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Sexistisch? Die Grünen empfanden dieses Werbeposter am Marienplatz aus dem Jahr 2016 als frauenfeindlich.

Auf Antrag der Grünen und Rosa Liste

Zu anstößige Motive? München will freizügige Reklame auf den Straßen verhindern

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Pralle Oberweite und ein Po zum Nüsseknacken: körperliche Vorzüge sind ein probates Werbemittel. Bei der Stadt sorgt das für Ärger und neue Regeln werden gefordert.

Die Stadtratsfraktion aus Grünen und Rosa Liste will sexistische und pornografische Reklame verhindern und fordert die Einrichtung einer „Werbe-Watch-Group“ nach dem Vorbild Wiens. Zwar hat das Direktorium den Antrag aus rechtlichen Gründen abgelehnt – schlägt aber eine Alternative vor.

Demnach sollen das Referat für Arbeit und Wirtschaft sowie die Stadtwerke ihre Verträge mit den Betreibern städtischer Werbeflächen um Klauseln ergänzen, die derlei Reklame untersagen. Bislang gibt es solche Klauseln nicht. Vorbild hierfür sind Ulm, Pforzheim und Heidelberg. Über die Umsetzung dieser Maßnahme ist der Gleichstellungsstelle für Frauen bis 2020 zu berichten.

Werbe-Watch-Group soll eingesetzt werden

Grüne und Rosa Liste hatten die Werbe-Watch-Group vorgeschlagen, weil die allgegenwärtige Reklame Schönheitsideale und Rollenzuweisungen transportiere, die für Jugendliche fatale Folgen haben können. Buben und Mädchen, die den vermeintlichen Idealen nicht entsprechen, litten darunter. Außerdem könne die Orientierung an äußeren Bildern die Entwicklung eigener Potenziale stören.

Die in Graz, Salzburg und Wien tätigen Werbe-Watch-Groups identifizieren sexistische Werbung anhand eines Kriterienkatalogs, verlangen von den Reklametreibenden die Entfernung der Reklame – und machen es öffentlich, wenn sich diese widersetzen.

Eine solche Veröffentlichung ist in Deutschland nicht rechtens, teilte das Direktorium mit, das den Antrag der Fraktion bearbeitet hat. Sie stelle einen Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit dar. Zwar gebe es Gesetze, die einen solchen Eingriff rechtfertigen könnten, aber Kommunen seien dazu nicht befugt. Dagegen sei es rechtlich zulässig, den Vertragspartnern Vorgaben zur Werbung auf städtischen Flächen zu machen. Die Stadt Ulm nutzt das seit 1996. Hier gilt Werbung unter anderem dann als sexistisch, wenn sexuelle Attraktivität als Werbemittel ohne Sachzusammenhang verwendet wird. Dessous-Werbung mit Frauenkörpern wäre demnach – unter bestimmten Voraussetzungen – erlaubt, Bierwerbung nicht. Bislang mussten in Ulm zehn Kampagnen entfernt werden.

Laut Direktorium gibt es in München nur wenig Beschwerden über Werbung. Die Reklame für die Erotikmesse, für Wiesn-Partys und die „Party Pornös“ in der Nachtgalerie erbosten manche. Einen Sturm der Entrüstung löste vor Jahren die Werbung für eine Sex-Serie der Bild aus. Die MVG bat die Zeitung daraufhin um Beendigung der Kampagne, jedoch ohne Erfolg. Mit den nun geplanten Vertragsklauseln müssen Werbetreibende in solchen Fällen die Kampagne beenden.

Wo viele Autofahrer langsam vorbei müssen, ist Werbung clever platziert. Speziell neben Straßen häufen sich die Reklame-Banner. Schön ist das nicht. Und ist es überhaupt erlaubt? Darüber berichtete der Münchner Merkur im Juni.

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