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So geht‘s nicht: Zahllose E-Scooter wurden kreuz und quer auf Gehwegen abgestellt.

Erinnerungen an Obike-Flut

„Wildes Parken“: Frust über abgestellte E-Scootern steigt - das planen die Anbieter

E-Scooter haben das Stadtbild in München verändert - nicht unbedingt zum guten. Denn die kleinen Fahrzeuge werden an allen Ecken abgestellt. Das Frustlevel nimmt zu.

München - Es ist eine klare Ansage: „Wenn du deinen Scooter parken willst, stelle bitte sicher: dein Parkplatz blockiert keinerlei öffentliche Fußwege.“ So versucht der E-Scooter Anbieter Tier, Nutzer auf seiner Website für korrektes Verhalten im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Die Realität sieht oft anders aus: Da stehen Roller an der U-Bahn-Treppe, andere auf dem Gehweg, und so mancher muss aufpassen, dass er nicht ins Stolpern kommt. Chaos pur!

Viele sind sauer: Bürger, Lokalpolitiker und auch der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) schlägt jetzt Alarm. „Ich bin bereits über einen am Boden liegenden Roller gestolpert und weiß von einer weiteren Blinden, der das auch passiert ist“, schimpft Bernhard Claus vom BBSB. „Egal, wo die E-Scooter auf dem Gehweg stehen, sie sind fast immer eine Behinderung“, ergänzt der 55-Jährige.

In Reih und Glied: So stellen die verschiedenen Anbieter ihre Roller für mögliche Nutzer im Stadtgebiet bereit.

3000 Roller sollen in München unterwegs sein - „Unmut steigt“

Etwa 3000 Roller sind nach Angabe des Kreisverwaltungsreferates (KVR) derzeit in München unterwegs. Sie werden schnell mal benutzt - und dann vermehrt irgendwo abgestellt. „Wildes Parken“, nennt das der Chef des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Andreas Klose (Rosa Liste): „Man merkt, dass der Unmut im Viertel steigt.“ Es hätte vereinzelt Bürgeranfragen zum Parken der Roller gegeben. „Die Bürgersteige sind eh schon viel zu schmal“, klagt Klose.

Die Stadt kann nur wenig tun. Die Roller fallen unter die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. „Die E-Scooter können überall abgestellt werden, wo sie kein Sicherheitsrisiko sind“, sagt Johannes Mayer, Sprecher des KVR. Das erinnert an die Zustände, als die Obikes Münchens Straßen fluteten. Um ein weiteres Fiasko zu vermeiden, sei die Branche zu einer engen Kooperation mit der Stadt bereit.

Auch auf den Gehwegen geparkte Roller sind ein Problem.

Anbieter der E-Scooter appellieren an die Eigenverantwortung der Nutzer

Bei den Anbietern Tier und Circ seien Belohnsysteme für richtiges Parken in Arbeit. Die beiden Firmen Voi und Lime verzeichneten keine bis wenig Beschwerden und appellieren an die Eigenverantwortung der Nutzer.

Aber all das hilft nur wenig, wenn Roller im Alkoholrausch verwendet werden. Seit Einführung der Flitzer am 15. Juni sind über 700 Trunkenheitsfahrten verzeichnet worden. Erst diese Woche wurde ein Münchner am Odeonsplatz mit 2,4 Promille aufgegriffen. Für blinde Menschen ein hohes Risiko: „Wenn man hört, dass welche nachts betrunken fahren, bekommt man es mit der Angst zu tun“, so Claus. In Schweden und Frankreich gab es bereits tödliche Unfälle. Claus: „Wir hoffen, dass wir rechtzeitig lernen und dagegensteuern. E-Roller dürfen den Fußgängerverkehr nicht gefährden.“

Sophia Oberhuber

Erinnerungen an Obike-Flut werden wach

Erinnern Sie sich an die gelbe Radlflut? Sie hingen an Bäumen oder waren zu sperrigen Bergen aufgetürmt: Der Hass auf die Obikes in München war groß. Der Leihradanbieter, der mittlerweile in Konkurs gegangen ist, zog sich 2018 wegen der vielen beschädigten Räder entnervt aus der Landeshauptstadt zurück. Bis Februar 2019 hat der Anbieter fast alle seiner einst fast 7000 Räder im Stadtgebiet weggeräumt. Zur Erleichterung der Stadt: Fast ein Jahr lang hatte die Stadtverwaltung versucht, die Billigräder loszuwerden.

Das Leihrad-System der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) funktioniert hingegen gut. „Wir haben wenig Vandalismus. Nur ungefähr drei bis vier Räder werden im Monat beschädigt“, sagt ein Sprecher. So wie jüngst zwei MVG-Räder, die tz-Leser Erwin Hachmann im Hachinger Bach entdeckt hat. Momentan befinden sich in Stadtgebiet und Landkreis insgesamt 4300 MVG-Räder an 292 Stationen. Wer sein Leihrad wieder zurück in eine Station stellt, wird mit zehn Freiminuten belohnt. Das zieht!

Das ist keine Kunst: Die Obikes wurden in München an allen möglichen Orten hinterlassen.

das

Viele der um die E-Scooter geltenden Regeln machen die Nutzer perplex. In England hat ein Junge wegen zu hoher Geschwindigkeit mit seinem Roller bereits Punkte für seinen künftigen Führerschein gesammelt. In München wurden bei Polizeikontrollen in einer Nacht 24 E-Scooter-Fahrer erwischt.

In Eschenlohe bei Garmisch wird die als rechtsextrem geltende Gesellschaft für freie Publizistik Ende August eine Tagung abhalten. Ihr Gastgeber: Ein türkischer Wirt.

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