Hoffmann

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