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Überlastet: Das Wohnungsamt an der Franziskanerstraße schließt kommende und drei weitere Wochen, damit die Mitarbeiter die Arbeit bewältigen können.

Flut an Fällen

Wohnungsnot in München: Zu viele Anträge - Amt greift zu drastischer Maßnahme

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Weil die Zahl der Anträge auf Sozialwohnungen extrem hoch geworden ist, greift das Amt für Wohnen und Migration zu einer drastischen Maßnahme.

  • Im Amt für Wohnen und Migration stapeln sich die Anträge auf Sozialwohnungen.
  • Jeden Monat kommen rund 2470 neue Anträge dazu.
  • Um die Flut bewältigen zu können, greift das Amt zu einer drastischen Maßnahme.

München - „In den letzten beiden Jahren ist die Zahl der Anträge auf Sozialwohnungen kontinuierlich gestiegen“, teilt eine Sprecherin des Sozialreferats mit. Genau 9825 sind derzeit offen. Und damit sei ein Stand erreicht, „der keine angemessene Bearbeitungszeit für die Münchner Bürger mehr ermöglicht.“ Jeden Monat kämen rund 2470 neue Anträge dazu. 

Damit die Sachbearbeiter die Flut der Fälle abarbeiten können, schließt das Amt für Wohnen und Migration an der Franziskanerstraße kommende Woche komplett: Von Montag, 20., bis Freitag, 25. Januar, sind keine persönlichen und telefonischen Vorsprachen möglich. Das gleiche gilt vom 17. bis 21. Februar, vom 23. bis 27. März und vom 27. April bis 1. Mai. Wohnungsanträge können in der Zeit lediglich in den Briefkasten geworfen werden.

Rumänin sucht seit fast sechs Jahren: „Ich bin verzweifelt“

Sucht seit sechs Jahren: Maria Bologa.

Ob mit der Abarbeitung der Fälle endlich auch Maria Bologa ihre Sozialwohnung erhält? Seit fast sechs Jahren versucht die 30-Jährige, eine zu bekommen. „Ich bin verzweifelt“, sagt die Rumänin. Sie lebt seit zehn Jahren in München, hatte mit ihrer Familie eine Wohnung und Arbeit in der Gastronomie. Doch nach der Scheidung musste sie mit ihren Kindern (6 und 8) in ein Heim ziehen. Seither bewirbt sie sich auf der Vermittlungsplattform Sowon des Amts für Wohnen und Migration um eine Bleibe. „Aber niemand reagiert“, sagt sie. Obwohl sie die höchste Dringlichkeitsstufe hat. Doch die haben viele.

Nach Angaben des Sozialreferats sind unter den berechtigten Antragstellern auf eine Sozialwohnung 9413 in der Dringlichkeitsstufe 1 eingeordnet. Zum Beispiel wohnungslose oder von Kündigung bedrohte Münchner. Auch ältere Menschen, die eine behindertengerechte Wohnung brauchen und Familien, die mehr Platz brauchen, sind darunter.

Wer Anspruch auf eine Sozialwohnung hat, kann auf auf dem Portal „Soziales Wohnen online“ (Sowon) nach Angeboten suchen und sich bewerben. Jedem Haushalt stehen nur die Wohnungen zur Auswahl, für die er die Voraussetzungen hinsichtlich Einkommen und Haushaltsgröße erfüllt. Das Amt für Wohnen und Migration wählt aus allen Bewerbungen fünf Haushalte mit der höchsten Dringlichkeit aus. Sie können sich beim Vermieter melden. Der allein entscheidet dann, wer die Wohnung bekommt.

Immer wieder sind in München auffällige Luxus-Karossen unterwegs. Die jüngste Entdeckung wird nur scheinbar von der Polizei genutzt.

Pro Jahr werden nur etwa 3000 neue Wohnungen vergeben

Insgesamt standen im Dezember 86.216 Sozialwohnungen zur Verfügung. Da es aber wenig Fluktuation gibt und zu wenig neue Wohnungen gebaut werden, können im Jahr nur etwa 3000 neue Wohnungen vergeben werden. Die Wartezeit beträgt teils Jahre.

Ob die Antragsflut nun mit den Schließwochen bewältigt wird, werde sich zeigen, so das Sozialreferat. Sollte mehr Personal benötigt werden, werde sich der Stadtrat damit befassen müssen.

In München werden tausende Sozialwohnungen zweckentfremdet. Nun will die Stadt gegen den Missbrauch vorgehen.

Die Kündigung des Mietvertrags bedeutet auf einem angespannten Mietmarkt ein riesiges Problem. Gelingt es nicht, rechtzeitig eine neue Bleibe zu finden, droht gar die Zwangsräumung. Was das bedeutet, muss eine Familie in Neuhausen gerade erleben.

Auch interessant: Ein 18-Jähriger steigt mit seiner Freundin (15) in eine Münchner S-Bahn (S6 Tutzing) und schlägt ihm mit der Faust ins Gesicht. Danach eskaliert die Situation völlig.

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